Die Blockparteien in der DDR

22.07.2019, Volkmar Eltzel

Lichtenberg. „Willfährige ‚Blockflöten‘ oder stille Opposition. Blockparteien in der SBZ/DDR 1945-1990“, lautet das Thema eines Vortrages mit anschließender Diskussion am Mittwoch, 24. Juli, um 18 Uhr im Stasi Museum, Raum 614, auf dem Campus für Demokratie, Ruschestr.103. Referent ist Dr. Siegfried Suckut. Der Historiker und Politologe, Jahrgang 1945, forschte in den 1980er Jahren als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Mannheim über die DDR-Blockparteien und griff das Thema nach Öffnung der DDR-Archive wieder auf. Von 1997-2005 leitete er die Forschungsabteilung in der „Gauck-Behörde“.

Die Veranstaltung wird gemeinsam mit dem Bürgerkomitee 15. Januar, Berlin durchgeführt und von Detlef W. Stein vom Osteuropa Zentrum Berlin moderiert. Der Eintritt ist frei.

In der Einladung heißt es:

„Nach dem Zusammenbruch des DDR-Sozialismus 1989/90 durften sich Organisationen als ‚Siegerinnen der Geschichte‘ empfinden, die bis dahin nur ein politisches Schattendasein gefristet hatten: die vier von der SED kontrollierten Blockparteien CDU, LDPD, DBD und NDPD. Die beiden ersten, bereits 1945 auf sowjetische Initiative mit gesamtdeutschem Organisationsanspruch in Berlin gegründeten, schlossen sich ihren früheren westdeutschen Schwesterparteien an und blieben so bruchlos (Mit)-Regierungsparteien. Die 1948 von den Sowjets und der SED selbst aufgebauten und eigenen Vertrauensleuten geleiteten, die Demokratische Bauernpartei Deutschlands (DBD) und die National-Demokratische Partei Deutschlands (NDPD) traten noch schnell den beiden älteren Blockorganisationen bei. Mitglieder, die den Anschluss mitvollzogen wurden im zweiten Schritt ebenfalls zu Mitstreitern in den Bonner Regierungsparteien.

Dieser Integrationsprozess wurde in der Öffentlichkeit von heftigen Diskussionen begleitet, die, gerade im Vorfeld von Wahlen, bis heute andauern. Waren diese Parteien nicht primär als opportunistische, angepasste SED-Verbündete, als ‚Blockflöten‘ einzustufen, derer sich jetzt CDU und FDP zur Mehrheitsbeschaffung bedienten? Oder waren sie, so die Gegenthese vieler ihrer früheren Mitglieder, eine stille Opposition im Lande, weil sie sich indirekt gegen einen Beitritt zur SED entschieden und dafür in Kauf genommen hatten, dass sie im DDR-Sozialismus nicht Schuldirektor, Diplomat, NVA- oder Stasi-Offizier werden konnten? Über Fragen wie diese soll diskutiert und über Funde in den Partei- und Stasiakten informiert werden.“


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