Der Mann mit Akkordeon

19.12.2013, Volkmar Eltzel

Akkordeonmann im Fußgängertunnel
Foto: Volkmar Eltzel

Morgens, auf dem Weg zum S-Bahnhof Springpfuhl. Wie meistens ist die Zeit knapp. Schnell durch den Tunnel vom Helene-Weigel-Platz zum Bahnsteig. Auf der Treppe hinab sind sie wieder zu hören. Anrührende, melancholische Akkordeonklänge. Der Tunnel verstärkt den Hall. Die Schritte werden langsamer. Ein wahrer Künstler am Werk. Mann, mittleren Alters, Ledermütze auf dem Kopf, sitzt in der zügigen Tunnelmitte auf einem Hocker an die kalte Wand gelehnt und spielt. Vor ihm ein Rolli aufgebaut, als Tisch. Darauf ein Becher. Die Zahl der Münzen lässt darauf schließen, dass er schon einige Zeit spielt, und dass es den Vorbeieilenden gefallen hat. Menschen halten kurz inne, lauschen fasziniert. Lächeln ringsum. Pling, pling, wieder zwei Münzen.

Wo mag er herkommen? Was hat er erlebt, warum ist er hier? Gewiss kommt er von weither, das sieht man. Kommunikation mit Worten ist schwierig, er spricht nicht Deutsch. Gesten helfen. Ist es nicht kalt hier? Kopfwiegen. Eine Münze in den Becher. Darf man ein Foto machen? Der Mann lächelt. Klick. Zum Abschied ein Händedruck. Die Hand ist warm. Er spielt „Bésame mucho…“, ein mexikanisches Liebeslied und schaut auf die kahle Granitwand gegenüber. Hundert Prozent, dass er etwas ganz anderes sieht.

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