Was tun, wenn unser gesellschaftliches Leben gebremst wird?

Machen wir’s den Italienern nach!

15.03.2020, Birgitt Eltzel

Fotos: Birgitt Eltzel

Unser gesellschaftliches Leben ist weitgehend gebremst – verordneter Ruhemodus mit geschlossenen Museen, Theatern und vielen anderen Einrichtungen. Ab Montag schließen auch die Schulen in Berlin. Seniorentreffs sind längst schon zu, Jugendfreizeiteinrichtungen werden ebenfalls dicht gemacht. Grenzen zu Deutschland sind bzw. werden abgeriegelt. Direkte Kontakte zwischen Menschen sollen, soweit es möglich und ratsam ist, unterbleiben. Das Land ist, wie viele andere auf der Welt auch, mitten in der Corona-Krise. Was gegen das Virus hilft, ist noch unbekannt. Klar ist allerdings, dass alte Menschen und Leute mit Vorerkrankungen wie die chronische Lungenkrankheit COPD besonders gefährdet sind. Aus Solidarität mit ihnen muss unser gesellschaftliches Leben nun gewissermaßen auf Sparflamme verlaufen. Denn die Kurve der Ansteckung darf nicht weiter nach oben gehen, sondern soll verflacht werden. Das heißt nicht, dass sich die Menschen nicht weiterhin an Covid 19 infizieren werden. Aber das wird sich, wenn alles klappt, über einen längeren Zeitraum erstrecken. Denn nur so halten wir unser Gesundheitswesen funktionstüchtig, um die Erkrankten zu behandeln.

Warum hamstern wir Klopapier in einer Krise?

So weit die Hoffnung. Wie das funktioniert, werden wir sehen. Denn noch keiner – weder Wissenschaftler noch Politiker – hat Erfahrung mit dem neuen Virus. Jeder Tag bringt zwar neue Erkenntnisse, aber auch neue Zahlen von Menschen mit der Corona-Infektion. Das macht betroffen. Und ja, es holt auch Ängste hervor. Bis jetzt ist es gelungen, Panik zu vermeiden. Glücklicherweise. Allerdings häufen sich inzwischen Meldungen über Hamsterkäufe, werden Fotos von leeren Regalen in Supermärkten über die sogenannten sozialen Medien herumgeschickt. Dabei sind die Lager in Deutschland voll, das meiste Fehlende kann schnell nachgeordert werden. Mit Toilettenpapier müsste sich bald auch der Letzte eingedeckt haben. Warum gerade dieses Produkt so nachgefragt ist, erschließt sich dem Betrachter kaum. Und das sogar weltweit. Eine Kollegin twitterte, dass ihr eine Freundin aus Kanada schrieb: „Auch bei uns ist das Klopapier aus.“ Was die Kollegin kommentierte, sie plane jetzt eine Dissertation: „Die Bedeutung von Toilettenpapier für die menschliche Psyche im Kontext einer gesamtgesellschaftlichen Krise“. Ein Kommunalpolitiker schrieb, dass die meisten Menschen wohl weniger Angst vor dem Virus selbst haben, sondern davor, was die Menschen daraus machen. Über Letzteres sollte durchaus einmal nachgedacht werden!

Singen gegen Angst und Einsamkeit

Hoffnung geben kann, wie viele Italiener mit der Krise umgehen. Dieses Land ist bekanntlich in Europa aktuell am schlimmsten betroffen, es herrscht quasi Ausgangssperre. Familien, aber auch Alleinstehende müssen in ihren Wohnungen bleiben, um die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen. Und was machen sie: Sie singen. Im Netz verbreiten sich viele Videos wie die Leute auf Balkonen, an Fenstern stehen und gemeinsam Lieder anstimmen – von Ohrwürmern wie Adriano Celentanos „Azzurro“ bis hin zur Nationalhymne. Unter dem Hashtag #tuttoandrabene (alles wird gut bzw. alles wird gut gehen) oder #balcone kann man das bei Twitter verfolgen – es ist unglaublich anrührend. Die Leute in verschiedenen Städten rufen zu Flashmobs auf, bei denen sie singen und tanzen. Jeder auf seinem Balkon, an seinem Fenster. Man ist zwar nicht zusammen, aber auch nicht allein. Das macht Mut! Und sie dankten mit ihren Flashmobs, so am Sonnabendabend, auch dem medizinischen Personal, das bis zum Umfallen arbeitet.

Lassen Sie uns kreativ werden, aber keine Fake News verbreiten!

Lassen Sie uns auch ähnlich kreativ werden! Denken Sie  darüber nach, anderen zu helfen, wenn diese Hilfe benötigen. In Ihrer Nachbarschaft, im Freundes- und Bekanntenkreis. Und vor allem: Helfen Sie mit, Panik zu vermeiden. Teilen Sie nicht auf Facebook, Instagram, Twitter und anderen Netzwerken Beiträge aus unbekannten und unseriösen Quellen! So kursieren zum Beispiel aktuell Falschmeldungen, dass nach Forschungsergebnissen der Uni Wien angeblich zwischen der Einnahme von Ibuprofen und Covid 19 ein Zusammenhang bestehe – die Universität hat das längst dementiert. Fake News (#fakenews) sind auch Behauptungen, dass das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) bald massive Einschränkungen des öffentlichen Lebens ankündigen werde. Das Ministerium hat das zurückgewiesen. Empfehlenswerte Quellen zur Information sind das Robert-Koch-Institut, das BMG und der Twitter-Account des Virologen Christian Drosten.

Die Stimmung aufhellen

In diesem Sinne: Passen Sie auf sich und uns alle auf! Und genießen Sie die beginnenden Frühlingstage. Wenngleich wir jetzt alle mit unseren sozialen Kontakten etwas kürzer treten werden – der Kontakt zur Natur und der frischen Luft kann die Stimmung aufhellen. Und vielleicht mag ja manch einer dabei auch singen, wie die Italiener.

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