19-jährige Studenten gründen ihr erstes Unternehmen „RangeBox“

Die Alternative zu Geschenkpapier

02.02.2019, Angelika Giorgis

Fotos: RangeBox. Zum Vergrößern Hauptbild anklicken.

Marzahn. Zu keiner Zeit im Jahr wird in Deutschland mehr gewickelt, verhüllt und eingetütet als zu Weihnachten. Aber schon kurz nach dem Auspacken landet das Papier im Müll. Nach Schätzung der Deutschen Umwelthilfe (DUH) steigt das Abfallvolumen nach dem Weihnachtsfest um bis zu 20 Prozent an. Zu Weihnachten werden die Deutschen allerdings von den Briten getoppt. Würde dort alles Geschenkpapier aufgerollt aneinander liegen, könnte man damit bis zum Mond kommen.

Die Welt nachhaltig verändern

Vor allem beschichtetes Geschenkpapier ist kaum wiederverwertbar. Darum empfiehlt die Deutsche Umwelthilfe alljährlich, Verpackungen zu vermeiden, sie wiederzuverwenden und auf den Einsatz von Recyclingmaterialien zu achten – mit mäßigem Erfolg. „In Neuseeland wird wesentlich mehr wiederverwertet als bei uns. Ich habe vorher noch nie so viel über Recycling gelernt wie dort und meine Beobachtungen notiert“, erzählt Dat Nguyen, den es nach seinem Abitur am Siemens-Gymnasium dorthin verschlug. Zwischen Abi und Studium, in einem Gap Year, wollte er sich für die Zukunft orientieren. Er arbeitete etwa zwei Wochen auf einem Bauernhof, lernte dort das Leben der Menschen kennen, und zog dann weiter. Von seinen Eindrücken berichtete er seinem Kumpel Maximilian Graustein, der zu dieser Zeit ein Freiwilliges Ökologisches Jahr in einer Gartenarbeitsschule absolvierte. Sich zukünftig aktiv für die Umwelt einzusetzen, das planten beide. „Wir gehören schließlich zu der Generation, die die Welt nachhaltig verändern will“, so Dat.

Verpackung mit verstellbarer Kapazität

Im Februar kam er auf die Idee „etwas gegen Geschenkpapier zu unternehmen“ und erzählte es seinem Freund. Wiederverwendbare Geschenkverpackungen mit einer verstellbaren Kapazität, könnten beträchtlich Müll reduzieren. „Wir arbeiten mit Wellpappfedern, die das Geschenk in Richtung Boxzentrum drücken. Möchte man das Volumen erweitern, drückt man die Feder(n) zurück an die Außenwände der Box, legt das Geschenk ein und lässt die Feder(n) wieder los. Damit ist der Inhalt auch stets fixiert und vor Stürzen und Kollisionen geschützt“, erklärt Dat. Er nahm Kontakt zu deutschen Hochschulen mit dem Studiengang Verpackungstechnik auf und ließ sich bestätigen, dass es dieses System noch nicht gab.

Darüber berichtete er dem ebenfalls 19jährigen Minh Nguyen, der Betriebswirtschaftslehre an der Universität Mannheim studiert und bereits Erfahrungen mit Start-ups gesammelt hat. Dat studiert seit September an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin und Maximilian hat sich auf den Weg nach Neuseeland gemacht.

Federmechanismus in der Box als Patent angemeldet

Dat und Minh beschlossen ein eigenes Start-up zu gründen. „Wir sind sehr zielstrebig gestartet. Das verdanke ich meinem Wirtschaftslehrer am Gymnasium, der viel mit uns über Start-ups sprach“, erzählt Dat. „Minh bringt Erfahrung aus der Arbeit in mehreren Start-ups mit, sodass wir RangeBox schon auf einem gewissen Wissensfundament gründen konnten.“

Bisher wurden zwei Boxen entwickelt – eine vorrangig für Bücher, die andere für Weinflaschen. Nun sollen weitere Verpackungsmodelle hinzukommen. Deshalb stehen die jungen Gründer wieder enger im Kontakt mit dem Studiengang Verpackungstechnik der Berliner Beuth Hochschule. Sie wollen aus ihrer Idee ein Studienprojekt kreieren. Für den Federmechanismus in den Geschenkboxen meldeten sie nach Rücksprache mit ihrem Anwalt ein internationales Patent an. Ursprünglich war nur ein Gebrauchsmuster geplant. Jetzt wollen sie auch die Marke „RangeBox“ schützen lassen.

Suche nach deutschem Unternehmen

Auf der weltweit größten Crowdfunding-Plattform Kickstarter suchten die jungen Männer nach Spendern und Vorbestellern. Sie scheiterten aber, weil der Versand ins Ausland sehr teuer ist. Aus Deutschland kamen weniger Interessenten als erhofft, weil die Kampagne auf Englisch angelegt war. Aus diesen Fehlern haben sie gelernt und suchen nun nach einem Unternehmen in Deutschland, das beste Qualität zu einem bezahlbaren Preis liefert. Angeboten werden die Boxen später Weinhändlern und Buchfilialen.

RangeBox sucht wie alle anderen Start-ups auch nach Venture Capital. Das geschieht unter anderem mit einem Pitch Deck. Auf wenige Präsentations-Folien komprimiert werden dort die wichtigsten Inhalte aus dem Businessplan dargestellt, so dass ein Wagniskapitalgeber in kürzester Zeit einen Überblick über die Geschäftsidee und den Finanzierungsbedarf erhält. „Wir haben bereits auf Wettbewerben vor Publikum und Experten gepitcht. Bei Co-Found Berlin belegten wir den ersten Platz, beim START Call im vergangenen Monat den dritten“ erzählt Dat.

Damit die Vision bald real wird, gesellen sich zu den Gründern und ihrem Anwalt demnächst Freunde, die den Vertrieb, das Marketing, Foto-/Videografie und die neue Webseite verantworten. Dat und Minh hoffen außerdem auf Verpackungstechniker der Beuth Hochschule. Und Maximilian wird nach seiner Neuseelandreise auch wieder zu ihnen stoßen.


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