Auf Abrissflächen werden jetzt wieder neue Wohnungen gebaut

Dem Abriss folgt Neubau

22.05.2018, Birgitt Eltzel

Fotos: Birgitt Eltzel

Marzahn-Hellersdorf. Dort, wo im Rahmen des Programms Stadtumbau Ost Wohnungen abgerissen wurden, werden jetzt zunehmend wieder neue Häuser gebaut. Das gefällt nicht allen Anwohnern. So stoßen Pläne der landeseigenen Degewo, an der Wuhlestraße 2-8 wieder Wohngebäude zu errichten, auf Missfallen. Anwohnerin Dagmar Lenz kritisierte in der April-Tagung der Bezirksverordnetenversammlung Wohnverdichtungsmaßnahmen im Cecilienviertel. Zugleich fragte sie nach Infrastruktur-Entwicklungsmaßnahmen für den Zuzug von bis zu 1.000 Mietparteien im Dreh.

Bisher nur eine Anfrage

Bürgermeisterin Dagmar Pohle (Linke), die auch für Stadtentwicklung zuständig ist, informierte, dass für das Grundstück Wuhlestraße 2-8 noch kein Bauantrag gestellt worden ist. Es habe bisher nur eine Anfrage der Wohnungsbaugesellschaft für die Errichtung eines achtgeschossigen Wohnhauses gegeben. Pohle betonte aber auch, dass Neubau auf dem Areal nach dem sogenannten Paragrafen 34 Wohngesetzgebung (Anpassung an die Umgebung) möglich ist. „Es wäre schwierig zu argumentieren, dass an Stellen, wo schon Wohnhäuser standen, jetzt keine mehr errichtet werden dürfen“, sagte sie.

Nach Abriss Bäume gepflanzt

Der Block Wuhlestraße 2-8 wurde im Jahr 2007 zusammen mit zwei weiteren Elfgeschossern (insgesamt rund 300 Wohnungen) der Degewo abgerissen. Auch zwei Schulen im Quartier mussten weichen. Mit dem Abriss der Wuhlestraße 2-8 wurde die ursprüngliche Blockbebauung zu einer U-förmigen Struktur verändert. Dort, wo früher der Elfgeschosser stand, wurden in zwei Reihen Bäume gesetzt. Der schon früher recht große Hof erhielt, auch durch Modellierung der Abrissfläche, einen parkähnlichen Charakter.

Pohle: Infrastruktur ausreichend

Dass mit der möglichen Wiederrichtung eines Wohngebäudes an dieser Stelle die Infrastruktur im Viertel überfordert wäre, glaubt Dagmar Pohle nicht. Sie verwies auf drei Supermärkte im Gebiet, das nahe Gesundheitszentrum des Unfallkrankenhauses Berlin (UKB) und Kitas vor Ort. Auch die schulische Versorgung sei gesichert. Allerdings, das sagte sie nicht, gibt es nur noch eine einzige Grundschule in Biesdorf-Nord, die Johann-Strauss-Grundschule an der Cecilienstraße. Gegenüber dem Cecilienviertel, entstehen mit dem Weiterbau der Ringelnatzsiedlung durch die Degewo ebenfalls fast 300 neue Wohnungen. Pohle machte in diesem Zusammenhang darauf aufmerksam, dass es Pläne für eine weitere Kita im Kiez gibt, die eine Genossenschaft errichten will.

Mehr als 4.300 Wohnungen abgerissen

Die Entwicklung im Cecilienviertel zeigt einen Trend. Wurden zwischen 2002 und 2007 in Marzahn-Hellersdorf wegen Rückgang der Bevölkerung und massivem Wohnungsleerstand (bis zu 20 Prozent in manchen Gebieten der Großsiedlungen) rund 4.300 Wohnungen und mehr als 142 Kitas, Schulen und andere Einrichtungen der sozialen Infrastruktur abgerissen, entstehen nun auf den Abrissflächen wieder neue Häuser. So wird auch an der Marchwitzastraße 1-3 in Marzahn, wo 2002 mit dem Abriss eines Doppelhochhauses die erste Platte Berlins abgerissen wurde, gebaut. Ende dieses Jahres werden die vier Häuser mit 126 Wohnungen fertig sein. Ebenfalls auf Stadtumbau-Flächen entstehen an der Karl-Holtz-Straße und der Ludwig-Renn-Straße 250 bzw. 200 neue Wohnungen. Auf einer früher bebauten, dann lange Jahre brach liegenden Fläche an der Schkeuditzer Straße in Hellersdorf errichtet die landeseigene Stadt und Land Wohnbauten Gesellschaft in Hellersdorf ihr erstes Typenhaus, wir berichteten. Wie bei anderen Neubauvorhaben der landeseigenen Gesellschaften werden auch die Wohnungen, die auf den Stadtumbauflächen entstehen, bis zu 50 Prozent gefördert. Die Einstiegsmieten dort betragen um die 6,50 Euro nettokalt pro Quadratmeter. Damit sind diese Wohnungen (für nicht geförderte Wohnungen werden im Schnitt um die 10 bis 12 Euro nettokalt pro Quadratmeter verlangt) relativ erschwinglich, allerdings nicht so günstig wie die sanierten Plattenbauten ringsum.

Seit 2010 steigen die Einwohnerzahlen

Von 1993 bis 2009 hatte sich die Einwohnerzahl in Marzahn-Hellersdorf um rund 54.000 Menschen verringert, mehr als 10.000 Plattenwohnungen standen zeitweise leer. Abgerissen wurde jedoch auch noch, als sich der Trend zum Wegzug schon verringert hatte. Seit 2010 begannen die Einwohnerzahlen wieder zu steigen. Gab es im Bezirk 2009 noch 244.165 Einwohner, waren es mit Stand 31.12.2017 bereits 266.684 Einwohner, rund 7.000 Menschen mehr als noch 2015 (Quelle: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg).

Amt für Statistik: Anstieg in Berlin lässt nach

Werden die Bevölkerungszahlen weiter so ansteigen? Nachdenklich machen dürfte eine Pressemitteilung des Amtes für Statistik. Dort wird für ganz Berlin konstatiert, dass in der Stadt Ende Juni 2017 insgesamt 41.100 Menschen mehr lebten als noch ein Jahr zuvor. Die ausländische Bevölkerung nahm um 40.000 Menschen zu, die deutsche um nur 100 Personen. Insgesamt gab es ein Wachstum um 1,2 Prozent, teilte das Amt mit – der geringste jährliche Anstieg seit dem Zensus 2011. „Dabei lässt sowohl der Anstieg der ausländischen als auch der deutschen Bevölkerung nach.“ Insgesamt ergab sich im ersten Halbjahr 2017 ein Wanderungsgewinn von 16.400 Menschen für ganz Berlin (nach Abzug der Weggezogenen und Verstorbenen).

Vielleicht in ein paar Jahren erneuter Stadtumbau?

Die wachsenden Bevölkerungszahlen in Marzahn-Hellersdorf und auch im Nachbarbezirk Lichtenberg können somit wohl nur eines bedeuten: Mangels bezahlbarem Wohnraum werden Menschen aus Innenstadtlagen an den Berliner Rand verdrängt. Doch wenn auch dort nur maximal bis zur Hälfte bei allen Projekten relativ preiswerter Wohnraum entsteht, wer soll dann die teureren Wohnungen In Marzahn-Hellersdorf mieten? Steht vielleicht in ein paar Jahren ein erneuter Stadtumbau mit tausendfachem Wohnungsabriss bevor?

 

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