Das war 2014

30.12.2014, Birgitt Eltzel

Fotos: Redakteure LiMa+, IGA Berlin 2o17. Zum Vergrößern auf das Hauptbild klicken.

Lichtenberg. Marzahn-Hellersdorf. Von wegen im Osten nichts Neues. Wir haben noch einmal in unseren Beiträgen des Jahres 2014 geblättert und waren selbst erstaunt, wie viele berichtenswerte Ereignisse es in den vergangenen zwölf Monaten gab. Wer erinnert sich noch? Eine kleine Auswahl:

Jubiläen:
35 Jahre alt wurde Marzahn am 5. Januar, von diesem Tag im Jahr 1979 datiert die Gründungsurkunde des Bezirks, für den Lichtenberg seinerzeit einen Großteil seines Territoriums abgeben musste. Gefeiert wurde das Jubiläum aber so richtig erst im September, mit dem dreitägigen großen Open-Air-Spektakel “Plattenfest”. Der selbstironische Name wurde vor ein paar Jahren geboren – Marzahn-Hellersdorf steht zu seinen Plattenbauten. Warum auch nicht, sind sie doch längst saniert, bieten Wohnungen mit Komfort und ein gutes Zuhause für mehr als 200.000 Menschen.
“Ich bin im Oskar geboren”, hieß eine der vielfältigen Veranstaltungen im Sana Klinikum Lichtenberg an der Fanningerstraße. Das traditionsreiche Oskar-Ziethen-Krankenhaus (OZK) feierte das ganze Jahr über sein 100-jähriges Bestehen. Bei Kaffee und Jubiläumstorte trafen sich dort am 30. Mai ehemalige Kinder aus dem OZK, darunter auch Lichtenbergs Bezirksbürgermeister Andreas Geisel (SPD). Die älteste Teilnehmerin war die 90-jährige Sabine Jacobs aus London, die nicht nur im Klinikum geboren worden war, sondern deren Vater Friedrich Jacobs im Oskar-Ziethen-Krankenhaus in den 1920er-Jahren auch die erste Entbindungsklinik Lichtenbergs aufgebaut hatte.

Summ, summ, summm… 150 Jahre zählt der Imkerverein Wuhletal 1864, der nach der Wende aus den Imkervereinen Lichtenberg und Marzahn hervorgegangen war. Seine historischen Wurzeln hat er in dem Zusammenschluss von Bienenfreunden um den damaligen Lichtenberger Rektor Schröder, nun ist er aktiv in den Ortsteilen Karlshorst, Lichtenberg, Marzahn, Hellersdorf, Kaulsdorf und Mahlsdorf.

Bauen:
Immer mehr Menschen zieht es nach Berlin, auch in Lichtenberg und Marzahn-Hellersdorf werden die Wohnungen knapp. Selbst in den Plattenbaugebieten liegt die Leerstandsquote nur noch um etwa ein Prozent. Neue Wohngebiete entstehen wie beispielsweise die Gartenstadt Karlshorst oder die Treskow-Höfe, für die am 10. Juli das Richtfest gefeiert wurde. Aber auch die “Platte” wird weiter aufgehübscht – bei Sanierungsarbeiten entsteht sogar sehenswerte Kunst wie das Monumentalgemälde “Totem” am Giebel des Elfgeschossers Landsberger Allee 228B. Mit diesen Großbildern will die städtische Wohnungsbaugesellschaft Howoge Akzente im Stadtraum schaffen – Lichtenberg Open Art ( LOA) hat das Unternehmen seine Initiative genannt.

