Drinnen + draußen

Des Herbstes fette Beute

09.09.2018, Linna Schererz

Fotos: Linna Schererz

Es riecht nach Herbst. Nicht nur, dass die Sonne früher untergeht und es in den Abendstunden kühler wird. Die Luft bringt dann so ein Frischegefühl, eine Vorahnung, dass die Tage nun (endlich nach der Hitze dieses Sommers!) kühler werden. In Gärten gibt es eine mehr als reichliche Ernte – allenthalben duftet es nach Pflaumen, Äpfeln und Birnen, den Früchten des sich verabschiedenden Spätsommers. Manche Bäume scheinen geradezu unter der Last des Obstes einzuknicken, des Herbstes fette Beute zwingt sie nieder.

Achtlos bleibt das Fallobst liegen

Doch an vielen Stellen kriecht jetzt auch ein faulig-vergorener Geruch in die Nase. Achtlos bleibt Fallobst liegen, höchstens noch für den Komposthaufen zu gebrauchen. Bis es jemand wegräumt, laben sich Tiere daran: Igel und Waschbären kommen, letztens habe ich sogar eine ganze Starenschar dabei beobachtet, wie sie sich die Weizenbirnen schmecken ließen, die massenhaft im kleinen Park unserer Wohnanlage herumliegen, so dass man dort kaum noch treten kann.

Äpfel aus Südtirol gelten fast als regional

Gedanken an ferne Kindertage kommen auf. Wie wir heruntergefallene Äpfel sammelten, die Großmutter aus ihnen Mus kochte, das uns im Winter so gut schmeckte. Heute kaufen wir Apfelmus im Supermarkt, das ist bequemer und gar nicht so teuer. Die wurmstichigen Exemplare erst auszuschneiden, dann das einwandfreie Fruchtfleisch zu pürieren und einzukochen, das tun sich nur noch wenige Leute an. Fallobst kommt auf den Kompost, manchmal sogar 1-A-Exemplare. Wir können es uns ja leisten. Gibt schließlich ansehnlichere Äpfel bei Rewe, Aldi, Lidl und wie die Händler so heißen. Manche kommen sogar aus Neuseeland. Äpfel aus Südtirol gelten inzwischen schon fast als regional.

Wie sind wir solche Verschwender geworden?

Wie sind wir eigentlich zu solchen Verschwendern geworden? Liegt es an der Zeit, von der wir alle immer weniger zu haben scheinen? Liegt es daran, dass wir immer weniger über die Ressourcen nachdenken, die wir verbrauchen, indem wir die Erde gnadenlos ausbeuten – und wegschmeißen, was nicht der uns vorgegaukeltem Norm entspricht? Oder ist auch ein Grund, dass wir meist keine großen Wohnküchen wie früher haben, wo beim Einkochen die ganze Familie zusammensaß, Obst schnippelte und erzählte?

Es heißt Erntedank

Im September werden viele Erntefeste gefeiert. Sie sind vielerorts zu Rummel mit Jahrmarkt geworden. Ursprünglich waren das Erntedankfeste – ein Dankeschön für reiche Erträge auf Feldern und in Gärten. Vielleicht sollten wir uns, wenn wir eine dieser Veranstaltungen besuchen, an diesen Sinn erinnern. Und selbst wieder mehr aus den Gaben der Natur machen. Aus den Früchten unseres Apfelbaums (weil der original Bio ist, gehört jede Apfelhälfte einer Made, die andere Hälfte mir) wird übrigens Marmelade – schön mit Zimt gewürzt. Schmeckt ganz besonders gut im Winter.

 

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