Von Reizen, Regeln und Technik überfordert

Die G(l)eisterfahrer

10.02.2019, Volkmar Eltzel

Fotos: Freiwillige Feuerwehr Karlshorst (1), Volkmar Eltzel (2-4). Zum Vergrößern Hauptbild anklicken.

Karlshorst. Der Mensch ist eigen. Und so unendlich müde. Deshalb ist er manchmal nicht so ganz bei der Sache, wenn es drauf ankommt. So passieren Fehler, es sei denn Sicherheitseinrichtungen warnen rechtzeitig und eindringlich. Fehlen sie, können die Folgen schlimm sein oder es geht alles nochmal glimpflich ab. Piloten schlafen im Cockpit ein und verpassen den Flughafen (harmlose Variante). Schiffskapitäne fahren zu dicht an der Küste vorbei und schlitzen sich die Boote an Felsen auf. Geisterfahrer nehmen die falsche Auffahrt auf die Autobahn  – trotz deutlicher Warnschilder  – und landen im Gegenverkehr, ohne Tempolimit versteht sich. Das ist menschlich. Psychologen sprechen von Schockstarre, die dazu führt, dass die Falschfahrer auf Kollisionskurs bleiben, auch wenn sie ihren Fehler erkannt haben. Für die Korrektur ist in der Fahrschule kein Training vorgesehen.

Wie auf Schienen schafft keiner

Dann gibt es noch die „Gleisterfahrer“. Sie verlieren mal kurzzeitig die Orientierung und verwechseln das Gleisbett der Straßenbahn mit der Fahrbahn für Autos und LKW. So wie am Dienstagabend, 5. Februar, auf der Treskowallee, wo es einen Kleinwagen erwischte. Glück im Unglück, so wie bei angeblich über 40 weiteren Gleisterfahrern allein schon in diesem Jahr in Berlin: Wer es nicht schafft, alle vier Räder genau auf dem Metall zu balancieren und keinen SUV (oder einen richtigen Geländewagen 😉 fährt, der kommt nicht weit. Der Unterboden knallt auf die Gleise, die Räder drehen frei oder haben nicht mehr genügend Grip auf dem Schotter und stecken fest – das war’s. So verhindert Bewegungsunfähigkeit vielleicht Schlimmeres.

Ortsunkundige oder müde Linksabbieger

Am Dienstag jedenfalls mussten die Straßenbahnen warten bis die Freiwillige Feuerwehr Karlshorst anrückte und das Fahrzeug wieder auf den rechten Weg brachte. In diesem Fall war es der Linke. Meistens passiert Autofahrern das Missgeschick beim Abbiegen, wenn es dunkel ist und bei wenig Verkehr. Auf Höhe der Dorothea-/Godesberger Straße ist die Verschwenkung der Allee-Fahrbahn, Richtung Bahnhof Karlshorst zur linken Straßenseite ausgeschildert. Doch Linksabbieger von der Godesberger Straße in die Treskowallee werden nicht vorgewarnt! Ortsunkundige, das sei zur Ehrenrettung der Gleisbettfahrer angemerkt, können dort leicht dem Irrtum erliegen, die beiden Fahrbahnen rechts der Gleise wären frei. Den Fehler zu spät bemerkt und links eingelenkt, schwupp, da kommen schon die Steine und die Bodenstränge für die Tram.

Wurde diese Stelle ohne Malheur passiert, wähnt man sich vielleicht in Sicherheit. Denn zwischendurch gibt es sogar einen Abschnitt, wo die Gleise befahrbar sind, weil im Beton eingelassen. Doch nach knapp 500 Metern, kurz hinter der Wandlitzstraße, heißt es nochmal Obacht! Verschwenkung nach rechts. Wer weiter geradeaus draufhält, fährt wohl nur kurz wie auf Schienen.

Die kleine Entschädigung

An der Treskowallee rund um den Bahnhof Karlshorst wird schon lange gebaut und es dauert wohl auch noch lange, ehe sich die Situation bessert. Gewerbetreibende leiden seit Jahren unter der Situation. Eine große Geduldsprobe ist die Dauerbaustelle mit Lärm, Staub und Stau auch für die Anwohner, besonders für jene, die direkt an der Straße wohnen. Aber einen Vorteil haben die Insider: Wenn es abends dunkel wird, Baulärm und Verkehr nachlassen und das Fernsehprogramm wieder mal schlecht ist, dann brauchen sie nur aus dem Fenster zu schauen und ein wenig zu warten bis der nächste ortsfremde oder müde Fahrer kommt…

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