Wo Marzahn und Hellersdorf noch immer getrennt sind

Der Grenzfluss

08.12.2018, Birgitt Eltzel

Fotos: Birgitt Eltzel

Marzahn-Hellersdorf. Bis ins Jahr 2000 markierte das Flüsschen Wuhle die Grenze zwischen den damaligen Bezirken Marzahn und Hellersdorf. 2001 erfolgte im Rahmen der Bezirksfusion der Zusammenschluss zum Großbezirk Marzahn-Hellersdorf. Die Wuhle rückte damit gewissermaßen in die Bezirksmitte. Doch an einer Stelle trennt sie noch immer die Ortsteile. Auf einer Länge von ca. zwei Kilometern zwischen Eisenacher Straße und Landsberger Allee kann das Gewässer nicht trockenen Fußes überquert werden – wer von Hellersdorf in den Marzahner Teil will (oder umgekehrt), muss große Umwege laufen. Denn eine Brücke gibt es dort nicht.

Schon vor 15 Jahren sollte eine Brücke gebaut werden

Ute Bohnsack (67) stört das. Denn die Hellersdorferin möchte gern durchs Grüne in den Wiesenpark auf der Marzahner Seite gelangen, ohne zuvor erst zu einer der beiden Hauptstraßen zu gehen und dort die Wuhle zu überqueren. Im Wiesenpark gibt es ausgedehnte Grünflächen mit Bänken zum Verweilen, zudem einen großen Spielplatz. Auf der Hellersdorfer Seite führt der Wuhletal-Wanderweg entlang, allerdings ohne eine Querverbindung nach Marzahn. „Schon vor mindestens 15 Jahren sollte eine Brücke gebaut werden“, sagt die Seniorin, die gern mit ihren Enkeln ohne weite Wege zum Spielplatz im Wiesenpark gelangen möchte. „Warum ist das bisher nicht geschehen?“, wollte sie in der Bürgerfragestunde zur November-Tagung der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) wissen.

Veranschlagte Kosten: Eine Million Euro

Das Geld, das liebe Geld – so könnte man die Antwort des zuständigen Stadtrats Johannes Martin (CDU) zusammenfassen. Denn der Bezirk teile zwar den Gedanken, dass eine Brücke an dieser Stelle sinnvoll wäre. Aber bisher gebe es keine Finanzierung dafür. Die Auflagen der Senatsverwaltungen für eine solche Querung seien hoch und eine Brücke damit teuer. Auf eine Million Euro (!) würden die Kosten dafür geschätzt. Eine solche Summe habe man im Rahmen der Haushaltsberatungen bisher nie dafür in die Hand nehmen wollen.

Billiger und trotzdem funktional bauen

Warum eine Querung an dieser Stelle so teuer sein muss, führte Martin nicht aus. Die veranschlagten Kosten erscheinen jedenfalls angesichts des Vergleichs mit dem zur IGA Berlin 2017 entstandenen Wuhlesteg aus Cortenstahl aberwitzig. Für das Brückenbauwerk, das das Wuhletal auf einer Strecke von knapp 300 Metern überspannt, wurden rund vier Millionen Euro aufgewandt. Eine kleine Querung über die Wuhle im Landschaftsraum zwischen Eisenacher Straße und Landsberger Allee müsste (inklusive Auf- und Abgang) höchstens fünf bis zehn Meter überbrücken. Denn die Wuhle ist an dieser Stelle maximal zwei Meter breit und nicht einmal einen halben Meter tief. „Vielleicht sollte sich das Bezirksamt mal dafür stark machen, dass auch billiger gebaut werden kann“, sagt Ute Bohnsack. Man brauche ja kein Wunder der Technik, sondern nur ein funktionales und sicheres Bauwerk.

Hüpfen auf Feldsteinen

Einen möglichen Weg zur Querung der Wuhle kennen Eingeweihte aber bereits jetzt: Unbekannte haben etwa in der Mitte des Grünzugs Feldsteine in das Gewässer gelegt, auf denen man von einem Ufer zum anderen hüpfen kann – man muss nur gut zu Fuß und schwindelfrei sein. Sonst bekommt man nasse Füße.

 

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