Was kommt nach dem einstigen Freibad an die Siegfriedstraße?

BVG-Bad wird abgerissen

02.06.2018, Volkmar Eltzel

Fotos: Volkmar Eltzel (1-3), Emmanuele Contini (4-7). Zum Vergrößern Hauptbild anklicken.

Lichtenberg. Noch ein paar Tage, dann ist das Ende der 1980er Jahre geschlossene, im Volksmund BVG-Bad genannte Freibad an der Siegfriedstraße nicht nur Geschichte, sondern weg. Die Abrissbagger haben die Verwaltungsgebäude schon “angeknabbert” und der Boden des vorher gefliesten 50-Meter-Beckens ist auch entfernt. Seit fast 30 Jahren gammelte das mehr und mehr marode Freibad, das schon immer dem Bezirk gehörte, vor sich hin. Zwischenzeitlich schien es gänzlich in Vergessenheit geraten. Bei alteingesessenen Lichtenbergern war es einst beliebt, denn: Hier konnte man von einem Turm ins Wasser springen. Der Sprungturm hat – funktionslos wie das Becken – die Jahre überdauert, doch auch er wird wohl bald verschwunden sein.

Linke: „Fläche würde für neues Bad reichen“

Die Fraktionsvorsitzenden der Linken in der Lichtenberger Bezirksverordnetenversammlung, Kerstin Zimmer und Norman Wolf, erklärten, sie seien entsetzt. Erst am Sonnabend, 26. Mai, gab es eine Besichtigung des Geländes. Initiiert von Norman Wolf, nahmen daran Mitglieder der Partei Die Linke aus Marzahn-Hellersdorf und Lichtenberg teil, außerdem die Berliner Abgeordneten Philipp Bertram, Sebastian Schlüsselburg sowie Kristian Ronneburg (alle Linke). Bei dem Vorort-Termin war auch Annette Siering, Vorstand der Berliner Bäder-Betriebe, anwesend. Es sei festgestellt worden, dass „die Fläche durchaus auch größenmäßig als Standort für ein neues Bad für die Region Lichtenberg und Marzahn- Hellersdorf in Betracht kommt.“ Nun würden jedoch historische Elemente wie der Sprungturm und ein Fassadenbild mit Olympischer Fahne, die Teil des neuen Bades hätten werden können, zerstört.

Bäder-Chefin will Studie erstellen lassen

Zimmer und Wolf fordern das Bezirksamt auf, „den Turm vor dem Abriss zu bewahren und das Bild nach Möglichkeit zu sichern.“ Es sollen solange keine konkreten Planungen für die Nachnutzung angestellt werden, bis die Ergebnisse einer Machbarkeitsstudie für einen Standort als Bad vorliegen. Die weitere Vorgehensweise solle transparent gemacht – und die BVV sowie die Lichtenberger in die Planungen einbezogen werden. Auf Nachfrage von LiMa+ sagte Norman Wolf, die Bäder-Chefin wolle bis zum Ende dieses Jahres die Studie mit Hilfe eines Hochschulprojekts erstellen lassen. Im bezirklichen Investitionsplan gebe es bis Ende 2018 für das 10.000 Quadratmeter große Gelände, auf dem sich das ehemalige Bad bisher befand, eine Sperrklausel bezüglich neuer Investitionen. „Wir bleiben an dem Standort dran. Es gibt keinen Beschluss der BVV, dass dort ein Kunstrasenfeld entstehen soll“, so der Bezirksverordnete.

Bezirk sucht Standort für Kombibad

Fabian Peter, Referent beim Sportstadtrat Wilfried Nünthel (CDU), versteht die Aufregung nicht. „Es ist schon lange bekannt, auch in den BVV-Ausschüssen, dass in diesem Jahr der Rückbau des einstigen Bades erfolgt.“ Weder die Gebäude noch das Schwimmbecken und der Turm seien denkmalgeschützt, dafür aber ruinös. Eine Reaktivierung sei nicht möglich gewesen und auch das Wandbild wäre durch Vandalismus stark beschädigt. Das Amt selbst habe vor einigen Wochen mit einem Vertreter der Bäderbetriebe das Grundstück in Augenschein genommen und festgestellt, dass dort eigentlich kein neues Bad hinpasse. „Wilfried Nünthel hat vor einigen Wochen eine Standortsuche veranlasst, mit der in den nächsten drei bis fünf Monaten herausgefunden werden soll, wo in Lichtenberg ein Kombibad (umfunktionierbares Hallen- und Freibad – die Redaktion) realisiert werden kann“, sagte Fabian Peter. Die Bäderbetriebe würden keine reinen Freibäder mehr bauen.

Wasserbetriebe haben Ambitionen

„Die Ergebnisse der Untersuchung haben dann Hand und Fuß. Vielleicht ist der Standort an der Siegfriedstraße mit dabei, vielleicht ein anderer“, so der Referent des Stadtrats. Er bestätigte, dass die Berliner Wasserbetriebe Interesse an dem Areal zur Errichtung einer „Betriebssportanlage“ gezeigt hätten und möglicherweise auch bereit seien, sich dafür finanziell zu engagieren. „Ja es wird erwogen, ein solches Angebot anzunehmen, aber vor dem Abschluss der Untersuchung wird gar nichts geplant“, so Fabian Peter. Eine mögliche Sportstätte dort bleibe selbstverständlich öffentlich, auch dann, wenn die Wasserbetriebe im Falle einer Investition ein vorrangiges Nutzungsrecht hätten.

Im benachbarten BVB-Stadion war zu erfahren, dass man sich statt des einstigen Bades auch die Erweiterung der BVB-Sportstätte durch einen Tennisplatz vorstellen kann. Jedenfalls sei es nicht schlecht, dass der „jahrelange Schandfleck“ endlich weg komme.

LiMa+ berichtete schon mehrfach über das ehemalige BVG-Bad:
zum Beispiel hier >> und hier >>

 

 

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