Leihfahrradsystem soll auch auf Außenbezirke ausgedehnt werden

Besser radeln mit App?

21.12.2019, Linna Schererz

Fotos: Birgitt Eltzel

Marzahn-Hellersdorf/Lichtenberg. Was in der City geht, soll nun auch in den Außenbezirken möglich sein: Per App eines von verschiedenen Anbietern vorgehaltenen Leihfahrrädern mieten, in den Sattel schwingen und los. Denn der Senat wurde in den zurückliegenden Haushaltsverhandlungen innerhalb des Einzelplans 7 (Umwelt, Verkehr und Klimaschutz) vom Abgeordnetenhaus dazu verpflichtet, ein neues Leihfahrrad-System zu entwickeln, das auch die Bezirke außerhalb des S-Bahnrings einbezieht. Das teilte der in Marzahn-Hellersdorf direkt gewählte Abgeordnete Kristian Ronneburg (Linke) kürzlich mit.

Ronneburg: Linksfraktion hat sich eingesetzt

„Die Linksfraktion hat sich in den vergangenen Jahren kontinuierlich innerhalb der Koalition dafür eingesetzt, dass das vom Land Berlin geförderte Leihfahrradsystem ‚nextbike’ auf die Außenbezirke ausgedehnt wird. In den Haushaltsberatungen erklärte der Senat, dass eine Erhöhung des Mittelansatzes für die vollständige Erschließung der Außenbezirke zur Folge hätte, dass der Inhalt der vergebenen Leistung grundlegend verändert werden würde. Ein erneutes, europaweites wettbewerbliches Verfahren wäre damit erforderlich“, erklärte Ronneburg. Deshalb sei der Senat nun beauftragt worden, ein neues System zu entwickeln. „Das bisherige Modell, das v.a. auf fest installierte Stationen setzt, scheint von der Realität längst überholt“, so der Abgeordnete. Mit der Neujustierung werde eine Entscheidung korrigiert, „die der Vorgänger-Senat aus SPD und CDU seinerzeit einseitig für die Berliner Innenstadt getroffen hat, während die Außenbezirke komplett vernachlässigt wurden“.

Schon lange gibt es Kritik

Allerdings ist die Art und Weise wie das Bike-Sharing in Berlin praktiziert wird, längst auf Kritik gestoßen. Anwohner und Passanten in den City-Bezirken ärgern sich über achtlos auf öffentlichem Straßenland, auf Plätzen und Fußwegen abgestellte E-Bikes, Leihfahrräder und seit diesem Jahr auch E-Scooter. Deshalb stößt Ronneburgs Ankündigung des neuen Konzepts, das nun auch den Stadtrand mit einschließen soll, auf durchaus geteilte Meinungen. Im sozialen Netzwerk Facebook machte ein User darauf aufmerksam, dass der Bezirk von Anfang an die Abstellpositionen definieren sollte, um die Fehler der Innenstadt nicht zu wiederholen. „Über einen damit einhergehenden Ausbau von Abstellplätzen an den Verkehrsstationen des ÖPNV würden sich sicherlich auch die Nutzer von Privaträdern freuen“, schrieb er. Denn Letzteres ist eine Frage, die die Bewohner von Marzahn-Hellersdorf und auch Hohenschönhausen weitaus mehr bewegt als der Ausbau des Leihradsystems. Ein anderer meinte in einem Kommentar zu Ronneburgs Mitteilung, flächendeckend mache der Ausbau durchaus Sinn. Bike-Sharing nur auf einen Standort zu konzentrieren, sei zum Scheitern verurteilt. Im Jahr 2014 war am S- und U-Bahnhof Wuhletal ein kleiner, aber dann kaum genutzter Fahrradverleih eingerichtet worden, Lima+berichtete… Mangels Nachfrage verschwand er dann still und heimlich wieder.

Das Chaos dürfte weitergehen

Im Nachbarbezirk Lichtenberg gibt es, wie berichtet, bereits seit 2016 feste Stationen des Anbieters nextbike. Doch auch dort können Räder anderer Firmen im öffentlichen Raum abgestellt werden, was zu vielen Beschwerden führte. Die Umweltverwaltung des Senats hat auf ihrer Internetseite Fakten, Zahlen und Antworten auf Fragen zu Leihrädern in Berlin veröffentlicht. Allerdings stammen diese noch von 2018. Lichtenbergs Bürgermeister Michael Grunst (Linke) und Umweltstadtrat Wilfried Nünthel (CDU) hatten bereits vor knapp zwei Jahren eine Initiative in den Rat der Bürgermeister eingebracht, dass Anbieter von Leihrädern ohne eigenen Rückgabe-Standorte verpflichtet werden sollten, ihre Räder nur an offiziell eingerichteten Orten zurückzunehmen, LiMa+ berichtete. Bisher ist das jedoch nicht der Fall. Und liest man Ronneburgs Mitteilung genau, ist das wohl auch nicht geplant. Das Chaos könnte also weiter gehen – dann auch in den Berliner Außenbezirken. Man darf gespannt sein.

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