Kultur:
Die LOA-Galerie unter freiem Himmel ist nur eines der Beispiele für aktives Kulturleben in den Bezirken. Ob im Kunsthaus HB 55 an der Herzbergstraße, in den BLO-Ateliers zwischen den Bahngleisen am S-Bahnhof Nöldnerplatz, den Kulturspektakeln  Kunstkreuz oder Kultour à la carte – längst gibt es in Lichtenberg und Marzahn-Hellersdorf anerkannte Kulturstätten Berlins. Kein Wunder, dass die Bildzeitung im Frühjahr titelte “Marzahn wird das neue Kreuzberg”, die Süddeutsche im Sommer über die “Coole Platte” schrieb und die Berliner Zeitung im Oktober befand “Lichtenberg wandelt sich zum Hipster-Bezirk”. Ein wenig euphemistisch ist das zwar schon, aber inzwischen haben sich Orte entwickelt, von denen man noch vor wenigen Jahren in beiden Bezirken kaum zu träumen wagte. Wie zum Beispiel das Orwohaus, das mehr als 700 Bands und Musikern eine Heimstatt bietet. Oder die Alte Börse Marzahn mit Künstlern und anderen Kreativen sowie einem im Frühjahr eröffneten wunderschönen Biergarten und selbstgebrautem Bier.

Neubeginn:
Der Alte ging, der Neue kam – am 1. April trat Dr. Andreas Knieriem als Chef von Zoo und Tierpark sein Amt an. Von seinem Vorgänger Dr. Bernhard Blaszkiewitz übernahm er jede Menge Probleme. Eines der schwierigsten ist die notwendige Modernisierung des Tierparks in Friedrichsfelde. Die 160 Hektar große Anlage, Europas größter Landschaftstiergarten, muss umgestaltet werden, um künftig mehr Besucher anzuziehen. Doch das Geld ist knapp. Der Hauptausschuss bewilligte zwar im Oktober eine Finanzspritze von fünf Millionen Euro. Die ist jedoch nur ein Tropfen auf den heißen Stein, auch weil Blaszkiewitz seinem Nachfolger ein vergiftetes Geschenk hinterließ: Fast 100.000 Kubikmeter kontaminierter Erdaushub lagert dort. Den zu beseitigen, würde 2,4 Millionen Euro kosten, hieß es bisher. So kam der neue Direktor auf die (noch nicht zu Ende gedachte) Idee, bisher nicht für Tiere und Besucher gebrauchtes Gelände möglicherweise für den Wohnungsbau zu verkaufen. Weil darüber hinter verschlossenen Türen verhandelt wurde, gab es im Dezember viel entrüstete Stimmen aus der Politik und vom Tierparkpublikum. Inzwischen ist Knieriem Mitglied des Fördervereins für Zoo und Tierpark geworden – mehr als nur ein Zeichen. Denn zu hoffen ist somit, dass auch seine Ideen für den Tierpark breiter in der Öffentlichkeit diskutiert werden. Und kürzlich wurde ihm auch aus dem Senat zugesichert, dass er die 2,4 Millionen Euro für die Schuttberäumung nicht zu zahlen braucht.

Wirtschaft:
Um fast 500 ist die Zahl der Lichtenberger Betriebe im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Eine der stetig expandierenden Firmen ist Aponeo, bundesweit eine der zehn größten Versandapotheken. Das digitale Gesundheitskaufhaus mit Sitz im Orco-GSG-Hof an der Plauener Straße wurde 2014 Lichtenberger Unternehmen des Jahres.
In Marzahn-Hellersdorf ist im September die Wirtschaftsförderung noch näher zu den Unternehmen gezogen: Sie hat nun im GSG-Gewerbehof an der Wolfener Straße ihren Sitz. Auch Stadtentwicklungs-und Wirtschaftsstadtrat Christian Gräff (CDU) hat dort sein Büro. Ein Stockwerk darüber gibt es seit dem 24. September mit dem Clean Tech Innovation Center eine Gründeretage, in die sich Jungunternehmer kostengünstig einmieten können – mit kurzem Draht zum Amt. Etwa 500 Meter weiter wird alles für den neuen Clean Tech Business Park hergerichtet, wo sich insbesondere produzierende Unternehmen der Umweltindustrie ansiedeln sollen. Für den 90 Hektar großen Industriepark, der 2015 fertig sein soll, ist in der ersten Septemberwoche der letzte von fünf ehemaligen Klärtürmen des früheren Klärwerks Falkenberg gefallen. Viele tausend Tonnen Schutt wurden abgeräumt.

