Drinnen + draußen

Es muss wohl an den Genen liegen

12.05.2019, Linna Schererz

Foto: Linna Schererz

Vor einigen Jahren sprach man sehr gern über die Bücher „Männer sind vom Mars, Frauen von der Venus“ von Chris Evatt und „Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken“ von Barbara und Allan Pease. Darin erklärten die Autoren, dass wir Angehörige der beiden Geschlechter (die Diversen wurden nicht betrachtet) immer noch dadurch geprägt sind, was einst in der Steinzeit passierte: Männer eben Jäger, kurzzeitig fokussiert auf das Ziel, das Mammut oder den Elch, manchmal auch nur den Hasen, zu erlegen. Danach waren lange Pausen zum Kräftesammeln nötig, auf dem Bärenfell oder am Lagerfeuer. Frauen hatten als die Hüterinnen des Herdes und des Haushaltes immerzu alles im Blick, deshalb sind sie noch heute multitaskingfähig.

“Ach Schatz, warum hast Du denn nichts gesagt?”

Wenngleich man nicht alles dieser Sichtweise unterschreiben kann, ein Körnchen Wahrheit ist wohl schon dabei. Denn wie sonst ist es zu erklären, dass auch der moderne Mann immer noch gern den Satz hervorbringt, wenn Frau im oder für den gemeinsamen Haushalt die notwendigen Dinge allein erledigt hat: „Ach Schatz, warum hast Du denn nichts gesagt? Ich hätte das doch gemacht.“ Hatte sie, sogar mehrere Male. Dumm nur, dass er es entweder nicht gehört hatte (weil zu stark auf anderes wie Fernsehnachrichten oder ein wichtiges Fußballspiel konzentriert) oder schlicht wieder vergaß („Hättest mich doch dran erinnern können!“). Es ist wahrscheinlich in den wenigsten Fällen Absicht, dass dieses oder jenes tage-, manchmal sogar auch wochenlang von Mann unerledigt bleibt. Es muss an den noch steinzeitlich geprägten Genen liegen.

Laufzettel zur Erinnerung

Frauen, die sich mit eindimensionaler männlicher Fixierung nicht abfinden wollen, haben allerdings längst reagiert: Ein Kollege bekam von seiner Gattin jeden Morgen einen sogenannten Laufzettel, den er in der Mittagspause oder am Feierabend abzuarbeiten hatte. Erst dann hatte er die Chance auf eine gemütliche Pause am modernen Lagerfeuer mit dem zeitgemäßen Interieur, dem Fernseher. Ein Freund, der kürzlich in Rente gegangen ist, hat jetzt  tagsüber viele familiäre Besorgungen zu erledigen, die seine Frau jeden Morgen fein säuberlich auf ein Blatt Papier notiert: „Garten: harken, Tomaten düngen; Wohnung: Schafzimmerfenster putzen; Post: Briefmarken holen.“ Ach, seufzt er manchmal: „War doch schön damals im Büro.“ Als man sich nach getaner Arbeit zu Hause erholen konnte. Und dann murmelte: „Du hättest doch etwas sagen können, Schatz. Ich hätte das gern erledigt.“

Kaum einen Satz mag Frau übrigens so wenig wie diesen.

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