Genossenschaft will das Hubertusbad retten

Das verfallende Juwel

04.02.2014, Birgitt Eltzel

Seit mehr als 20 Jahren ist das Stadtbad Lichtenberg an der Hubertusstraße geschlossen. Das wegen seiner expressionistischen Architektur unter Denkmalschutz stehende Gebäude aus dem Jahr 1928 mit zwei Schwimmhallen, Wannenbadabteilung und großen Lichthöfen gilt als eines der schönsten Bäder Berlins. Doch das Hubertusbad, wie es auch genannt wird, verfällt immer mehr. Die Sanierungskosten werden auf mehr als 20 Millionen Euro geschätzt. Mehrere potenzielle Investoren kamen – und gingen. Nun gibt es erneut Hoffnung: Eine Genossenschaft will das Haus vom Liegenschaftsfonds kaufen, herrichten und mit verschiedenen Nutzern betreiben.

Standort soll aufgewertet werden
Die im November 2013 gegründete Projektgenossenschaft Stadtbad Lichtenberg will dem leerstehenden Gebäudekomplex wieder Leben einhauchen. “Vor allem die Lichtenbergerinnen und Lichtenberger, aber natürlich auch alle anderen sollen hier wieder schwimmen gehen können”, heißt es in einem Werbeblatt. Der Standort solle gemeinsam mit dem benachbarten Sana-Klinikum aufgewertet werden, zusätzliche Nutzflächen für Läden, Arztpraxen, Dienstleistungen, Wellness- und Nachbarschaftsangebote sollen geschaffen werden. Und auch neuer Wohnraum im früheren Beamtenhaus, wo es zwei Vier- und zwei Zweizimmerwohnungen gab. Das Bewirtschaftungskonzept wird nicht auf Zuwendungen der öffentlichen Hand ausgerichtet.

Konzept soll im März stehen
Die kleine Genossenschaft besteht derzeit aus zehn Mitgliedern, darunter der Chef des vor eineinhalb Jahren gegründeten Fördervereins für das Stadtbad Lichtenberg, Jürgen Hofmann. Der Mann, der gleich um die Ecke wohnt und schon als Kind in der “Hupe”, wie das Bad mit Spitznamen heißt, schwimmen ging, engagiert sich seit vielen Jahren für den Erhalt des  Stadtbades. Er ist auch Vorstandsmitglied der Projektgenossenschaft. “Unser Ziel ist es, im März ein Konzept zur künftigen Nutzung vorzustellen”, kündigte er auf einem Bürgerforum zum Sanierungsgebiet Frankfurter Allee Nord an. Auch Michael Metze, ebenfalls Vorstand der Genossenschaft, hat im Stadtbad Lichtenberg schwimmen gelernt und dort 15 Jahre trainiert. Der Bausachverständige ist ebenfalls optimistisch, dass es der Genossenschaft gemeinsam mit anderen Mitstreitern gelingen kann, das Bad doch noch zu retten: “Natürlich wird es nicht in seiner alten Form bleiben können, die Wannenbäder zum Beispiel braucht heute keiner mehr.” Dass eine Wiederbelebung an fehlenden Parkplätzen im Gebiet scheitern könne, wie oftmals behauptet, glaubt er nicht: “Mit einem hervorragenden Angebot, beispielsweise für Wellness, laufen die Leute gern auch einmal ein Stück.” Zudem sei das Stadtbad hervorragend an den öffentlichen Personennahverkehr angebunden.

Auch Politiker engagieren sich
Auch Politiker engagieren sich in der Genossenschaft – Christina Emmrich (Linke), Lichtenbergs frühere Bürgermeisterin und spätere Gesundheitsstadträtin, ist deren Bevollmächtigte, quasi Aufsichtsrätin. Ex-Umweltsenatorin Katrin Lompscher (Linke), Mitglied des Abgeordnetenhauses, ist ebenfalls dabei. “Es geht hier aber nicht um Politik, sondern um das Bad”, sagt Emmrich, die 2013 offiziell in den Ruhestand ging. Sie hoffe, dass auch die anderen Parteien noch dazukommen werden. Denn schon ab 2011 gab es eine Initiative “Licht an im Hubertusbad”, die  vor allem von der SPD unterstützt wurde. Bürgermeister Andreas Geisel (SPD) trat im Sommer 2012 bei einer Veranstaltung vor dem geschlossenen Haus sogar im historischen Badekostüm auf.

Neue Berliner Liegenschaftspolitik
Eine Chance für das Vorhaben der Genossenschaft, die jetzt weitere Mitstreiter, Sponsoren und Kooperationspartner sucht, könnte die neue Berliner Liegenschaftspolitik sein. Denn danach sollen die landeseigenen Immobilien nicht mehr an den Meistbietenden verkauft werden, sondern an denjenigen mit dem besten Nutzungs- und Finanzierungskonzept. So wird beispielsweise in Lichtenberg auch mit der alten Polizeiwache an der Rathausstraße verfahren. Irina Dähne, die Sprecherin des Liegenschaftsfonds sagt, dass das Hubertusbad voraussichtlich im Frühjahr auf den Markt kommen wird. “Vorher wird noch ein Gutachten zum Denkmalschutz erarbeitet”, sagt sie. Das werde dann die Basis für die Art der Vermarktung bieten: “Wir gehen bisher von einem Konzeptverfahren aus.” Das Stadtbad Lichtenberg sei vom Liegenschaftsfonds bereits 2013 auf der Immobilienmesse Expo Real vorgestellt worden, auch dort gab es Interessenten: “Alle können sich bewerben”, sagt Dähne.

Interesse beim Nachbarn
Im benachbarten Sana Klinikum, dem Oskar-Ziethen-Krankenhaus, das in diesem Jahr sein 100. Jubiläum feiert, ist man sehr interessiert, dass das historische Bad bald saniert wird, von wem auch immer. “Alles, was den Standort aufwertet, tut auch uns gut”, sagt Justiziar Torsten Adrian. An Investitionen werde sich das Klinikum zwar nicht beteiligen, es sei aber “offen für Kooperationen”. So habe das Krankenhaus kein Schwimmbecken für die Physiotherapie, gut vorstellbar sei deshalb die Nutzung des benachbarten Bades. Die bereits bestehenden Initiativen zur Rettung des Bades würden bereits vom Klinikum unterstützt, sagt Adrian: “Wir stellen ihnen Räume für Ihre Treffen zur Verfügung.”

Die Projektgenossenschaft Stadtbad Lichtenberg e.G. ist unter Tel. 030 54 77 82 41 oder per E-Mail info@pg-stadtbad-lichtenberg.de  zu erreichen.

Weitere Infos zum Bad:
www.juergenhofmann.de

 

 

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