Hund + Katz’

Des einen Freud, des andren Leid…

20.01.2019, Birgitt Eltzel

Zeichnung/Fotos: Birgitt Eltzel

„Der wäre ein guter Drogenhund“, hat unsere Hundesitterin gesagt, als sie Rudi für zwei Wochen Urlaub ohne Hund betreute (muss auch mal sein!). Denn der Terriermischling ist ein Schnüffler vor dem Herrn: Immerzu hat er die Nase am Boden. Drogen allerdings kennt er keine. Dafür die Spuren und Gerüche von Fuchs und Hase, Igel und Dachs und vielem anderen Getier, das sich in unserer Vorstadtidylle so herumtreibt. Die untersucht er akribisch. Da kann es dann durchaus vorkommen, dass wir fünf Minuten an einer Stelle verharren bis Mr. Meisterdetektiv dem Geheimnis auf die Spur gekommen ist. Erst dann können wir zufrieden weiter trotten.

Frauchen geht voraus

Unsere Spaziergänge verlaufen deshalb meist recht gemächlich: Frauchen geht voraus, der Hund wackelt nach gegebener Zeit hinterdrein. Bei unserer Lieblingsrunde im Wuhletal um den Kienberg herum kann es dann schon einmal vorkommen, dass uns aus dem Dickicht heraus ein Rehlein neugierig beäugt. Es bleibt sorglos stehen. Angst muss das Tier nun auch wirklich nicht haben: Die pummlige Alte hat ihre schnellen Zeiten hinter sich gelassen, der Hund verfügt über weniger Jagdtrieb als Entdeckergeist. So begrüße ich manchmal Herrn oder Frau Reh mit „Guten Tag, Du Schönes“, während Rudi seine Nase auf dem Boden entlangwischt: Aaahhhh, ein Rehköttel, hmm, schmeckt. Mögen Menschen diese Ausscheidungen nur für Kacke halten, sind sie für den Hundegaumen doch ausgesprochen reizvoll. Man darf sich beim Fressen bloß nicht erwischen lassen, sonst gibt es Schimpfe. Rudi ist also konzentriert. Dass nur etwa 10 oder 15 Meter entfernt ein ganzer potenzieller Sonntagsbraten das Geschehen gespannt verfolgt, entgeht dem Tier. Er ist schließlich ein Mann und kann seine Aufmerksamkeit schlecht teilen.

Wer war hier?

Kürzlich im Wuhletal: Über den Weg läuft eine dicke schwarze Katze. In deren Maul zappelt etwas – ein frisch gefangenes Mäuschen. Die Katze sieht den Hund, öffnet das Maul und nimmt mauzend Reißaus. Die Gefangene, unerwartet freigekommen, flieht ebenfalls. In die andere Richtung. Ihr Lebensretter trottete ungerührt geradeaus, Nase am Boden. Ihn interessieren weder Katz noch Maus: Wäre doch gelacht, wenn ich nicht rauskriege, wer vorher hier gelaufen ist… Vielleicht war es Titus, der Doggenmischling, der immer wie ein Wilder bellt, wenn wir am Zaun des Grundstücks der Familie vorbeigehen? Oder Freund Hudson, der im Wuhletal nie von der Leine darf, weil er nämlich ganz bestimmt den Rehen nachsetzen würde? Plötzlich wird Rudi flink, er hat eine Spur aufgenommen: Da muss eine Hündin vorbeigegangen sein – das weibliche Geschlecht macht auch trägen Hunden Beine.

Winnie macht seinem Ruf Ehre

Wieder zu Hause, legt sich der Hund in seine Lieblingsposition auf den Wohnzimmerteppich. Endlich ausruhen! Von draußen kratzt Kater Winnie an der Terrassentür. Er trägt etwas im Maul. Es zappelt nicht mehr – Winnie hat mal wieder seinem Ruf als geschickter Mäusejäger alle Ehre gemacht.

Die Moral von der Geschicht’: Es gibt keine. Winnie hat die erbeutete Maus aufgefressen. Das musste er allerdings im Garten tun, wir wollten keine Zeugen sein. R.I.P., Mäuslein.

 

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