Die Ahrensfelder Berge haben dringend Pflege nötig

Der Berg ruft!

07.06.2018, Birgitt Eltzel

Fotos: Birgitt Eltzel

Marzahn. Wer den Aufstieg auf 114,5 Meter geschafft hat, den belohnt von der Kuppe des höchsten der beiden Ahrensfelder Berge zwischen Eiche-Park und Landsberger Allee bei gutem Wetter eine fantastische Aussicht: Weit reicht der Blick über das nahe Brandenburg und bis zur Berliner City. Doch Spaß macht es nicht, dort hinauf zu kraxeln. Treppenanlagen, die früher einmal sicheren Tritt boten, sind inzwischen so marode, dass man aufpassen muss, wenn man sie benutzt. Der ältere Herr, den ich beim Hochsteigen treffe, sagt, es sei inzwischen kreuzgefährlich geworden, den Blick vom Boden zu heben. „Man will ja nicht hinfallen“, sagt er. Und in der Tat, Holzschwellen, die einmal Treppen waren, sind locker, brüchig und oftmals gar nicht mehr vorhanden. „Und überall gibt es Schmutz“, beklagt der rüstige Rentner aus Lichtenberg, der jedes Jahr einmal die Ahrensfelder Berge besucht, wie er erzählt. Er passe sie in seine Wanderungen am nordöstlichen Stadtrand ein. „Denn eigentlich ist es doch schön hier.“

Müll, Scherben und Flaschen

Nun moniert er auf der Kuppe herumliegenden Müll: „Das ist doch eine Schande!“ Glasscherben zieren den Boden der im Jahr 2008 geschaffenen Aussichtsplattform. Von dort kann man nahe den Sträuchern auf dem Plateau einen Einkaufswagen sehen, voll mit leeren Wein-, Bier- und Schnapsflaschen. Es gibt Stellen, an denen noch die Reste vergangener Grillfreuden zu entdecken sind – obwohl das Grillen auf den Bergen wie in anderen Grünanlagen verboten ist. Das bezirkliche Grünflächenamt kommt mit der Pflege der Flächen nicht nach. „Kann es ja auch nicht, wenn die Leute sich so benehmen“, sagt der Wanderer. Ihn ärgere die Rücksichtslosigkeit und Gleichgültigkeit mancher Menschen.

Vierthöchste Erhebung Berlins

Die Ahrensfelder Berge sind eigentlich nur zwei Anhöhen. Sie entstanden aus dem früheren Roll-Berg und dem Schiefen Berg, zwei typischen eiszeitlichen Wallrücken mit abgelagerten Kiesen und Sanden. Diese wurden von 1981 bis 1991 als Bauschuttkippe genutzt und somit künstlich erhöht. Der westliche Hügel wuchs von 66,9 Meter auf 112 Meter. Bis Mitte der 1990er-Jahre war das Betreten der Ahrensfelder Berge zeitweise untersagt. Vermutet wurden Bodenkontaminationen durch den abgelagerten Müll. Zudem sollte sich die über dem Schutt abgelagerte Erde erst setzen. Seit rund 20 Jahren können die Berge, die inzwischen durch so genannte Pioniergehölze – Pappeln, Eschenahorn und verschiedene Sträucher und Bodendecker – dicht bewaldet sind, wieder ungehindert betreten werden. Im Jahr 2009 wuchsen die Ahrensfelder Berge wieder. Sie wurden durch den Bau der Aussichtsplattform um weitere 2,5 Meter höher und sind jetzt nach Arkenberge, Teufelsberg und Großer Müggelberg die vierthöchste Berliner Erhebung.

2008 wurde vieles neu geschaffen

Der Bau der Plattform diente seinerzeit allerdings nicht dem Zweck, Rekorde zu erzielen. Sie gehörte zu Maßnahmen, die die touristische Anziehungskraft Marzahn-Hellersdorfs stärken sollten. Zur Ausgestaltung des Areals als Erholungsgebiet hatten Studenten der landwirtschaftlichen Fakultät der Humboldt-Universität Vorschläge gemacht, der damals in Marzahn ansässige Verein Umweltanalyse hatte dann mit ABM-Kräften neue Wege angelegt, Entwässerungsrinnen gebaut, Bäume gefällt und neue gepflanzt, die Rodelbahn umgestaltet – und das Plateau aufgestockt.

Weitere Pflegemaßnahmen blieben aus

Weitere Pflegemaßnahmen blieben später aus. ABM-Maßnahmen wurde eingestellt, den Bezirken Personal und Geld gekürzt. Man musste sparen. Das um 2008 Geschaffene verfiel zusehends. In die Schlagzeilen schafften es die Ahrensfelder Berge 2016/17 durch eine Idee junger Leute: Diese wollten eine Anleihe bei Hollywood nehmen und die Bergkuppe mit Riesenbuchstaben versehen, die werbewirksam das Wort Marzahn ergeben hätten. Doch der Plan wurde inzwischen ziemlich stillschweigend wieder beerdigt. Zu viele Probleme, zu viele Unwägbarkeiten – und zu wenig Resonanz der ortsansässigen Bevölkerung.

Fördermittel gesucht

Bleibt die seit Jahren unbefriedigende Lage. Mehrfach bereits hat sich die Bezirksverordnetenversammlung (BBV) damit beschäftigt und Veränderungen verlangt. Geschehen ist – nichts. Die knappen Haushaltsmittel – Marzahn-Hellersdorf muss immer noch 4,2 Millionen von einst 45,5 Millionen Euro Altschulden abtragen – wurden für andere Aufgaben verplant. Der für das bezirkliche Grün und damit auch für die Erholungsflächen zuständige Stadtrat Johannes Martin (CDU) sagt, dass insbesondere die Treppenanlagen in einem sehr schlechten Zustand seien. „Wir prüfen derzeit weiterhin, ob es Möglichkeiten gibt, die Erneuerung der Wege im Rahmen einer Programmkulisse (also mit Fördermitteln, d. Red.) zu beantragen.“

Freiwillige Aktivitäten organisieren

Unser Kommentar: Vielleicht würde auch zunächst eine große Reinigungsaktion helfen, die Attraktivität des Gebiets wieder zu erhöhen. Wahrscheinlich würden etliche Bürger mitmachen, wenn Geräte und Material zur Verfügung gestellt würden. Eigentlich wäre die Organisation solcher Subbotniks doch eine schöne Aufgabe für die staatlich geförderte Marzahn-Hellersdorfer Freiwilligenagentur: Der Berg ruft!

 

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