BVV Marzahn-Hellersdorf fordert kiezverträgliche Bebauung am Kastanienboulevard

Darf’s ein bisschen niedriger sein?

21.12.2018, Birgitt Eltzel

Fotos: Birgitt Eltzel

Hellersdorf. Der Schandfleck am zentralen Platz auf dem Boulevard Kastanienallee ist nur noch ein Haufen Schutt. Betonbrocken liegen auf großen Haufen hinter Bauzäunen. Die frühere Kaufhalle, die seit Jahren leer stand und vor sich hin rottete, ist verschwunden. Doch das, was an ihre Stelle kommen soll, ist umstritten. Ein Investor, die Haberent Baugesellschaft mbH, will am Standort ein 14-geschossiges Hochhaus und einen Siebengeschosser bauen. Der Komplex soll dann an die städtische Wohnungsbaugesellschaft Gesobau verkauft werden (wir berichteten ).

Anwohner protestierten gegen Hochhaus

Am Hochhaus scheiden sich die Geister, Anwohner protestierten gegen die vorgesehene Höhe. Mehr als 200 Unterschriften gegen den 14-Geschosser wurden bisher gesammelt. Kritisiert wird von Teilen der Anwohnerschaft ebenfalls, dass 50 Prozent der geplanten Wohnungen gefördert werden sollen. Das verschlechtere die Zusammensetzung der Mieterschaft im Quartier weiter, hieß es. Die Gegend um den Boulevard gilt als eines der Gebiete im Bezirk Marzahn-Hellersdorf.mit besonders ungünstiger Sozialstruktur. Seit 2016 gibt es dort ein Quartiersmanagement (QM).

Bezirksamt soll Bauvorhaben nochmals prüfen

Nach Willen der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) soll sich das Bezirksamt nun noch einmal mit dem Bauvorhaben beschäftigen. Das Bezirksparlament beschloss deshalb in seiner Dezember-Sitzung mehrheitlich (bei Enthaltung der SPD) einen Antrag der CDU für „eine kiezverträgliche Bebauung des ehemaligen Supermarkt-Grundstücks“. Fraktionschef Alexander J. Herrmann hatte zuvor erläutert, dass der Begriff in Berlin vielfach verwendet wird, jedoch nicht überall das Gleiche bedeute: „Man muss das immer auf den konkreten Ort herunterbrechen.“ Und wenn sich die Anwohnerschaft gegen ein 14-geschossiges Hochhaus wende, sei das Signal ernst zu nehmen. Dieses, vom Bezirksamt als Landmarke bezeichnet, würde die fünf- bis sechsgeschossigen Häuser der Umgebung deutlich überragen.
Bjoern Tielebein, Vorsitzender der Fraktion Die Linke, hatte ebenfalls für Zustimmung zum Antrag geworben und die Abstimmung seiner Fraktion freigegeben. Das heißt, es herrschte kein Fraktionszwang mehr – und der Antrag, der zuvor im Stadtentwicklungsausschuss durchgefallen war, wurde letztlich doch vom Plenum beschlossen.

Komplizierte Aufgabe für das Amt

„Das Bezirksamt hat jetzt die komplizierte Aufgabe, in sich zu gehen und das Projekt nochmals zu überdenken“, sagte Tielebein. Ob die gewünschte Reduzierung des Wohnturms dabei herauskommt, wird man sehen. Denn die Stadtplanungsbehörde hielt das Bauvorhaben ja schon vor dem BVV-Beschluss für verträglich für die Entwicklung des Gebietes. Tielebein appellierte gleichzeitig, potenziellen neuen, sozial schwächeren Bewohnern, die aus anderen Gebieten Berlins verdrängt werden, nicht zu signalisieren, dass sie im Bezirk nicht willkommen seien. Gleichzeitig betonte er aber auch, dass sozial gut durchmischte Kieze wichtig seien.

Mit diesen Themen befasste sich die BVV am 13. Dezember ebenfalls, hier nachzulesen…
Die nächste Sitzung der BVV Marzahn-Hellersdorf findet am Donnerstag, 24. Januar, im Freizeitforum, Marzahner Promenade 55, statt. Beginn ist um 17 Uhr. Die Tagung ist öffentlich, sie wird auch per Livestream übertragen.

 

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