Verlust:
Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) trat zurück und plötzlich waren neue Posten zu besetzen: Am 20. November wurde bekannt, dass Lichtenbergs Bürgermeister Andreas Geisel auf Michael Müller (beide SPD) als Stadtentwicklungssenator folgt, weil Müller den Berliner Chefposten übernimmt. Am 11. Dezember wurde das Realität. Nun braucht Lichtenberg einen neuen Bürgermeister oder eine Bürgermeisterin. Die SPD-Abgeordnete Birgit Monteiro, von ihrer Partei einstimmig nominiert, steht bereit. Ebenso Andreas Prüfer (Die Linke). Wer zum Zuge kommt, hängt wohl davon ab, ob es gelingt, zur Bürgermeisterwahl am 22. Januar 2015 die Zählgemeinschaft aus SPD, CDU und Grünen zu reaktivieren. Im Nachbarbezirk Marzahn-Hellersdorf bleibt Stefan Komoß (SPD) Bürgermeister. Auch er war im Laufe des Herbstes schon als möglicher Senator gehandelt worden, hatte doch der SPD-Kreisverband Marzahn-Hellersdorf als erster auf einen Termin zum Wowereit-Rücktritt gedrängt. Doch Komoß hatte sich, anders als Geisel, schon frühzeitig auf den unterlegenen Müller-Rivalen Jan Stöß festgelegt und ging somit bei der Neuvergabe der hohen Ämter leer aus.

Auf der Straße:
Seit der Senat am 20. Oktober bekannt gab, dass sechs neue Containerdörfer für Flüchtlinge in Berlin entstehen sollen, organisieren Rechtsextreme Proteste gegen ein geplantes Heim an der Schönagelstraße in Marzahn. Dabei gehen nicht nur Neonazis auf die Straße, sondern auch sogenannte besorgte Anwohner, von denen allerdings kaum welche aus der kleinen Eigenheimsiedlung stammen, nahe der die Einrichtung entstehen soll. Mitglieder demokratischer Parteien und verschiedener Initiativen wehren sich, zu den sogenannten Montagsdemos der Heimgegner gibt es stets Gegendemos. An diesen Tagen ist der Kreuzungsbereich Blumberger Damm/Landsberger Allee weiträumig durch die Polizei abgesperrt. Ein Solidaritäts-Weihnachtsbaum für die Flüchtlinge wurde, vermutlich durch die Heimgegner (Lieblingsslogans “Wir wollen keine Asylantenheime” und “Deutsche Presse halt die Fresse”),  zwei Mal zerstört. Ein Lichtblick: Ende Dezember gelang es den Rechtsextremen deutlich weniger Teilnehmer als zu Beginn ihrer Aufmärsche zu mobilisieren.

Polizei:
Die Polizei hat, verfolgt man ihren Ticker, in Lichtenberg und Marzahn-Hellersdorf weniger zu tun als anderswo (sieht man von den Aufmärschen der Rechten und den Gegendemos ab). Dennoch ereigneten sich im vergangenen Jahr in beiden Bezirken mehrere spektakuläre Unfälle und Straftaten. In einem Hochhaus am Amanlisweg kam es am 6. Juli zu einer Explosion und einem Brand in einer Wohnung im 13. Stock, ein 51-jähriger Mann konnte durch Feuerwehrleute nur noch tot geborgen werden. Bereits am 30. Mai hatte es einen ähnlichen Vorfall in der 8. Etage eines Zehngeschossers am Buckower Ring gegeben. Dabei wurde ein 24-Jähriger  schwer verletzt.

Ein Millionending gelang bisher unerkannt gebliebenen Räubern in der Nacht zum 9. Dezember an der Frankfurter Allee in Lichtenberg. Bei einem bewaffneten Überfall auf eine Werttransportfirma sollen sie mehr als eine Million Euro erbeutet haben. Weitaus weniger brachte am Vormittag des 14. Oktober ein Überfall auf die Sparkassenfiliale an der Seddiner Straße in Friedrichsfelde-Ost ein. Der Täter, der eine Latexmaske trug und eine Angestellte sowie Kunden mit einer Waffe bedrohte, verschwand über die Bahngleise mit einer Plastiktüte voller Münzgeld.

 

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