Der Frauentag ist Feiertag!

07.03.2019, Volkmar Eltzel

Foto: Klaus Tessmann. Zum Vergrößern Hauptbild anklicken.

Berlin. Zum ersten Mal wird in diesem Jahr der Internationale Frauentag am 8. März in Berlin als Feiertag begangen. Erst im Januar hatte das Berliner Abgeordnetenhaus mehrheitlich dem Gesetzentwurf des rot-rot-grünen Senats zugestimmt. Damit ist Berlin deutschlandweit Vorreiter.

Der Frauentag, der am 19. März 1911 erstmals begangen wurde, demonstrierte und manifestierte den Kampf, vor allem der Frauen selbst, für ihre Gleichberechtigung gegenüber Männern, für ihr Wahlrecht und ihre Emanzipation von ökonomischer Abhängigkeit und Unmündigkeit. Der Tag, der seit 1921 jährlich am 8. März gefeiert wird, geht auf eine Initiative der Frauenrechtlerin Clara Zetkin auf der Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz 1910 in Kopenhagen zurück. Das Frauenwahlrecht in Deutschland trat mit dem Reichswahlgesetz am 30. November 1918 in Kraft. Die Wahl zur verfassungsgebenden Nationalversammlung am 19. Januar 1919 war die erste Wahl, an der Frauen als Wählerinnen und Gewählte beteiligt waren.

Party, Frauenfrühstück, Streik und Rosen für Clara in Marzahn-Hellersdorf

Marzahn-Hellersdorf. In einem Grußwort, das Dagmar Pohle (Die Linke), Bezirksbürgermeisterin von Marzahn-Hellersdorf, ausdrücklich an Frauen und Männer richtete, betonte sie, dass nach 108 Jahren Frauentag und 100 Jahren Wahlrecht für Frauen sich manche Forderungen nach Gleichstellung und Gleichberechtigung zwar gewandelt hätten. Jedoch stehe der Internationale Frauentag immer noch „für den Kampf um Entgeltgleichheit, um sexuelle Selbstbestimmung, gleichen Zugang zu Bildung und in Führungspositionen und für Bedingungen, die die Vereinbarkeit von Beruf und Familie für Frauen und Männer sichern…“

Der Frauentag wird unterschiedlich begangen. Schon am Donnerstag, 7. März, gibt es von 17 bis 21 Uhr in der Frauensporthalle im Freizeitforum Marzahn eine Tanz-, Bewegungs- und Spieleparty. Dort heißt es: „Wir machen uns auf die Socken!“ Bitte Sportschuhe oder Socken mitbringen. Für Getränke ist gesorgt. Das Buffet soll durch die Mitbringsel der Gäste selbst zusammengestellt werden.

Ein Frauenfrühstück gibt es am Freitag, 8. März, von 10 bis 12 Uhr auf dem Abenteuerspielplatz Alpha II, Schorfheidestraße 52. Die Spielplatzinitiative Marzahn e.V. lädt dazu nicht nur Frauen ein. Wolfgang Brauer, Vorsitzender des Heimatvereins Marzahn-Hellersdorf, liest Texte zum Frauentag. Später bringt Morgan Nickolay mit seiner Balalaika den Frauen ein Ständchen. Das Programm BENN (Berlin entwickelt neue Nachbarschaften) trägt die Kosten für Speisen, Getränke, den Raum und für den Musiker.

Ein bundesweites Netzwerk ruft für Freitag, 8. März, alle Frauen und Queers dazu auf, um fünf Minuten vor 12 Uhr alle bezahlte und unbezahlte Arbeit niederzulegen und sich in den öffentlichen Raum zu setzen. Motto des Frauenstreiks: „Wenn wir die Arbeit niederlegen, steht die Welt still!“ Die Aktion soll international stattfinden.

Auch die FrauenNetz-Akteurinnen Marzahn-Hellersdorf wollen sich am Frauenstreik beteiligen. Treffpunkt ist um 12 Uhr an der S-Bahnstation Ahrensfelde. Von dort aus soll eine Demonstration zum Clara-Zetkin-Denkmal in Marzahn NordWest, zwischen Niemegker und Wittenberger Straße führen. Traditionell wird dort die Gedenkstunde „Rosen für Clara“ abgehalten. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind aufgerufen, eine Rose mitzubringen.

