Sie gehen erst nach Hause, wenn das Ergebnis perfekt ist

BosePark neben der Parkaue

11.07.2019, Angelika Giorgis

Fotos: BosePark Productions GmbH. Zum Vergrößern Hauptbild anklicken.

Lichtenberg. Die Bosepark Productions GmbH in der Möllendorffstraße überspringt Grenzen zwischen Internet und TV, Werbung und Netzclip, Handycam und Special Effects. “We make your film  – Berlin | Hong Kong”, steht auf ihrer Webseite. Su Holder, Sebastian Simmert und Chris Guse stammen eigentlich vom RBB, vom Radio und Fernsehen. Guse arbeitet immer noch die Hälfte des Monats als Moderator bei Radio Fritz. Dort lernten sie sich kennen und machten später zusammen auch youtube-Videos. Schließlich wurden sie gefragt, ob sie so etwas nicht auch fürs Fernsehen produzieren könnten. Sie sagten zu. Anfangs arbeiteten sie mit einer Produktionsfirma zusammen. Aber bald wollten sie alles selbst organisieren. Nach ersten Fernsehproduktionen starteten sie eine Pilotsendung mit Christian Ulmen. Es war eine Comedy für RTL 2. Nach dieser Erfahrung gründeten sie ihre eigene Firma.

Gute Kontakte sind wichtig

„Jeder von uns ist als Einzelperson in diesem Geschäft etabliert und hat gute Kontakte“, erklärt Sebastian Simmert den Erfolg. Sie hatten vier, fünf Jahre Zeit, langsam mit ihrer Firma zu wachsen. Für den Anfang reichte ein kleiner Kredit bei Simmerts Eltern, den Sohn Sebastian schnell zurückzahlte. Zu den drei Gründern gesellten sich dann drei Festangestellte und viele Freie. Es gibt immer einen festen Stamm von Mitarbeitern, mit dem sie arbeiten können.

360-Grad-Videos

In der ersten Zeit wurde viel fürs Fernsehen produziert. Doch sie interessierten sich immer mehr für neue Technik und bauten ein eigenes Kamerasystem, mit dem man 360-Grad-Videos produzieren kann. Damit waren sie in der virtuellen Realität angekommen. Das erste Video dieser Art wurde 2014 mit der Rock-/Punk-Band Beatsteaks bei deren Show auf der Kindl-Bühne in der Wuhlheide gedreht. Es folgten viele 360-Grad-Videos, auch aus Honkongs Diskotheken.

Talk-O-Mat bei Spotify

2015 gründete BosePark dort schließlich einen Geschäftszweig, um Anfragen zu solchen Videos im asiatischen Raum zu bedienen. Parallel dazu wurden Image-Filme und Podcasts produziert. 2017 starteten sie bei Spotify mit dem Podscast Konzept Talk-O-Mat, eine Promi-Talkshow mit Blind-Date-Charakter. In jeder Folge treffen sich zwei Prominente zum „Blind Date“, so beispielsweise Jürgen von der Lippe auf Casper oder Max Rabe auf die Moderatorin, Schauspielerin und Rapperin Visa Vie. „Das ist eines unserer Herzensprojekte“, ist sich Simmert sicher.

Gerade arbeiten sie an einem Reisepod­cast und begleiten eine Familie mit dem Campingwagen nach Cornwall. Für Amazon werden auch Podcasts produziert, zudem Hörspiele in Podcast-Form und Hörbücher. „Wir stellen jetzt etwa zu 50 Prozent Videos und zu 50 Prozent Audios her “, erzählt Simmert.

Alles selbst produziert

Jeder der Drei hat seine Stärken: Su Holder pflegt den Kundenkontakt und sprüht regelrecht vor Ideen. Guse verkörpert eher den logischen Part. Er hat ein Faible für Buchhaltung, ist „super geordnet“ und passt auf, dass alles seine Struktur hat. Und Simmert sieht sich zwischen den Beiden. Er kümmert sich um die Umsetzung der Projekte.

Wichtig ist ihnen, dass sie alles selbst produzieren können, vom Skript bis zum fertigen Film. Ein tolles Projekt war beispielsweise die Red-Bull-Music-Academy 2018. 60 Teilnehmer aus der ganzen Welt fanden sich im Funkhaus an der Nalepastraße zusammen, um vier Wochen lang Ideen auszutauschen und ihre Visionen zu verwirklichen. Das Team vom BosePark war mit 16 Leuten dabei und produzierte einen Video-Stream.

Qualität spricht sich herum

„Wir werden nicht übers Internet gefunden“, ist sich Simmert sicher. Unsere Kunden kommen von selbst. Beispielsweise regelmäßig der Suhrkamp-Verlag, der für die Buchmesse Buchtrailer herstellen lässt. Er ist von der Qualität überzeugt. Das Qualitätsmanagement machen die jungen Leute selbst. Eine gute Organisation zahlt sich halt aus. Sie mussten noch keine Kunden wegschicken und regelmäßiger Urlaub ist auch möglich. Jeder hat ja auch Familie und Freunde.

Warum nennen sie sich BosePark, wo ihr Unternehmen doch gleich neben der Lichtenberger Parkaue seinen Firmensitz hat? „Am Bosepark in Tempelhof wohnte Su, als wir unsere Firma gründeten“, erzählt Simmert. „Ich wohne seit langem hinter der Parkaue und hatte mich damals um den späteren Standort gekümmert. Das Preis-Leistungsverhältnis stimmt hier und Lichtenberg ist toll. Nicht alles Schickimicki. Wir fühlen uns wohl.“


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