Neues Buch des 87-jährigen Schornsteinfegers Bernd Müller:

Der Mythos vom Feuer

24.08.2019, Klaus Tessmann

Fotos: Klaus Tessmann. Zum Vergrößern Hauptbild anklicken.

Mahlsdorf. Das offene Feuer begleitet den Menschen schon seit Jahrtausenden. Auch der moderne Mensch von heute – der lieber den ganzen Tag im Internet unterwegs ist, ständig per E-Mail oder Handy erreichbar sein will, kann sich der Faszination nicht entziehen. Bei aller Technik, der Mensch liebt die gemütliche Stunde beim Kerzenlicht.

Woher kommt diese Faszination?

Der Mahlsdorfer Bernd Müller hat sich mit seinem jüngsten Buch mit dem „Mythos vom Feuer“ beschäftigt. Er weiß worüber er schreibt, denn ein halbes Jahrhundert lang hat er sich mit dem Feuer und seinen Rückständen beschäftigt. Als Schornsteinfegermeister ist er nicht nur den Mahlsdorfern aufs Dach gestiegen, sondern er kennt auch die Schornsteine in Weißensee und anderen Berliner Bezirken. Selbst die hohen Fabrikschornsteine sind ihm in- und „auswändig“ bekannt.

Keine Socken im Dienst

Den Mahlsdorfern ist Bernd Müller aber eher ein Begriff unter seinem Spitznamen „Ofen-Müller“ oder auch „Barfuss-Müller“. Beide Spitznamen kommen aus seinem Leben. Als Schornsteinfeger hat er niemals Socken getragen. Selbst in den kältesten Wintertagen geht er heute mit 87 Jahren noch barfuss. In den 90er Jahren hat er alte Öfen gesammelt und eine einmalige Ausstellung über die Geschichte der Feuerstätten zusammengetragen, das brachte ihm den Namen „Ofen-Müller“ ein.

Geschenk oder Fluch der Götter

Müller beginnt sein Buch „Der Mythos vom Feuer“ in grauer Vorzeit mit den Sagen und Mythen der alten Völker aus Südeuropa aber auch aus dem skandinavischen Raum. Das Feuer war in alten Darstellungen entweder ein Geschenk der Götter an die Menschen oder der Fluch der Götter, wenn sie die Menschen für Verfehlungen bestrafen wollten.

Müller führt den Leser in die Sagenwelt der alten Griechen, die das Feuer als Geschenk von Prometheus bekommen hatten. Als Strafe für diese Untat in den Augen der Götter wurde er an einen Felsen im Kaukasus geschmiedet. Die nordischen Völker kennen Thor, der ihnen das Feuer brachte.

Sodom und Gomorrha mit Feuer zerstört

Der feuerspeiende Drache kommt in vielen Erzählungen vor. Er bringt mit seinem Feuer Unheil über Städte und Dörfer. Der Drachentöter wird immer als großer Volksheld gefeiert und bekommt in der Märchenwelt die schöne Prinzessin zur Frau.

Feuer ist aber auch Strafe. Müller verweist auf die biblische Geschichte. Gott zerstörte mit Feuer und Schwefel die Städte Sodom und Gomorrha. Damit strafte er die sündige Lebensweise ihrer Einwohner. Der brennende Dornbusch in der Wüste wird auch heute noch als Zeichen der Mahnung und der Warnung verstanden.

Schon in der Antike war das Feuer jedoch auch das Symbol für Licht und Wärme. Die ersten Leuchtfeuer wiesen den Schiffen den Weg über das dunkle Meer.

Gleichzeitig war für die alten Völker das Feuer im Herd die Heilge Stätte. Der Gast wurde an das Feuer gebeten und bewirtet. Aber auch Städte und Länder nutzen das Feuer. Und so wurde sehr schnell auch eine Herdsteuer für die Anzahl der Feuerstellen erhoben.

Vom Rauchabzug zur Esse

Auch in der Kulturgeschiche der Völker spielt das Feuer nach wie vor eine wichtige Rolle. Beispiele dafür sind die Feuer und Rituale zur Sonnenwende, die in vielen Ländern noch gefeiert werden.

Große Probleme machte bei jedem Feuer der Rauchabzug. Müller beschreibt den langen und beschwerlichen Weg vom einfachen Rauchabzug aus den Zelten und Höhlen bis hin zum moderen Ofen und dem Schornstein.

Zunächst brannte das Feuer auf dem Boden. Es war ein langer Weg bis zum Feuer in Tischhöhe. Es gab viele Gesetze und Verordnungen, damit die Bewohner von Städten und Dörfern vor dem offenen Feuer geschützt werden sollten. Funkenflug hatte in der Vergangenheit oftmals zu großen Stadbränden geführt. Deshalb gab es speezielle Glockentöne, damit die Menschen zur Nachtruhe das Feuer löschten.

Von der Feuerstelle zum Ofen

In viele Bildern und Zeichnungen zeigt Müller, wie der Weg von der einfachen Feuerstelle zum heutigen Ofen führt. Vom offenen Feuer ging es über den Lehmofen zum Kachelofen. Als der Mensch lernte, große Stahlpatten zu gießen, baute er auch eiserne Öfen. Davon hat Müller einige sehr schöne Exemplare gesammelt. Sie werden heute im Ofenmusem in Knappenrode gezigt.

Der Buchautor Müller zeigt auch die Entwicklung der ganz unterschiedlichen Brennmaterialien auf. Als Beispiel nennt er die Berliner. Sie hatten es in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts geschafft, einen ganzen Wald durch die Schornsteine zu jagen. Ganz schnell erfand der Staat daraufhin die Holzsteuer. Damit sollten die Leute gezwungen werden auf die Braunkohle umzusteigen.

Unterhaltsam und witzig berichtet Bernd Müller auf 70 Seiten über Licht und Wärme in unseren Wohnungen. Der Unruheständler schrieb schon mehrere Bücher, unternahm eine “Friedensfahrt nach Paris” (LiMa+ berichtete) und betätigte sich als Stadtführer in Berlin (LiMa+ berichtete).

Das Buch „Der Mythos vom Feuer“ kann man zum Preis von 8,- Euro beispielsweise im Gründerzeitmuseum Mahlsdorf, Hultschiner Damm 333, erwerben.


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