Wenn die BVG Bau-Termine drei Tage vorher verschiebt

Der Ost-West-Konflikt Treskowallee

10.06.2020, Volkmar Eltzel

Fotos: Volkmar Eltzel. Zum Vergrößern Hauptbild anklicken.

Karlshorst. Den Anwohnern und Gewerbetreibenden der Treskowallee im Abschnitt zwischen Dorothea- und Ehrlichstraße war schon vor einer Woche klar, dass da etwas aus dem Gleis läuft. Die BVG ließ Flyer verteilen, in denen folgendes zu lesen war: „Nach der erfolgreichen Sanierung der Treskowallee auf der Ostseite beginnen nun die Gleisbauarbeiten und Restarbeiten des Straßenbaus auf der Westseite.“ Ab Mittwoch, 10. Juni, sollte deshalb der Fahrzeugverkehr statt wie bisher auf der West- nun auf der Ostseite entlang geführt werden. Doch wer Augen hat, um zu sehen, konnte unschwer erkennen, dass diese Aussage nichts mit der Realität gemein hat. Denn weder die östliche Fahrbahn der Treskowallee ist fertiggestellt noch die dort verlaufenden Gleise.

Die Treskowallee – der Karlshorster BER?

Die verteilte Anwohnerinformation war übrigens erst am 25. Mai erstellt worden. An diesem Tag hätte jedes Kind erahnen können, dass das nichts wird. Viele ohnehin von der Dauerbaustelle genervte Karlshorsterinnen und Karlshorster fragen sich, ob da ein Spaß mit ihnen getrieben wird. Und natürlich wird die Parallele zum Flughafen BER gezogen, wo 2014 ganze 14 Tage vor dem Eröffnungstermin plötzlich festgestellt wurde, dass der Bau mitnichten fertig wird. Wenn alles gut geht, findet nun die Eröffnung rund sechseinhalb Jahre später statt.

Ob der anvisierte BVG-Fertigstellungstermin der Straßen- und Gleisbauarbeiten zwischen Dorothea- und Ehrlichstraße am 23. November 2020 nun wohl noch zu halten ist? Die Karlshorster haben schon viele Verzögerungen in dieser Angelegenheit erlebt und sind eher skeptisch. Die Bauarbeiten auf der Treskowallee rund um den Bahnhof Karlshorst begannen 2018, LiMa+ berichtete.

Vom Umgang mit Fehlern

Immerhin, der Ersatzverkehr mit Bussen auf dem entsprechenden Abschnitt findet statt. Voraussichtlich wird er, wie angekündigt, bis zum Abschluss der Arbeiten andauern. Bis dahin ist der Straßenbahnverkehr unterbrochen. Und mal Hand aufs Herz! Niemand ist fehlerfrei, so ein Missgeschick wie mit dem Flyer kann passieren. Was macht Otto-Normalbürger, wenn ihm ein Malheur passiert? Richtig: Er oder sie gibt einfach mal zu, Mist gebaut zu haben, legt transparent dar, wie es zu der Verzögerung und der falschen Information kommen konnte und zeigt auf, wie es ab sofort besser geht. Ist zwar peinlich, aber die Mehrheit der Betroffenen wird sagen: Komm schon, Fehler erkannt, daraus gelernt und jetzt vorwärts, das stehen wir auch noch durch.

BVG: Die Verzögerung war „unvorhersehbar“

Bei einer Anstalt des öffentlichen Rechts, wie die BVG eine ist, läuft das anscheinend etwas anders mit Eingeständnissen und Kurskorrekturen. Man verteilt einfach eine Woche später eine neue Anwohnerinformation. Mit Stand 5. Juni lesen nun die Anlieger: Die „Voraussetzung für den Beginn des neuen Baufeldes ist für die BVG allerdings das vollständig abgeschlossene Baufeld auf der östlichen Fahrbahnseite.“ Nach aktuellem Kenntnisstand könnten diese noch laufenden Maßnahmen „aufgrund von unvorhersehbaren Störungen im Bauablauf jedoch nicht zur vorgesehenen Umstellung fertig gestellt werden.“

Kein „Sorry“, keine Darlegung der Gründe, keine Transparenz. Das trägt nicht gerade zur Vertrauensbildung mit den Anliegern der Treskowallee bei. Auch eine diesbezügliche Nachfrage von LiMa+ bei der BVG blieb bislang unbeantwortet.

Neues Datum für den Beginn im Baufeld West: 7. Juli 2020. Angesichts der Situation vor Ort (siehe Fotos) scheint selbst dieser Termin sportlich. „Wir bitten um Ihr Verständnis und danken für Ihre Geduld“, schreibt die BVG abschließend. Wie das wohl auf die Karlshorsterinnen und Karlshorster wirkt?!

Update vom 10. Juni, 11.30 Uhr: Von der BVG- Pressestelle erreichte LiMa+ folgende Antwort: Während der Bauzeit habe es eine Störung gegeben. Das Problem sei ausgeräumt. Jetzt verlaufe alles störungsfrei. Der Plan zur Fertigstellung 23. November bleibt.


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