Mehrzahl der Läden wird geschlossen / Supermärkte weiter auf

Gedämpfte Stimmung

18.03.2020, Birgitt Eltzel

Fotos: Birgitt Eltzel (1,8,15-21), Volkmar Eltzel (2-7,9-14). Zum Vergrößern Hauptbild anklicken.

Lichtenberg/Marzahn-Hellersdorf. Es ist ein wenig stiller als sonst. Zwischen Karlshorst, Lichtenberg, Hohenschönhausen, Marzahn, Hellersdorf und den dörflichen Ortsteilen beider Bezirke scheint am Dienstag, 17. März, das Leben gedämpft. Kitas sind geschlossen, die Schulen ebenso. Bereits seit dem Wochenende bzw. kurz davor sind Clubs, Kultur- und Sportstätten dicht – Maßnahmen, um die Ansteckungsgefahr mit dem neuartigen Coronavirus (Covid 19) zu verringern, LiMa+ berichtete.

Drastische Maßnahmen, aber noch keine Ausgangssperre

Denn die Zahl der Infizierten steigt schneller als ursprünglich gedacht. Nun gilt es, die Kurve der Infektionen abzuflachen, um das Gesundheitssystem nicht zu überlasten. Es geht vor allem darum, die Risikogruppen – Menschen ab 65 Jahren und gesundheitlich Vorbelastete wie Krebspatienten oder Lungenkranke – zu schützen. Noch hat Deutschland, anders als Italien und Frankreich, keine Ausgangssperre verhängt. Doch es wurde eine Reihe drastischer Maßnahmen beschlossen, die das gesellschaftliche Leben stark einschränken.

Spielplätze dürfen doch genutzt werden

Spielplätze dürfen nicht betreten werden, heißt es noch bis zum Dienstagmittag – eine Ansage, die am Nachmittag in der Senatspressekonferenz von Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) für die Hauptstadt widerrufen wird. An diesem Tag haben außer Supermärkten und Lebensmittelgeschäften auch noch viele andere Läden geöffnet. Das wird sich ab dem heutigen Mittwoch, 18. März, ändern. Noch aber nutzen am Dienstag etliche Kunden im Linden-Center von Hohenschönhausen, im Ring-Center an der Frankfurter Allee, im Spree-Center in Kaulsdorf-Nord die Möglichkeit, sich in Bekleidungs- und anderen Geschäften umzusehen. Doch es sind sehr viel weniger Leute als sonst. Im Kaufpark Eiche, wo man noch am Sonnabend kaum Möglichkeiten fand, sein Fahrzeug abzustellen, sind viele Parkplätze leer. Die Super- und Drogeriemärkte sind unterschiedlich gut bestückt, teilweise kommt das Personal kaum hinterher, die Regale zu füllen. Zwar hat Bundesgesundheitsministerin Julia Klöckner (CDU) am Dienstag nochmals betont, es bestünden keine Versorgungsengpässe und auch keine Notwendigkeiten für Hamsterkäufe. Dennoch gibt es beispielsweise in der Rossmann-Filial von Kaulsdorf-Nord und den beiden im Hellersdorfer Zentrum „Helle Mitte“ am Vormittag nicht ein Fitzelchen Toilettenpapier.

Viele halten Abstand, manche aber nicht

Die meisten Passanten halten Abstand zu anderen. Sie bewegen sich vorsichtiger als sonst. Im Spree-Center funktionieren die Automatiktüren nicht. Etliche nehmen statt der Hände die Füße oder die Ellenbogen, um die benachbarten Türen zu öffnen. Einigen allerdings ist die eigentlich erforderliche Distanz zu anderen schnuppe. Sie sitzen im Asia-Imbiss dicht an dicht, obwohl ein Mindestabstand von 1,50 Metern vorgeschrieben ist. Gleich nebenan, im Nagelstudio, gibt es ebenfalls Gedränge. Schutzmasken tragen dort nur die Angestellten. Kein anderes Bild im Nagelstudio im Linden-Center. Auch dort herrscht große Nachfrage. Wenn das Virus zuschlagen sollte, hat man wenigstens schicke Hände.

