Monika Schüler zeigt bis Ende August 20 ihrer besonderen Porträts

„Die Frau von nebenan“ auf Acryl

05.08.2019, Steffi Bey

Fotos: Steffi Bey. Zum Vergrößern Hauptbild anklicken.

Marzahn. Das hat sich Monika Schüler selbst eingebrockt: Vor ungefähr vier Jahren dachte sie laut über eine neue Ausstellungsidee nach und sagte einfach in den Raum hinein: „Man müsste etwas machen, woran sich jeder Betrachter lange erinnert, vielleicht Frauen porträtieren.“ Renate Zimmermann, die rührige Mitarbeiterin der Bezirkszentralbibliothek Mark Twain, nickte gleich zustimmend und die Idee für die Ausstellung “Die Frau von nebenan” war geboren.

Herausforderung Neuland

Doch es gab einen Haken: Porträts hatte Monika Schüler bis dahin noch nie gemalt. Aber die inzwischen 68-Jährige wäre nicht sie selbst, wenn sie die Herausforderung nicht angenommen hätte. Sie bestellte sich Bücher zu diesem Thema und tastete sich langsam an diese Art der Malerei heran. Obwohl sie seit ihrer Jugend auch Privatunterricht bei einem Maler nahm und eigentlich immer mit Pinsel und vor allem Acrylfarben hantierte, war es für sie Neuland.

Bilder mit besonderen Geschichten

Als sie das während der Vernissage zu ihrer Ausstellung „Die Frau von nebenan“ erzählt, leuchten ihren Augen und sie lächelt immer wieder. Vielleicht, weil sie im Nachhinein doch erstaunt ist, über ihre Leistung: Über die farbenfrohen Bilder, hinter denen sich ganz besondere Geschichten verbergen. Denn die Marzahnerin brachte Frauen auf die Leinwand, die kleine und große Wunder vollbrachten: Die mit ganzer Kraft Schicksalsschläge überwunden haben, ihren Beruf unter schwierigen Bedingungen ausüben und sich nicht unterkriegen lassen. „Der Wille, das Leben zu meistern, so wie es eben ist und es anzunehmen, beeindruckt mich an meinen Porträtierten“, erklärt die Künstlerin.

Heldinnen aus der Nachbarschaft

Gefunden hat sie ihre „Modelle“ vorwiegend in der Nachbarschaft, im Bekanntenkreis, aber auch im Urlaub und auf der Straße. Die junge Mutter mit ihren neugeborenen Zwillingen beispielsweise, die völlig überfordert war, aber sich ihrer Aufgabe stellte. Oder die beiden Rezeptionistinnen, die Monika Schüler bei einem Urlaub auf den Balearen kennenlernte. „Die waren immer freundlich und hilfsbereit, trotz ihrer anstrengenden Zwölf-Stunden-Dienste“, sagt sie anerkennend. Tief bewegt sei sie ebenso vom Leben der einstigen Baggerfahrerin, die Jahrzehntelang in einem Tagebau ackerte. Fast blind sei die Dame inzwischen, aber dennoch lebensfroh.

Optimistisch das Leben meistern

Die Freude am Leben und der Optimismus, auch schwierige Situationen zu meistern, eint alle- gemalten Frauen. Bis Ende August können Bibliotheksbesucher 20 Bilder auf allen Etagen betrachten. An der kürzlich stattgefundenen Vernissage nahmen drei der porträtierten Marzahner Frauen teil. Zu ihnen gehört Magdalena Meyer. „Anfangs habe ich mich gar nicht erkannt, aber jetzt gefällt mir mein Bild“, sagt die Nachbarin der Künstlerin. Bereits zum zweiten Mal ist sie an Krebs erkrankt, denkt aber positiv und lässt sich nicht unterkriegen. Auch Ursula Kröning ist unter den Gästen und freut sich über ihr „gelungenes Porträt“. Vor der Wende arbeitete sie als Gärtnerin, danach machte sie sich selbstständig „und kämpfte sich so durch“.

Hobby wurde zur Berufung

Monika Schüler erzählt zu jedem Werk ein paar Worte, beantwortet bei der Ausstellungseröffnung viele Fragen und sagt, dass ihr „Die Ringerinnen“ am besten gelungen sind.

Wie die meisten Arbeiten, entstand auch dieses Bild nach einem Foto. „Man muss sich trauen etwas zu wagen, einfach damit beginnen und durchstarten“, sagt Monika Schüler rückblickend. Das bezieht sich auch auf ihr eigenes Leben. Denn die Versicherungskauffrau, die bis 1997 im Außenhandel tätig war, ist nach zwei Hüft-Operationen auf den Rollstuhl angewiesen und berentet. Aber Müßiggang ist nicht ihr Ding. Deshalb akzeptiert sie ihr Schicksal und ihr Hobby wurde zur Berufung. Seit 2006 präsentierte sie jedes Jahr Ausstellungen in Berlin. „Das Malen ist für mich ein Ersatz für Medikamente, wie eine Droge“, beschreibt sie ihre Gefühle. Sie träumt sich dabei immer in ihre Bilder hinein, in ihre eigene Welt – solange bis das Werk fertig ist und sie es akzeptieren kann.

Die Ausstellung „Die Frau von nebenan“ ist bis zum 28. August in der „Mark-Twain-Bibliothek“, Marzahner Promenade 55, zu sehen.


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