Zum Welttag des Buches: Die Heinrich von Kleist-Bibliothek

Der Stadtteil-Treff

23.04.2019, Birgitt Eltzel

Fotos: Birgitt Eltzel

Marzahn. In den Regalen stehen Ratgeber und Romane, Bilder- und Jugendbücher, DVD und erstaunlich viele aktuelle Krimis. Es gibt einen stattlichen Bestand an russischsprachiger Literatur, auch viele vietnamesische Bücher. Gerade sind neue Hörbücher eingetroffen, darunter „Goldschatz“ von Ingrid Noll und „Wo wir zu Hause sind“ von Maxim Leo. Über rund 18.000 Medien verfügt die Heinrich von Kleist-Bibliothek im Marzahner Norden. Mit mehr als 26.000 Euro aus dem Programm „Soziale Stadt“ hatte das Quartiersmanagement Marzahn-NordWest in den Jahren 2010 und2012 den Ausbau des Bestandes gefördert. Am heutigen Dienstag veranstaltet der Förderverein der Stadtbibliothek Marzahn-Hellersdorf ab 13 Uhr „bei Kleist“ einen Büchertrödel. Wer will, kann dort sehr günstig Literatur erstehen. Die Veranstaltung findet nicht von ungefähr an diesem Tag statt. Denn der 23. April ist der „Welttag des Buches“.

Bewegte Zeiten hinter sich

Die Bibliothek im Vorbau des Hauses Havemannstraße 17b hat bewegte Zeiten hinter sich. Wenn sich die Sparpolitiker vergangener Jahre durchgesetzt hätten, gäbe es die mit 230 Quadratmeter Fläche relativ kleine Einrichtung nicht mehr. Denn in den Jahren 2001 bis 2003 verabschiedete sich der Bezirk Marzahn-Hellersdorf aus Kostengründen von etlichen seiner öffentlichen Bibliotheken in den Kiezen, darunter der Horst-Bastian-Bibliothek an der Mehrower Allee und der Heinz-Lüdecke-Bibliothek im alten Dorf Marzahn (heute Haus 2 des Bezirksmuseums).

Mehrfach geschlossen

2004 wurde die Kleist-Bibliothek zum ersten Mal geschlossen. Zunächst wegen der Umbaumaßnahmen am Haus. Dieses wurde wie auch andere Wohngebäude im Dreh etagenweise zurückgebaut. Aus Elfgeschossern wurden drei- bis sechsgeschossige Gebäude, die neue Wohnanlage „Ahrensfelder Terrrassen“ entstand. Auch die Havemannstraße 17b war einst ein elfgeschossiger Plattenbau. Jetzt verfügt das Haus über sechs Etagen, im vorgelagerten flachen Anbau befinden sich Geschäfte und die Bücherei. Nach dem Ende der Bauarbeiten sah es zunächst so aus, als sei der Bibliothek kein langes Leben mehr beschieden. Sie wurde nur noch als Ausleihstelle der Stadtbibliothek an zwei Tagen betrieben, an anderen Tagen mit Hilfe engagierter Ehrenamtlicher aus dem Wohngebiet. 2007 konnten die Öffnungszeiten erweitert werden, doch schon 2008 wurde die Einrichtung  wegen Personalmangels erneut geschlossen. Weil der Protest im Kiez heftig war, erfolgte noch im selben Jahr eine Wiedereröffnung – mit einem Tag Betriebszeit in der Woche. Seit 2010 ist die Heinrich-von-Kleist-Bibliothek wieder eine Vollwert-Bibliothek mit fünf Öffnungstagen pro Woche und zwei Fachangestellten. Der Bezirk mit rund 270.000 Einwohnern verfügt über insgesamt sechs öffentliche Bibliotheken.

Bücher, Tablets und Veranstaltungen

Leiterin Marina Georgi und ihre Kollegin Sabine Bünger kümmern sich nicht nur um die Medien, sondern auch um die Menschen. Denn so wie in anderen öffentlichen Bibliotheken geht es an der Havemannstraße 17b nicht nur um Bücheraus- und –rückgabe. Die Heinrich von Kleist-Bibliothek versteht sich als Kommunikationsort für den Kiez: Kita-und Schulkinder kommen zu Veranstaltungen, die der Leseförderung dienen. Es gibt einen Bücherbringedienst für Senioren und Menschen mit Mobilitätseinschränkungen, die im Stadtteil wohnen. Und wer nicht mit dem Computer umzugehen weiß, dem wird auch schon mal bei der Online-Buchung von Terminen im Bürgeramt geholfen. Anderen, die fit bei der Nutzung elektronischer Medien sind, stehen dafür Tablets zur Verfügung, die im vergangenen Jahr von Geld angeschafft worden sind, das aus dem Aktionsfonds des Quartiersmanagement bereitgestellt wurde.

“Live bei Kleist”

Rasch ausgebucht sind stets beliebte Veranstaltungen wie „Live bei Kleist“, bei denen bekannte und unbekanntere Autoren lesen. Gastgeber ist die Bibliothek auch zwei Mal pro Jahr für die regelmäßigen Themenfrühstücke des Stadtteil-Projekts „Gemeinsam statt Einsam“. Die Reihe richtet sich vor allem an ältere Menschen. Anfang April, als es dabei um die Steuerpflicht für Rentner ging, reichten die Plätze „bei Kleist“ kaum aus. So viele Senioren wollten sich beim Sachverständigen Werner Gollmer vom Stadtteilzentrum „Kiek in“ darüber informieren.

Gedrucktes kein Auslaufmodell

Etliche der Veranstaltungsgäste kennt  Marina Georgi schon lange als Leser. „Ältere und Kinder kommen besonders häufig zu uns“, erzählt sie. Die Nachfrage von Kitas und Schulen nach Veranstaltungen in der Bibliothek sei so groß, dass leider nicht jedem Wunsch gleich nachgekommen werden könne. Dass anhand der Vielzahl der elektronischen Medien gedruckte Bücher Auslaufmodelle sein werden, glaubt Marina Georgi nicht. „Die gehen bei uns immer noch sehr gut“, sagt sie. Und sie verweist in diesem Zusammenhang auf eine Besonderheit der kleinen Bibliothek in Marzahn-Nord: Dort gibt es nahezu alle Bücher und Broschüren über den Stadtteil und den Bezirk, die in den letzten Jahren erschienen sind. „Wir haben sogar Filme zum Thema Ortsumfahrung Ahrensfelde in unserem Bestand.“ Und noch etwas: „Das große Berlin Gedicht“, 2011 im Bebra Verlag erschienen. In dem schmalen Bändchen stehen von Anwohnern unter Anleitung professioneller Autoren verfasste Gedichte für alle zwölf Bezirke der Hauptstadt. „Das Marzahn-Hellersdorf-Gedicht ist in unserer Bibliothek geschrieben worden“, sagt Marina Georgi.

„Live bei Kleist: Mittwoch, 23. Mai, 18 Uhr, Vortrag des Historikers Karl Drechsler zum Thema „Von Franklin D. Roosevelt bis Donald J. Trump 1932-2017“: Präsidenten, Demokraten und Republikaner, Liberale und Konservative der USA. Karl Drechsler, geb. 1932, ist emeritierter Professor für Neueste Geschichte. Er hat zahlreiche Bücher und Aufsätze zur Außenpolitik im Nationalsozialismus sowie zur Geschichte der USA und ihren internationalen Beziehungen verfasst.

Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung unter Tel. 933 93 80 erbeten.

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