Eine Chronik über 40 Jahre Marzahn-Hellersdorf

Daten und Fakten auf 256 Seiten

22.06.2019, Birgitt Eltzel

Fotos: Birgitt Eltzel (1,5-7), Klaus Tessmann (2-4)

Marzahn-Hellersdorf. 1983 gab es  eine Bummi-Straßenbahn in Marzahn, die zwischen der Henneckestraße (heute Wuhletalstraße) und den Betrieben im Lichtenberger Industriegebiet an der Herzbergstraße verkehrte.  Ab dem 5. Januar 1987 fuhren dann Bummi-Busse auf drei Linien in Hellersdorf. Diese beförderten Passagiere zum S-Bahnhof Kaulsdorf. Nicht jeder durfte diese Verkehrsmittel, die nach dem in der DDR beliebten Bären und einer gleichnamigen Kinderzeitschrift genannt wurden, nutzen. Eigentlich nur Leute mit Kinderwagen. Denn in den seit Ende der 1970- Jahre in kurzer Zeit entstandenen Großsiedlungen lebten viele junge Familien mit Kindern. In herkömmliche Busse und Bahnen passten jedoch nur wenige Kinderwagen auf einmal. So machten die Berliner Verkehrsbetrieb ( BVB) aus der Not eine Tugend und bauten aus Straßenbahnen und Autobussen kurzerhand die Sitze aus – Platz war damit für mehr als zehn Babykutschen auf einmal. Solche und viele andere interessante Daten und Fakten finden sich in der Chronik, die der Heimatverein zum 40. Gründungsjubiläum von Marzahn-Hellersdorf vorgelegt hat.

15. Band in Regionalgeschichte-Reihe

Unzählige Stunden haben die drei Autoren – Dr. Christa Hübner, Dr. Renate Schilling und Dr. Manfred Teresiak – in Archiven gestöbert, Dokumente und Zeitungen ausgewertet. Als „Chefredakteur“ fungierte der Vereinsvorsitzende Wolfgang Brauer. Der die einzelnen Punkte nicht selten streng kürzte, immerhin sollte die Chronik auch einen für die Leser zuträglichen Umfang erhalten. Herausgekommen ist ein 256 Seiten starker Band, der als 15. die Reihe „Beiträge zur Regionalgeschichte“ komplettiert.

Viel mehr als nur Baugeschehen

Natürlich widmet sich ein Großteil der Chronik dem Baugeschehen vor und nach 1990. Aber auch Kultur und Sport, die Kommunalpolitik und das Leben der Vereine bleiben nicht außen vor. Aus den drei „Dörfern“ – Mahlsdorf, Kaulsdorf und Biesdorf –  gibt es ebenfalls Wissenswertes. Menschen, die schon lange im Bezirk wohnen, kommen bei der Lektüre ebenso auf ihre Kosten wie erst kürzlich Hinzugezogene. Vieles wird wieder in Erinnerung gerufen – von der Gummistiefelzeit der Anfangsjahre (als es noch wenig feste Fußwege gab) über den Plattenabriss im Rahmen des Stadtumbau Ost bis hin zum plötzlich notwendigen, sofortigem Umzug der Kaulsdorfer Achard-Grundschule im Jahr 2015 und dem Abriss der ältesten noch erhaltenen Biesdorfer Gaststätte „Paule“ im selben Jahr.

Erinnerung an längst vergessene Tage

Beim Blättern kommt die Erinnerung an längst vergangene Ereignisse, jedoch nicht nur an die großen: Am 21. April 1980 wurde am Helene-Weigel-Platz die erste Apotheke des Neubaugebiets Marzahn eröffnet. Das erste Brautpaar wurde am 14. Januar 1982 im neuen Marzahner Standesamt am Murtzaner Ring 41 getraut. Die erste Kaufhalle in Kaulsdorf-Nord öffnete  am 31. August 1982. Der Filmclub „Steinstatt“ in Hellersdorf führte am 8. Februar 1988 seinen ersten Klubabend durch. Am 18. Dezember 1990 wurde der gleichnamige Verein, der in der Heidenauer Straße 10 das Kino „Kiste“ betreibt, in das Vereinsregister eingetragen. Und, und, und…

Welche Geschichten stecken hinter den Fakten?

Eigentlich möchte man viele Geschichten kennenlernen, die hinter den Daten und Fakten  stehen. Wie ist es dem ersten in Marzahn getrauten Paar ergangen? Hat es Kinder, Enkel? Sind die damaligen Brautleute überhaupt noch zusammen? Und leben sie noch immer in Marzahn oder war der Bezirk für sie nur eine Durchgangsstation? Immerhin hat sich mit den Jahren 1989/90 auch das Leben der Marzahn-Hellersdorfer grundlegend verändert. Biografien brachen. Menschen zogen weg, der Arbeit nach. Manche fanden keine mehr. Wohnhäuser, die erst wenige Jahre zuvor gebaut wurden, wurden abgerissen, Schulen und Kitas ebenfalls. Andere wurden saniert. Und nun wird wieder neu gebaut, längst nicht schnell genug. „Die Chronik ist ein Baustein zu einer umfassenden Bezirksgeschichte“, sagt Wolfgang Brauer. Wer diese einmal schreibe, sei noch offen. „Wir haben erst einmal einen kurzen Abriss mit allen Höhen und Tiefen vorgelegt.“

Bald als Langfassung im Internet

Erstmals war die Broschüre zum Geburtstagsfest zu haben, das am vergangenen Sonnabend, 15. Juni, in den „Gärten der Welt“ gefeiert wurde. Angeboten für eine Schutzgebühr von 4 Euro wird sie weiterhin über den Heimatverein und im Bezirksmuseum (Haus 1: Alt-Marzahn 55, Haus 2: Alt-Marzahn 51).  In nächster Zeit will der Verein die Chronik, die in der gedruckten Ausgabe aus Platzgründen gekürzt werden musste, in einer langen Fassung ins Internet stellen, sagt Vereinschef Brauer.

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