Familien zieht es ins Grüne

Im Volkspark Kienberg hat sich die Zahl der Spaziergänger im Vergleich zu normalen Werktagen schon am frühen Nachmittag mindestens verdreifacht. Es sind jetzt viele Familien mit kleinen Kindern da, auch mehr Jogger und Radfahrer. Das schöne Sonnenwetter lockt ins Freie. Auch andere Parks und Grünflächen wie der Lichtenberger Rathauspark oder die ausgedehnte Wartenberger und Falkenberger Feldmark ziehen Besucher an. Nicht alle bleiben, so wie es geraten wird, in kleinen Gruppen und halten Abstand zueinander. Auch auf manchen Spielplätzen sitzen die Eltern gemeinsam auf Bänken, ohne Mindestabstand. Das ist nicht nur leichtsinnig, sondern auch unsolidarisch. Schließlich können sie so mögliche Infektionen mit dem Coronavirus verbreiten. Und vielleicht auch sich selbst schädigen: Wenn nämlich auch in Berlin wie in vielen anderen Teilen der Bundesrepublik Spielplätze geschlossen werden müssten, weil einige die beschlossenen Regeln in der Pandemie nicht einhalten.

Deutschland jetzt Gebiet mit hohem Risiko

Am Dienstag hat das Robert-Koch-Institut die Einschätzung des Risikos durch das Coronavirus für Deutschland (bisher „mäßig“) auf „hoch“ verändert. Bereits am Montag hatten sich die Bundesregierung und die Länder auf gemeinsame Leitlinien zur Eindämmung verständigt . Der Berliner Senat, so Gesundheitssenatorin Kalayci und Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne), werden diese umsetzen – mit zwei Ausnahmen: die Spielplätze dürfen geöffnet bleiben, Zoo- und Tierpark auch. Allerdings hatten letztere bereits am Dienstag von sich aus angekündigt, dicht zu machen. Ob sich das noch ändert, wird man sehen.

Geschäfte für täglichen Bedarf bleiben offen

Folgende Geschäfte bleiben zur Versorgung der Bevölkerung geöffnet: Lebensmittel- und Getränkeläden, Imbisse, Wochenmärkte, Backstuben, Spätis, Abhol- und Lieferdienste, Sanitärhäuser, Optiker und Läden für Hörgeräte, Apotheken, Drogerien, Tankstellen, Banken, Sparkassen, Poststellen, Bau- und Gartenmärkte, Zeitungsverkauf, Buchhandel, Werkstätten (Kfz, Fahrräder). Des weiteren Dienstleistungen (z.B. Frisöre, Waschsalons, Reinigungen), Tierbedarf, Fahrradgeschäfte, Bestattungsunternehmen, Handwerkerbedarf, Großhandel. Diese Geschäfte dürfen auch an Sonntagen von 12 bis 18 Uhr öffnen.

Der Betrieb von Gaststätten wird auf die Zeit zwischen 6 und 18 Uhr begrenzt. Es muss ein Mindestabstand von 1,50 Meter zwischen den Tischen bestehen.

Berlin plant eigenes Corona-Krankenhaus

Zudem plant Berlin die Errichtung eines eigenen Corona-Krankenhauses  zur Vorsorge, wie Kalayci am Dienstag mitteilte. Es soll mit Hilfe der Bundeswehr auf dem Berliner Messegelände entstehen und 1.000 Patienten versorgen können.

Informationen des Landes Berlin zum Coronavirus…
Hier finden Sie weitere Informationen zum Corona-Management in Lichtenberg und Marzahn-Hellersdorf

Update 18. März, 9.30 Uhr:
In Marzahn-Hellersdorf werden auf Anordnung der für Grünflächen zuständigen Stadträtin Nadja Zivkovic (CDU) entgegen der Empfehlung des Senats ab dem heutigen Mittwoch, 18. März, doch alle öffentlichen Spielplätze geschlossen. Die Kommunalpolitikerin begründet das auf Facebook: “Solidarität heißt Abstand!” Sie rät: “Bewegung an der frischen Luft ist natürlich trotzdem wichtig für das Immunsystem, deshalb nutzt unseren grünen Bezirk und geht mit Euren Kindern spazieren, zum Schutz für alle, die Corona nicht gut verkraften.”


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