Am Weißenseer Weg/Konrad-Wolf-Straße laufen neue Planungen

Der Bau-Zombie soll verschwinden

04.07.2018, Birgitt Eltzel

Fotos: Birgitt Eltzel

Alt-Hohenschönhausen. Die Ruine des ehemaligen Kongresszentrums am Weißenseer Weg/Konrad-Wolf-Straße hat es bereits zu zweifelhaftem Ruhm gebracht: Sie wurde vom RBB in die Reihe der Berliner Bau-Zombies aufgenommen. Nun gibt es einen neuen Anlauf, den Schandfleck zu beseitigen. Am Montagabend, 2. Juli, wurden die Pläne des Eigentümers Immonen Group von einem beauftragten Stadtplanungsbüro und dem Bezirksamt in einer Einwohnerversammlung vorgestellt.

Ein ganz normales Quartier

Wie bereits berichtet, soll die Neuplanung weitaus weniger spektakulär aussehen als das gescheiterte Square-Projekt des Berliner Immobilienentwicklers Dirk Moritz. Dieser hatte am Standort gegenüber dem Sportforum, Deutschlands größten Olympiastützpunkt, drei Wolkenkratzer vorgesehen, die Siegerpodesten ähneln sollten. „Wir sind völlig neu herangegangen“, sagte Dogan Yurdakul von der beauftragten Gesellschaft für Planung. „Wir wollen ein Quartier entwickeln, das sich im Grundsatz nicht so stark von der Umgebung unterscheidet.“ Sprich: Jetzt werden kleinere Brötchen gebacken statt Luftschlösser gebaut.

Wohnungen, Büros, Hotel

Vorgesehen sind auf dem 3,15 Hektar großen Grundstück 33.000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche Wohnungsbau (etwa 330 Wohnungen, davon 30 Prozent gefördert), 19.000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche Hotel (plus weitere 3.000 Quadratmeter Handelsnutzung im Erdgeschoss) sowie 23.000 Quadratmeter Bürofläche. Im westlichen Bereich des Grundstücks entlang des Weißenseer Wegs sollen zwei achtgeschossige Bürogebäude entstehen – jeweils mit Innenhof. An das südliche Bürogebäude schließt sich ein elfgeschossiger Büroturm an. Entlang der Konrad-Wolf-Straße ist die Errichtung eines Hotelgebäudes und eines Wohngebäudes mit jeweils sieben Geschossen und einem Innenhof geplant. Der südwestliche Teil des Hotelgebäudes soll ebenfalls eine Höhe von elf Geschossen erreichen. Die beiden elfgeschossigen Türme umfassen im südwestlichen Bereich des Gebiets (an der Kreuzung Weißenseer Weg/ Konrad-Wolf-Straße) einen Stadtplatz. Im rückwärtigen Grundstücksbereich sind ein weiteres siebengeschossiges Wohngebäude mit Innenhof sowie ein öffentlicher Spielplatz mit 2.000 Quadratmeter Größe geplant. Die Erdgeschosse der Bürogebäude und des Hotels sollen teilweise durch Einzelhändler genutzt werden.

Kooperative Baulandentwicklung

Das Gebiet soll nach dem Berliner Modell der kooperativen Baulandentwicklung erschlossen werden, teilte die für Stadtplanung zuständige Stadträtin Birgit Monteiro (SPD) mit. Das bedeutet, der Bauherr beteiligt sich an den Kosten für Einrichtungen der öffentlichen Infrastruktur wie beispielsweise Schul- und Kitaplätzen. Auch zur verkehrlichen Erschließung muss der Investor beitragen – so wird er Fläche für eine Veränderung des Kreuzungsbereichs Konrad-Wolf-Straße/Weißenseer Weg abtreten. Denn nach einem Konzept der Senatsverkehrsverwaltung ist eine Aufweitung der Konrad-Wolf-Straße im Bereich vorgesehen. Ruth Pützschel vom Bereich Stadtentwicklung des Bezirksamtes erklärte: „Weiterhin wird dabei allerdings kein Linksabbiegen in die Konrad-Wolf-Straße gestattet.“ Das gesamte Verkehrskonzept werde im Rahmen des Bebauungsplanverfahren den Anwohnern präsentiert.

Fertigstellung 2023?

Das Verfahren steht allerdings noch ganz am Anfang. Noch sind komplizierte Probleme wie Lärmschutz und Umweltverträglichkeit zu regeln. Etwa zwei bis drei Jahre werden bis zur Festsetzung des Bebauungsplans vergehen, schätzte Pützschel. Rechnet man die üblichen zwei Jahre hinzu, die ein Bauprojekt in Berlin durchschnittlich braucht, könnte es 2023 fertiggestellt sein. Wenn alles glatt läuft.

Ruine bleibt vorerst noch stehen

Eine der drängendsten Fragen aus dem Pubikum: Kommt die Ruine schon vor Abschluss der langen Planungen weg? Darauf gab es eine negative Antwort von Birgit Monteiro: „Der Investor will erst Baurecht schaffen. Rein rechtlich können wir ihn leider nicht zum vorherigen Abriss zwingen.“ Dennoch ist sie zuversichtlich: „Ich freue mich, dass nach Jahren des Stillstands und Verfalls endlich eine Entwicklung des Standorts absehbar ist.“ Das Bezirksamt sei bestrebt, das Bebauungsplanverfahren zügig fortzusetzen, damit der Bau bald starten kann. In Kürze soll die frühzeitige Bürgerbeteiligung mit der Auslegung der bisherigen Planungen beginnen. Darüber wird im Internet, mit Zeitungsannoncen und mit Wurfsendungen an die Anwohner informiert.

CDU kritisiert zu geringe Höhe

Auch die Lichtenberger CDU-Fraktion begrüßte das Projekt mit der entstehenden Verbindung von Wohnen, Einzelhandel, Hotel- und Bürostandort. Kritik übte Fraktionsvorsitzender Gregor Hoffmann jedoch an der geplanten durchschnittlichen Bauhöhe: Der Eingangsbereich zu Hohenschönhausen hätte zumindest ein Gebäude in besonderer Bauhöhe als Signal für den städtischen Standort verdient, erklärte er. Der Bebauungsplan sollte mit hoher Priorität bearbeitet werden, so Hoffmann. Ein Scheitern wie bei den vorherigen Projekten dürfe es dieses Mal nicht geben. „Das Bezirksamt muss darum dringend auf den Senat zugehen, damit es hier in guter Nachbarschaft zu einer Umsetzung kommen kann.“

 

Diesen Artikel empfehlen

Facebook Share Twitter Share

Leserkommentare

Ihr Kommentar zum Thema

Bitte melden Sie sich an.



absenden