Es war viel zu trocken – Baumtod zeigt sich erst im Frühjahr

Der Rekord-Sommer hat Folgen

12.10.2018, Volkmar Eltzel

Fotos: Marcel Gäding (1-5), Volkmar Eltzel (6). Zum Vergrößern Hauptbild anklicken.

Lichtenberg. Monatelang kein Regen, dazu tropische Temperaturen – das hat den Bäumen in Lichtenberg zugesetzt. Der Bezirk rechnet mit hohen Schäden. Wie viele Bäume abgestorben sind, wird sich allerdings erst im kommenden Frühjahr zeigen.

Die Tage der jungen Birke im Park neben dem Rathaus Lichtenberg sind offenbar gezählt. Mit ernster Miene begutachten Biologin Beate Kitzmann vom Verein Naturschutz Malchow und Umweltstadtrat Wilfried Nünthel (CDU) die Äste: Vertrocknete Blätter sehen sie und viel zu kleine Knospen, die eigentlich im kommenden Jahr austreiben müssten. „Es ist gut möglich, dass dieser Baum abstirbt“, sagt Beate Kitzmann.

Die Birke im Rathauspark ist dem Rekord-Sommer 2018 zum Opfer gefallen. Über Monate regnete es nicht, und wenn mal ein Schauer herunterkam, verdunstete der Niederschlag schnell. Wie hoch der Schaden sein wird, den Dauerhitze und Trockenheit hinterlassen haben, kann der zuständige Umweltstadtrat Wilfried Nünthel derzeit nicht sagen. Auch wagt er keine Prognosen, ob die zusätzliche Bewässerung durch Amtsmitarbeiter und Anwohner dem nahenden Baumtod etwas entgegen zu setzen hatten. „Im Frühjahr wissen wir mehr“, erklärt Biologin Beate Kitzmann. Bäume, die dann nicht austreiben, gelten folglich als abgestorben.

Rekord-Sommer: vor allem Jungbäume betroffen

„Die Bäume haben unglaublich unter der Trockenheit gelitten“, sagt Wilfried Nünthel. Vor allem die erst im Herbst 2017 gepflanzten Bäume sind betroffen. Viele sind jetzt bereits abgestorben, wie man eindrucksvoll auf dem Mittelstreifen der Landsberger Allee sehen kann. Der Grund: Bis die Wurzeln von Bäumen in das tiefe, oft feuchte Erdreich eindringen, dauert es Jahre. „Außerdem hatten wir im Jahr davor zu viel Wasser, was neue Wurzeltriebe verfaulen ließ“, wie Beate Kitzmann sagt. Die Bilanz: „Totaler Stress für die Bäume!“ Spuren hat der Sommer auch an den Kastanien entlang des Hauptweges auf dem Zentralfriedhof in Friedrichsfelde hinterlassen. Das Laub verwelkte bereits Anfang August.

Rosskastanie doppelt betroffen

In Lichtenberg gibt es nach Angaben des Bezirksamtes 70.000 Bäume im öffentlichen Bereich, darunter viele alte Exemplare – etwa auf Friedhöfen oder in historischen Parkanlagen. Besonders arg getroffen hat es die Rosskastanie. Sie leidet schon seit Jahren unter Schädlingen und Krankheiten. Die anhaltende Trockenheit hat ihr nun gänzlich zugesetzt. Nun wird darüber nachgedacht, bei Neupflanzungen auf robustere Arten zu setzen, die den klimatischen Verhältnissen standhalten. Allerdings wird es keine Palmen geben, wie Umweltstadtrat Nünthel sagt, sondern „eher heimische Arten, die neu gezüchtet werden.“

 

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