Martin Schaefer – Nachfolger in spe von Stadtrat Wilfried Nünthel

Der Pragmatiker

11.10.2019, Marcel Gäding

Foto: Marcel Gäding. Zum Vergrößern Hauptbild anklicken.

Lichtenberg. Martin Schaefer soll Nachfolger von Bezirksstadtrat Wilfried Nünthel werden. Der CDU-Politiker will vor allem in den Kiezen Präsenz zeigen und keine Zeit verlieren, drängende Probleme anzupacken.

Wenn in der Bezirksverordnetenversammlung von Lichtenberg über Sportplätze im Kiez oder die Situation von Gewerbetreibenden diskutiert wird, ist es sehr wahrscheinlich, dass sich auch Martin Schaefer zu Wort meldet. Der Familienvater ist seit drei Jahren Mitglied der CDU-Fraktion – ein Bezirkspolitiker, der sachlich und mit guter Vorbereitung Ideen und Vorschläge unterbreitet. Dabei kommt ihm seine Erfahrung in der Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Familien ebenso zugute wie sein Anspruch, jedem Menschen mit Wertschätzung und Respekt zu begegnen. Auch wenn Schaefer in vielen bezirklichen Gremien mitwirkt, kennt ihn außerhalb der Bezirkspolitik allerdings bislang kaum jemand. Doch das wird sich vermutlich demnächst ändern. Der 44-Jährige soll für die CDU einen Stadtratsposten im Bezirksamt übernehmen.

BVV muss Schaefer noch wählen

Mit großer Mehrheit wurde Schaefer vor wenigen Wochen von den Delegierten des CDU-Kreisparteitages für das Amt nominiert. Denn der bisherige Amtsinhaber Wilfried Nünthel geht im Januar 2020 in Rente. Schon im Frühjahr hatte die CDU überlegt, wie sie den frei werdenden Posten besetzt – und dabei auf zeitgemäße Methoden zurückgegriffen: Mit einer Kurzbewerbung konnten sich potenzielle Kandidaten melden, die sich wiederum in zwei Regionalkonferenzen den Mitgliedern des Kreisverbandes präsentierten. Neben Schaefer brachten sich auch der CDU-Fraktionsvorsitzende Gregor Hoffmann und der Bezirksverordnete Pascal Ribble ins Spiel. Letzterer zog seine Kandidatur zurück, sodass sich die Delegierten zwischen Schaefer und Hoffmann entscheiden mussten. Wenn also alles klappt und ihn die Mitglieder der Bezirksverordnetenversammlung wählen, ist Martin Schaefer ab dem 1. Februar 2020 Bezirksstadtrat für Schule, Sport, Umwelt, Naturschutz, Straßen, Grünflächen und Ordnungsaufgaben.

In Lichtenberg Bezirk vielfach engagiert

Zeit zum Einarbeiten bleibt ihm jedoch nicht, denn die Liste der aktuell drängenden Themen ist lang. Doch Schaefer fängt auch nicht bei null an. Als Vorsitzender des Wirtschafts- und Sozialausschusses, als engagierter Vater sowie als Geschäftsführer eines gemeinnützigen Unternehmens im Fennpfuhl sind ihm die Herausforderungen des wachsenden Bezirks Lichtenberg mehr als vertraut. Er wohnt seit 18 Jahren im Weitlingkiez, die Kinder spielen in lokalen Sportvereinen Fußball und mit dem Rad fährt er regelmäßig zur Arbeit. Gute Voraussetzungen für die Arbeit in dem Ressort, das zu den wichtigsten im Bezirks­amt gehört.

Geschäftsführer der blu:boks BERLIN

Schaefer wurde im nordrhein-westfälischen Gütersloh geboren, wuchs in Crailsheim (Baden-Württemberg) auf und machte in der hessischen Kleinstadt Usingen sein Abitur. Nach einem freiwilligen sozialen Jahr begann er sein Studium der Theologie in Hamburg. Anschließend nahm er eine Pfarrstelle in der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Lichtenberg an: Zwischen 2001 bis 2008 betreute er die Gemeinde, um anschließend als Leiter zum 6.000 Mitglieder starken Bund der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinden Berlin-Brandenburg zu wechseln. Parallel engagierte er sich mit anderen Mitstreitern in der Kinder-, Jugend- und Familienarbeit – zählt zu den Gründern von blu:boks BERLIN, einer sozial-kulturelle Organisation, die mit Kindern und Jugendlichen aus sozial benachteiligten Gebieten arbeitet und seit Januar 2016 ein eigenes Haus in der Paul-Zobel-Straße inklusive Kita mit 150 Plätzen betreibt. Dort werden die Fähigkeiten von Kindern und Jugendlichen in Theater-, Musik- und Tanzprojekten gefördert. „Es geht darum, Menschen in ihrem Wirken und in ihrer Persönlichkeit zu stärken“, sagt Schaefer.

Von der großen Familie gelernt

Martin Schaefer ist ein Mann, der Auseinandersetzungen und Herausforderungen genauso wenig scheut wie Kompromisse. Vielleicht liegt das an seinem Elternhaus. Als jüngstes von sieben Kindern lernte er von seinem Vater, die Stimme zu erheben und sich fürs Gemeinwesen einzusetzen. Mit 19 Jahren trat er in die CDU ein, während es seine Geschwister zu den Linken, zu den Grünen und zur SPD zog. Für ihn gebe es nicht den einen, einzigen Weg – sondern immer ein „Sowohl“ und ein „Als auch“. Und genau dort möchte der bekennende HSV-Fan ansetzen: „Wir müssen als Politiker in den Kiez gehen, dort, wo die Menschen sind“, sagt er. „Ich halte das für eine Selbstverständlichkeit.“

Reichlich Aufgaben warten

Gelegenheiten, sich in den Lichtenberger Kiezen blicken zu lassen, wird Martin Schaefer reichlich haben. Drei Schwerpunkte hat er bereits auf der Agenda: So möchte er die Kommunikation im Rahmen der Schulbauoffensive verbessern und Eltern stärker einbinden, sich für einen Verkehrsmix einsetzen, der nicht nur auf den Radverkehr fokussiert, sondern auch andere Verkehrsteilnehmer fair einbindet und darüber hinaus auch Ordnung und Sauberkeit stärker in den Blickpunkt rücken. Dazu gehören seiner Meinung nach nicht nur saubere Park- und Grünanlagen, sondern auch sichere Kieze. „Wenn ich mir die Situation der Obdachlosen an der Rummelsburger Bucht oder am Bahnhof Lichtenberg anschaue, dann ist es dort nicht nur menschenunwürdig, sondern für die Betroffenen auch gefährlich zu leben.“

Vertrauen zurückgewinnen

Im Team mit Bezirksbürgermeister Michael Grunst (Die Linke) und seinen Bezirksamtskollegen sieht er sich als „ausgleichende Kraft“. Vor allem müsse es darum gehen, dass Politik wieder Vertrauen zurück gewinnt und dem Populismus die Stärke genommen wird. „Ich bin kein Dogmatiker und Parteisoldat, sondern ein Pragmatiker, der auch Kompromisse schätzt.“ Diesbezüglich hat Schaefer einiges gemein mit Wilfried Nünthel. Auf dessen Expertise kann Schaefer übrigens auch zurückgreifen. „Er hat mir angeboten, dass ich ihn jederzeit anrufen kann.“


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