Erinnerung an den Sturm auf die Stasi-Zentrale vor 25 Jahren

Bürgertag in „Mielkes Revier“

15.01.2015, Andrea Scheuring

Fotos: Andrea Scheuring. Zum Vergrößern auf das Hauptbild klicken.

Lichtenberg. Ob am späten Nachmittag des 15. Januar 1990 die Mitarbeiter der Staatssicherheit nur dem Druck der Masse nachgaben, die Tore der MfS-Zentrale an der Ruschestraße, zu öffnen, oder den Sturm tausender entrüsteter Bürger selber lenkten, ist bis heute nicht ganz klar. Gegen 17 Uhr ging an jenem denkwürdigen Montag das Haupttor zu Mielkes Geheimdienst-Festung auf. Mit der Besetzung der Schaltzentrale des MfS durch das Bürgerkomitee vor nunmehr 25 Jahren konnten viele Dokumente der Geheimpolizei vor der Vernichtung gerettet und für die spätere Öffnung und Aufarbeitung sichergestellt werden. Sukzessive begann damals auch die Auflösung des MfS.

Neue Dauerausstellung „Staatssicherheit in der SED-Diktatur“

Anlässlich des 25. Jahrestages der Erstürmung der ehemaligen Stasi-Zentrale lädt Roland Jahn, der Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen (BStU), alle Interessierten am Sonnabend, 17. Januar, zum Bürgertag auf das Areal an der Frankfurter Allee/ Ruschestraße 103, 10365 Berlin, ein. Um 11 Uhr wird im ansässigen Stasi-Museum die neue Dauerausstellung „Staatssicherheit in der SED-Diktatur“ eröffnet. Die beiden Kuratoren Jörg Drieselmann (ASTAK e.V.) und Dr. Gabriele Camphausen (BStU) informieren über Exponate, Fälle und Themenaspekte der neuen Exposition, die in Haus 1, dem ehemaligen Dienstsitz Erich Mielkes, gezeigt wird. Zwischen 11 und 19 Uhr gibt ein vielfältiges Programm. mit Führungen (u.a. auch eine Geländeführung speziell für Jugendliche „Mielkes Revier“), Filmen, Fachvorträgen und Hörstationen. Die Besucher können zudem an einer Bürgerberatung und Antragstellung auf persönliche Akteneinsicht, Diskussionen und Rundgängen im Stasi-Archiv (Haus 7) teilnehmen und dabei detaillierte Einblicke in die Geschichte, Funktion und Arbeitsweise der DDR-Geheimpolizei erhalten.

Diskussion über einen „Campus der Demokratie“

Herausgehoben werden soll die Podiumsdiskussion „Von der ´Stasi-Stadt´ zum ´Campus der Demokratie?´ Zukunftsvisionen für die ehemalige Stasi-Zentrale“, die um 14.30 Uhr im einstigen Offizierskasino (Haus 22) stattfindet. Roland Jahn will dort mit Constanze Cremer (Stattbau), Prof. Dr. Sybille Frank (TU Berlin), Tom Sello (Robert-Havemann-Gesellschaft) und Dr. Anna Kaminsky (Bundesstiftung Aufarbeitung) darüber diskutieren, ob bzw. wie „aus der einstigen Schaltzentrale der Repression in der SED-Diktatur ein Ort der Aufklärung über Diktatur und Widerstand werden“ kann. Der Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen trägt sich schon seit geraumer Zeit mit Ideen für die künftige Gestaltung des unwirtlichen Ortes. LiMa+ berichtete. Als „Campus der Demokratie“ wäre die ehemalige Stasi-Zentrale in Lichtenberg der geeignete, weil authentische Ort, „an dem die nächsten Generationen erfahren können, was eine Diktatur ist, wie sie funktionierte und wie sie überwunden werden konnte“, so Jahn.

„Stasi-Schnipsel-Projekt“ geht weiter

Zudem wird am Bürgertag über die manuelle und virtuelle Rekonstruktion vernichteter Stasi-Unterlagen informiert werden. In Zusammenarbeit mit der BStU entwickelt das Fraunhofer Institut (IPK) seit 2007 ein automatisiertes virtuelles Rekonstruktionsverfahren für zerrissene Stasi-Akten, das als „Stasi-Schnipsel-Projekt“ oder „Stasi-ePuzzler“ bekannt geworden ist. Im Pilotprojekt sollten 400 von etwa 16.000 Säcken mit von Hand zerrissenen Stasi-Dokumenten – insgesamt 600 Millionen Papierschnipsel – digitalisiert und verarbeitet werden. Der Bundestag hatte dafür acht Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Allerdings gab es Verzögerungen im Projekt. Ein hochleistungsfähiger Scanner fehlt bislang. Der Bund bewilligte deshalb im November 2014 weitere zwei Millionen Euro, um die Akten-Rekonstruktion fortführen zu können.
Das ausführliche Programm des Bürgertags hier im Überblick. Der Eintritt ist frei.

 

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