Schloss Biesdorf zum Tag des offenen Denkmals zugänglich

Der (schwere) Weg zum Bilderschloss

27.08.2015, Volkmar Eltzel

Fotos: Volkmar Eltzel (1-16), Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf 17-19. Zum Vergrößern auf das Hauptbild klicken.

Biesdorf. Wenn sich zum Tag des offenen Denkmals am Sonntag, 13. September, die Türen zum Innenbereich des Schlosses Biesdorf zum ersten Mal seit Oktober 2013 wieder für ein breites Publikum öffnen, wird es sicher viele staunende, anerkennende „Oohs“ und „Aahs“ angesichts der exzellenten Arbeit der Handwerker, der verwendeten edlen Materialien, aber auch der Leistung der Architekturbüros, PMS und Pinardi Architekten geben. Sie hatten sich mit der denkmalgerechten Sanierung der spätklassizistischen Türmchenvilla an der Bundesstraße 1/5 Alt-Biesdorf und dem Wiederaufbau der zweiten Schlossetage, die Ende des 2. Weltkrieges durch einen Brand zerstört worden war, einer anspruchsvollen Aufgabe gestellt.

Auch das Erdgeschoss war stark beschädigt
Dass die Verwirklichung der Pläne noch anspruchsvoller wurde, als ohnehin schon zu erwarten war, stellte Alexander Pechmann von PMS vor große Herausforderungen. Denn „während des Baus gab es gleich mehrere Überraschungen“, wie es der Architekt ausdrückte. Von Oktober 2013 bis Oktober 2014 habe man zunächst nur Sicherungsmaßnahmen durchgeführt. „Wir haben auf allen Ebenen verbauten Schutt gefunden“, sagte Pechmann. Als 1945 das Obergeschoss brannte und schließlich einstürzte, wurde – wie sich herausstellte – auch das Erdgeschoss stark beschädigt. „Hinter mehreren Lagen Gipskartonplatten und Putz fanden wir ausgeglühte und poröse Mauersteine, die ihre Tragfähigkeit lange verloren hatten. Tragende Wände waren nur mit Schutt aufgefüllt gewesen.“ Auch unter der Eingangstreppe befand sich noch loser Schutt, auf dem Wände, die eigentlich tragen sollten, lose auflagen. 20 Maurer waren vier Monate lang nur damit beschäftigt, Hohlsteine auszutauschen, die ein zweites Geschoss nicht getragen hätten. Sie wurden durch massivere Steine ersetzt. „In dem Notdach von 1949 haben wir verkohlte Träger und alte Straßenbahnschienen entdeckt“, so Pechmann. Alles musste im wahrsten Sinne von Grund auf erneuert werden. Diese Rettungsmaßnahmen hätten ein halbes Jahr mehr Zeit gekostet als geplant, so der Architekt. Ein neuer Zeitplan musste aufgestellt werden. Im Winter 2014/15 entschied man sich, den Innenausbau im Mehrschichtbetrieb voranzutreiben und die Fassade, die der Bezirk selbst finanziert, zunächst auszukoppeln. „Durch einen verdichteten Bauablauf haben wir die Zeit wieder aufgeholt“, so Pechmann. Bis zum 8. September soll der Innenausbau abgeschlossen sein.

Kosten sind gestiegen
So entgeht der Bezirk einer erheblichen Rückzahlungsforderung, denn bis Ende 2015 müssen die Fördermittel des Europäischen Kulturfonds (EFRE) verbaut sein. Waren ursprünglich 8,5 Millionen Euro aus EU-Mitteln, von der Stiftung Deutsche Klassenlotterie und vom Bezirk Marzahn-Hellersdorf für den Aufbau veranschlagt, so liege man jetzt bei Kosten von knapp unter 12 Millionen, inklusive Planungsleistungen, sagte Alexander Pechmann. Dafür gibt es nun unter anderem vier Säle mit Eichenparkett, die je 99 Personen fassen, mehrere Büro-, Besprechungs-, Werkstatt- und Lagerräume, einen barrierefreien Zugang, rollstuhlgeeignete WCs, einen Innenfahrstuhl und zwei Terrassen.

