Gedenken an den Tierparkdirektor Prof. Dr. Dr. Heinrich Dathe

Der Unvergessene

06.01.2016, Birgitt Eltzel

Fotos: Birgitt Eltzel, Freunde Hauptstadtzoos (1)

Friedrichsfelde. In der DDR war er fast so etwas wie ein Popstar: Prof. Dr. Dr. Heinrich Dathe (1910–1991), der erste Direktor des Tierparks Berlin, genoß unter Alt und Jung großes Ansehen. Ganze Generationen sind gewissermaßen mit dem Tierparkchef (er bekleidete das Amt 34 Jahre lang) aufgewachsen, hörten jeden Sonntagmorgen im Radio die Sendung „Im Tierpark belauscht“, sahen im Fernsehen den „Tierparkteletreff“ oder waren selbst dabei, wenn der Zoologe an der Spitze der legendären Tierparade zum beliebten Tierparkfest mitmarschierte. Auch heute ist Dathe unvergessen – anlässlich seines 25. Todestages fand am Mittwoch, 6. Januar, eine Kranzniederlegung mit etwa 100 Teilnehmern auf dem Evangelischen Friedhof Karlshorst statt. Auch seine Kinder Almuth Fuchs, geb. Dathe, und Falk Dathe nahmen teil.

Unwürdiger Umgang 1990
Zur Trauerfeier für den populären Tierparkdirektor, der am 6. Januar 1991 starb, waren damals mehrere Tausend Menschen gekommen. Viele glaubten seinerzeit, sein plötzlicher Tod habe mit der Pensionierung kurz nach seinem 80. Geburtstag zusammengehangen – der Einigungsvertrag ließ keine Übernahme von Mitarbeitern des öffentlichen Dienstes über 60 Jahre zu. Innerhalb weniger Tage musste Dathe die Amtsgeschäfte an seinen Nachfolger Bernhard Blaszkiewitz übergeben und sollte seine Dienstwohnung im Tierpark bis Ende 1990 räumen – ein unwürdiger Umgang mit dem verdienstvollen Zoologen. Dazu kam es nicht mehr, Dathe erlag seinem Krebsleiden.

Ehrengrab des Landes Berlin
Seit 2010 ist seine Grabstätte auf dem Friedhof an der Robert-Siewert-Straße 57-67 (Feld 3) ein Ehrengrab des Landes Berlin und des Bezirks Lichtenberg. An der Ehrung für den Mann, der den ehemaligen Schlossgarten von Friedrichsfelde zum größten europäischen Landschaftstiergarten entwickelt hat, nahmen als Vertreter des Landes Bürgermeister und Innensenator Frank Henkel (CDU) und Lichtenbergs Bürgermeisterin Birgit Monteiro (SPD) teil. Auch Abgeordnete wie Dr. Martin Pätzold (MdB, CDU) und Marion Platta (MdA, Linke) waren gekommen, ebenso der Vorsteher des Lichtenberger Bezirksparlaments, Rainer Bosse. Mitglieder der Fördervereins der Hauptstadtzoos unter ihrem Vorsitzenden Thomas Ziolko, der die Kranzniederlegung initiiert hatte, erwiesen dem beliebten Tiergärtner die Ehre, auch frühere Mitstreiter und natürlich Schüler des Dathe-Gymnasiums. Berlins Zoo- und Tierparkchef Dr. Andreas Knieriem  sowie die Sänger Angelika Mann (“Die Lütte”) und Uwe Jensen gedachten ebenfalls des Wissenschaftlers.

„Einer der berühmtesten Zoodirektoren“
Er habe Heinrich Dathe bei einem Treffen von Zoodirektoren im Duisburger Zoo das erste Mal persönlich kennengelernt, damals noch als ganz junger wissenschaftlicher Assistent, erzählte Knieriem. Auch später habe er ihn mehrfach getroffen. „Dathe war damals einer der international berühmtesten Zoodirektoren, er hatte Gewicht“, sagte sein Nach-Nachfolger im Amt. Frank Henkel erinnerte sich in seiner Rede daran, dass er schon in seiner Kindheit in Lichtenberg gern in den Tierpark gegangen sei. Jetzt, als Vater eines dreijährigen Sohnes, besuche er die weitläufige Anlage in Friedrichsfelde ebenfalls häufig. Der Name Dathe bleibe untrennbar verbunden mit der Entwicklung des Tierparks Berlin, betonte der CDU-Politiker. „Ich bin froh, dass die Politik die Bedeutung des Areals erkannt hat“, sagte er. Denn im Dezember stellte das Abgeordnetenhaus dem Tierpark Berlin 18 Millionen Euro für Investitionsmaßnahmen in den nächsten vier Jahren zur Verfügung, als erstes soll der fünf Millionen Euro teure Bau einer Himalaya-Gebirgslandschaft realisiert werden.

Tierpark im Sinne des Gründungsdirektors entwickeln
Rainer Bosse, der sich seit seiner Kindheit für Zoos begeistert,  bekannte: „Dathe ist schuld, er hat mich infiziert.“  Er habe seinerzeit in einem Studentensommer-Zeltlager eine Veranstaltung mit dem Professor moderieren sollen. Doch zu einer nennenswerten Moderation sei es gar nicht gekommen. Der Tierparkchef, der in Begleitung eines Esels erschien (Bosse: „Ich dachte anfangs: Ob das nicht ein zu langweiliges Tier für Studenten ist?“) nahm ihm die Arbeit ab und plauderte kurzweilig rund um Esel – von ihrer Rolle im alten Mesopotamien bis hin zur Gegenwart. „Alle waren begeistert, keiner der Studenten verließ die Veranstaltung vorzeitig.“ Bosse, der seit 1975 in Lichtenberg lebt und am Anton-Saefkow-Platz ein Fotogeschäft betreibt, hat vor Jahren mit der Tier-Fotografie begonnen. „Wenn ich mal genug habe von Pass- und Bewerbungsfotos, gehe ich mit der Kamera in den Tierpark“, erzählte er. Der Linken-Politiker sagte, Berlin und der Bezirk Lichtenberg haben Heinrich Dathe viel zu verdanken. „Der Tierpark ist ein Schatz, den es jetzt im Sinne seines Gründungsdirektors zu entwickeln gilt“, betonte er.

 

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