Ingo Zimmer kümmert sich um Zeitmesser an öffentlichen Gebäuden

Damit sich die Zeiger weiter drehen

19.08.2019, Steffi Bey

Fotos: Steffi Bey. Zum Vergrößern Hauptfoto anklicken.

Marzahn. Seit fast 40 Jahren kümmert sich Uhrmachermeister Ingo Zimmer um Uhren: Zunächst reparierte er die verschiedensten Exemplare, war Werkstattmeister, hatte später ein Geschäft und gründete 1990 seine eigene Uhrenwerkstatt. Im Keller des Einfamilienhauses in Fredersdorf begann damals eine neue berufliche Etappe. „Das Tolle an meiner Arbeit ist, ich werde immer mit offenen Armen empfangen“, sagt  Ingo Zimmer und lächelt.

Eigene Chronometer-Kreationen

„Seitdem mache ich das, was ich immer wollte und was mir viel Freude bereitet“, betont der Uhrmachermeister, der heute an der Marzahner Chaussee 204 seine Werkstatt hat. Vor allem große Zeitmesser haben es dem 60-Jährigen angetan: Turm- und Rathausuhren beispielsweise, oder Chronometer, die in Schulen, Schwimmbädern und Krankenhäusern hängen sowie ganz besondere Modelle in Sportstätten. Ingo Zimmer hält sie alle am Laufen. Aber nicht nur das: Er tüftelt und experimentiert ständig, um ihre Leistungen zu optimieren und entwickelt eigene Kreationen. Inzwischen rüstete er auch etliche auf elektronische Laufwerke um.

Uhr am Lichtenberger Rathaus tickt wie Ingo Zimmer

Seine Referenz-Liste der zurückliegenden Jahrzehnte ist unheimlich lang. Deutschlandweit nahm er viele mechanische und elektronische Uhren unter seine Fittiche. Dazu gehören das Lichtenberger, das Pankower und das Charlottenburger Rathaus, ebenso Wartungsobjekte in Potsdam aber auch Anlagen in Bochumer oder Chemnitzer Einkaufszentren. Er säubert die Exemplare beispielsweise, stellt neue Ziffernblätter her, repariert Teile, tauscht sie aus oder bringt völlig neue Zeitmesser nach Kundenwünschen auf den Markt.

Zentrale Funkuhr lässt es klingeln

An einigen Brandenburger Schulen, die aus mehreren Gebäudeteilen bestehen, sorgte er für einheitliche Klingeltöne. Über eine zentrale Funkuhr funktioniert das System, bei dem die Schulklingel mit sämtlichen Uhren gekoppelt ist. Und den Zeigern des historischen Rathaus-Chronometers der Gemeinde Fredersdorf-Vogelsdorf verpasste der Meister ebenso eine neue Lackschicht und installierte eine moderne Steuerung. Um die Uhren im alten Strandbad Wannsee kümmert er sich ebenfalls.

Auch nach so vielen Berufsjahren fasziniert den Uhrmachermeister die Technik einer jeden Clock. „Jede Uhr hat zwar die gleiche Funktion, funktioniert jedoch immer anders“, sagt Ingo Zimmer. Für ihn ist das „wirklich hohe Ingenieurskunst“. In seiner Marzahner Werkstatt stehen in einer Ecke auch ein paar rund 100 Jahre alte Teile. Irgendwann mal will er diese Uhrwerke restaurieren.

Jundes produziert 3.000 Uhren jährlich

Jetzt konzentriert sich der Meister aber auf das tägliche Geschäft: Ist mit seinem Auto, auf das eine neun Meter lange Leiter passt, viel unterwegs. Und wenn er manchmal hoch oben auf einem Turm mit der Reparatur fertig ist, nimmt er sich noch ein paar Minuten Zeit und genießt den Blick auf die Umgebung.

Vor vier Jahren übernahm er die Firma Jundes aus Baden-Württemberg: Ein Unternehmen, das seit 1950 Hauptuhren herstellt sowie Laufwerke für Industrieuhren. „Zurzeit entwickeln wir ein selbst richtendes System, das sich gerade in der Testphase befindet“, erklärt Ingo Zimmer. Rund 3.000 Uhren stellt er jährlich her – für den weltweiten Export.

Spezialisiert hat sich der Meister außerdem auf die Produktionsentwicklung und Fertigung für den Bereich der Uhrensteuerung. Zu seinen besonderen Produkten gehören ebenso ballwurfsichere Exemplare für Sporthallen.

Beim Hobby von Ingo Zimmer kommt es dagegen nicht so sehr auf die Zeit, sondern vielmehr auf das richtige Taktgefühl an: Gemeinsam mit seiner Frau besucht er seit vielen Jahren Tanzkurse. Fest steht für den umtriebigen Handwerksmeister: Er will auf jeden Fall bis zu seinem 70. Lebensjahr weiterarbeiten: „Weil es mich voll und ganz ausfüllt und ich mit Herz und Seele dabei bin.“


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