7 Ausstellungen am Tag des offenen Denkmals
Bis zur offiziellen Wiedereröffnung des Schlosses, am 9. September 2016 um 14 Uhr, sollen auch die historische Fassade und der Außenbereich des Parks wiederhergestellt sein. Nach Plänen des Bezirks und der Stiftung Ost-West-Begegnungsstätte Schloss Biesdorf e.V. sind dann neben zeitgenössischer Kunst unter anderem Werke sogenannter DDR-Auftragskunst, die derzeit in Beeskow lagern, und Gemälde des Malers Otto Nagel zu bestaunen. Nagel lebte in den letzten Jahren bis zu seinem Tod 1967 in Biesdorf.

Zunächst jedoch warten am Tag des offenen Denkmals ab 16 Uhr gleich sieben Ausstellungen auf die neugierigen Besucher. Wie Juliane Witt (Linke), Bezirksstadträtin für Jugend, Familie, Weiterbildung und Kultur während eines Presserundgangs im Schloss ankündigte, soll unter anderem der Fotograf Werner Hutmacher eine Exposition zum Baugeschehen im und am Schloss zeigen. Architekturhistoriker Dr. Oleg Peters wolle eine Sammlung von Zeitdokumenten zur Geschichte der Turmvilla präsentieren, die dauerhaft im Haus verbleiben soll. Im Untergeschoss sei eine Bilderschau der Graffiti-Künstler „Instinktiv Kreativ“ sowie eine Ausstellung mit Bildern von Kita-Kindern geplant. Und in der künftigen Werkstatt für kulturelle Bildung und Medienpädagogik, so Witt, sei ein Mitmachangebot für Eltern und Kinder vorgesehen. Ganz oben unter dem Dach sollen Kunstwerke von Flüchtlingen aus der Unterkunft am Blumberger Damm zu sehen sein.

Führungen durch das Schloss
Bereits um 12 Uhr werden zum Start im Schloss Berlins Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel und Marzahn-Hellersdorfs Bürgermeister Stefan Komoß (beide SPD) erwartet. Gegen 12.30 Uhr will das Jugendsinfonieorchester Marzahn-Hellersdorf im sogenannten Oktagon, über drei Etagen musizieren. Ab 14 Uhr können Interessierte einem Vortrag über die einstigen Schlossbewohner, Werner und Wilhelm von Siemens beiwohnen. Und natürlich, so die Stadträtin, seien Führungen durch das Haus geplant. Das Abacus Tierpark Hotel habe ein Catering zugesagt und werde dazu auch die Aufbereitungsküche für die Cafeteria einweihen. (Die Verwirklichung der Idee einer Vollgastronomie wurde dem Bezirk von den Geldgebern verwehrt.)

Ein Tipp für Besucher, die mit dem Auto kommen: Fahren Sie am besten auf den neuen Parkplatz vor dem Theater am Park, Frankenholzer Weg 4 und laufen die paar Schritte zum Schloss auf der gegenüberliegenden Seite des Blumberger Dammes.

Vertrag mit künftigem Betreiber unterschriftsreif
Die Kulturstadträtin informierte, dass nach dem Tag des offenen Denkmals bis zur Wiedereröffnung des Schlosses 2016, Vereine und Künstler aus dem Bezirk an jedem Donnerstag ab 18 Uhr in einem Raum des Schlosses Gelegenheit für kleine Veranstaltungen haben werden. Die entsprechende Organisation würden die Leiterin des Fachbereiches Kultur, Christina Dreger und Koordinator Joachim Dikmayer übernehmen.
„Am 17. September steht die Entscheidung der Bezirksverordnetenversammlung von Marzahn-Hellersdorf zur Vorlage des Bezirkshaushaltes 2016/2017 auf der Tagesordnung“, sagte Juliane Witt. Erst wenn die Bezirksparlamentarier den Haushalt bestätigt hätten, könne ein bereits ausgehandelter Vertrag mit dem möglichen künftigen Betreiber des Schlosses Biesdorf, der Grün Berlin GmbH, unterschrieben werden. Es sei vorgesehen, so Witt, dass das Gebäude, dessen Eigentümer der Bezirk bleibe, nach Juli 2016 vollständig dem Betreiber übergeben wird.

 

 

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