„Plastekipper und Triola“: Bezirksmuseum zeigt DDR-Spielzeug

Wenn Erwachsene wieder hopsen

21.10.2019, Steffi Bey

Fotos: Steffi Bey Zum Vergrößern bitte auf das Startbild klicken!

Marzahn. Viele Erwachsene wollen wissen, ob sie es noch drauf haben: Sie konzentrieren sich auf das langgestreckte Gebilde am Boden, gehen leicht in die Hocke und springen los: Von Kästchen zu Kästchen, lassen dabei die „Hölle“ aus und sind froh, wenn sie es geschafft haben, ohne dabei auf eine Linie zu treten. Genau wie früher. Nur dass die Hopse nicht mit Kreide gemalt wurde, sondern auf  Folie gedruckt ist.

Leihgaben und Schenkungen von Bewohnern

Gleich im Eingangsbereich des Bezirksmuseums Marzahn-Hellersdorf „stolpern“ die Besucher jetzt über diese Kindheitserinnerung. Es ist eine wundervolle Einstimmung auf das, was es in drei Räumen im Erdgeschoss zu entdecken gibt. „Plastekipper und Triola“ lautet der Titel der Sonderausstellung, bei der das Spielen und Spielzeug in der DDR der 1970er- und 1980er-Jahre im Mittelpunkt steht. Das Museums-Team um Dorothee Ifland und Iris Krömling hatte die Idee für diese besondere Schau und erarbeitete auch das Konzept. Anfang des Jahres gab es dann einen Aufruf in den Medien, bei dem Marzahner animiert wurden, Spielsachen von einst zur Verfügung zu stellen. „Die große Resonanz hat uns überwältigt, wir bekamen so viele Leihgaben und Schenkungen“, beschreibt Iris Krömling, Leiterin von Haus 2, die Situation.

20 verschiedene Themeninseln

Die Leute riefen an oder mailten und schickten zunächst Fotos der Spielsachen. Es kam so viel zusammen, dass es schwer fiel eine Auswahl zu treffen. Übrig geblieben ist eine Fülle von Erinnerungsstücken, die nun 20 verschiedene Themeninseln füllen. Und das Tolle: In vielen Bereichen dürfen die Besucher Hand anlegen: sich auf nachgestalteten Brettspielen wie „Sandmännchen“  oder „Der bunte Würfel“ ausprobieren, kleine Basteleien herstellen oder sogar mit der Triola musizieren. Aus hygienischen Gründen ist das Instrument an eine Art Blasebalg angeschlossen, der per Schalter animiert wird. Wer will, kann dann die bunten Tasten drücken und sich über den Klang aus längst vergangenen Zeiten freuen.

Ferngesteuerte Autos und „Alfons Zitterbacke“

Der im Ausstellungstitel genannte Plastekipper wurde im Raum 1 in den Mittelpunkt gerückt. Er steht im Innern eines nachempfundenen Klettergerüstes neben zwei alten Rollern. In den Vitrinen sind unter anderem Plaste-Baukästen drapiert mit Pebe-Steinen, Holzburgen, aber auch ferngesteuerte Autos, ein Postspiel und ein mit vielen kleinen Päckchen gefüllter Kaufmannsladen. Auch eine Leseeckecke ist vorhanden mit Original DDR-Kinderbüchern wie „Alfons Zitterbacke“ oder „Bei der Feuerwehr wird der Kaffee kalt“.

Zeitgenössische Fotos von Marzahner Kindern

Über jeder Themeninsel hängt ein farbiges Hinweisschild in Form einer Triola auf dem viele Details durchaus humorvoll erklärt werden: Was Pebe beispielsweise bedeutet, wo die Spielsachen produziert wurden, wie viele Kinderbuchverlage es gab, wie beliebt Buntpapier und Suralin waren oder welches Kinderspielzeug offiziell importiert wurde. „Zeitgenössische Schwarz-Weiß-Fotos von spielenden Kindern aus Marzahn unterstreichen den lokalen Blick“, sagt Iris Krömling.

Auch Militärspielzeug ist zu sehen

„Ich finde, wir hatten damals viele sinnvolle und lehrreiche Spielsachen“, sagt Karen Janoszka. Gemeinsam mit ihrem Mann Klaus-Dieter schaut sie sich die Ausstellung an und erinnert sich dabei „an die schönen Stunden“, die mit den Kindern beim Spielen verbracht wurden. Von der aktuellen Sonderschau sind die beiden Marzahner begeistert. Iris Krömling zählt zu ihren Lieblingsobjekten die 3D-Steroskopbilder, die auf der Themeninsel „Medien“ zu finden sind. Szenen vom Sandmann sind dort ebenfalls anzuschauen. Auch Puppen, Indianer, Plüschtiere und Militärspielzeug werden in mehreren Vitrinen und in Regalen gezeigt. Und überall, wo farbige Handflächen an den Wänden kleben, dürfen die Besucher selbst etwas ausprobieren.

Spezielle Projekttage für Schulklassen

Innerhalb der ersten Ausstellungstage kommentierten bereits viele Erwachsene wohlwollend ihre Eindrücke und bedankten sich im Gästebuch „für die liebevoll zusammengestellte und wunderbare Schau, bei der jeder nochmal in seine Kindheit eintauchen darf“.

Für Schulklassen bietet das Bezirksmuseum spezielle Projekttage mit Führung, Spielmöglichkeiten und einem Rätsel an.

Weitere Informationen im Bezirksmuseum Marzahn, Haus 1, Alt-Marzahn 51. Zu sehen ist die Ausstellung bis zum 15. Mai 2020, montags bis freitags (außer an Feiertagen) von 10 bis 18 Uhr. Telefon: 030-54 79 09 21.

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