„März der Frauen“ mit Festempfang und Frauenpreis in Lichtenberg

Lichtenberg. Zahlreiche Veranstaltungen würdigen in Lichtenberg den diesjährigen „März der Frauen“ für eine gerechte Gesellschaft, in der alle Menschen gleiche Chancen und Möglichkeiten haben.

Zu einem Festempfang des Bezirksamts Lichtenberg zum Internationalen Frauentag sowie zur Verleihung des Lichtenberger Frauenpreises 2019 lädt Bezirksbürgermeister Michael Grunst (Die Linke) am Donnerstag, 7. März, von 18 bis 20 Uhr in das Kulturhaus Karlshorst ein. Als Festrednerin wird Seyran Ateş, Rechtsanwältin, Frauenrechtlerin und Autorin erwartet. Die Politikwissenschaftlerin Claudia von Gélieu vom Frauentouren e.V. gibt einen Einblick in ihre Recherche „100 Jahre Frauenwahlrecht – die Jahre 1918/19 in Lichtenberg“.

„Als Berliner bin ich stolz, dass Frauen aus verschiedenen Verbänden, Netzwerken und Fraktionen sich diesen Feiertag erkämpft haben“, erklärt der Bürgermeister. Das sei eine Anerkennung der Geschichte der Frauenbewegung. „Die zahlreichen Veranstaltungen im März belegen, dass wir das Thema Gleichberechtigung ganz oben auf unserer Agenda zu stehen haben. Zu Recht, denn wir müssten eigentlich als Gesellschaft schon viel weiter sein!“.

„Jede Gabe ist eine Aufgabe“ lautet der Titel einer Veranstaltung am 8. März um 15 Uhr im Nachbarschaftszentrum des Vereins für Ambulante Versorgung, Ribnitzer Straße 1b. Interessierte sind zu einem Vortrag über die berühmte Friedenskämpferin Käthe Kollwitz bei Kaffee und Kuchen eingeladen.

Zum Salongespräch: „Was heißt eigentlich Ankommen? Eine Frau und ihr Neuanfang in Berlin“ lädt das Familienplanungszentrum Balance, Mauritiuskirchstraße 3, am Montag, 11. März, von 17 bis 19 Uhr ein. Die Abendveranstaltung soll die Lebenssituation von geflüchteten Frauen beleuchten und ein besseres Verständnis für ihre besonderen Bedürfnisse und Herausforderungen schaffen. Ein Kurzfilm zeigt die Fluchtgeschichte von Frau Nazifa F. aus Afghanistan.

Zur Präsentation des Filmes „Alleinerziehend in Berlin Lichtenberg“ der Autorin und Filmemacherin Miriam Sachs, lädt das Netzwerk Alleinerziehende am Dienstag, 19. März, um 18 Uhr in die Kiezspinne, Schulze-Boysen-Straße 38, ein. Die porträtierten Frauen geben einen sehr offenen Einblick in ihre Lebenswirklichkeit. Interessierte können die Mütter kennenlernen und mit ihnen ins Gespräch kommen.

Das Museum Lichtenberg gestaltet am Mittwoch, 20. März, um 19 Uhr, mit Claudia v. Gélieu eine szenische Lesung unter dem Titel: „Sie lebte der Zukunft ein Stück voraus“ über eine der wichtigsten Vorkämpferinnen der Arbeiterinnenbewegung: Emma Ihrer.

Am Montag, 25. März, findet um 19 Uhr die Buchpräsentation „Lichtenbergerinnen und ihre Berufe im Porträt“ im Nachbarschaftszentrum des Vereins für Ambulante Versorgung statt. In 14 Porträts werden starke und selbstbewusste Frauen vorgestellt. Sie erzählen, wie sie es schaffen, ihren Beruf und das Familienleben miteinander zu vereinen. Autorin Jelena Gansdorf präsentiert ihr Buch im Beisein der Porträtierten.

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