Deutsche Wohnen: Keine Vertragsverlängerung für Flüchtlings-Projekt

Bleibt es beim Aus für das LaLoKa?

19.01.2019, Birgitt Eltzel

Fotos: Birgitt Eltzel

Hellersdorf. Das Schild LaLoKa ist entfernt, die Fensterscheiben sind schmucklos. Nur leere Räume befinden sich dahinter. Das LaLoKa am Boulevard Kastanienallee existiert nicht mehr. Die Einrichtung, eröffnet im August 2014 als Treffpunkt für geflüchtete Menschen und Anwohner, musste im Dezember 2018 schließen. Denn der Vermieter Deutsche Wohnen hatte den Vertrag für die Einrichtung nicht weiter verlängert. Der Treffpunkt war vom Verein Hellersdorf hilft in Partnerschaft mit Kudepo e.V.gegründet worden und wurde dann von Refugees Emancipation e.V., einer selbstorganisierten Flüchtlingsgruppe, weiterbetrieben. Nur wenige hundert Meter entfernt befindet sich seit 2013 eine große Gemeinschaftsunterkunft für Geflüchtete.

Bürgermeisterin appellierte an Vermieter

Bezirksbürgermeisterin Dagmar Pohle (Die Linke) hatte sich daraufhin mit einem dringenden Appell, eine einvernehmliche Lösung für das LaLoKa zu finden, an die Deutsche Wohnen (DW)  gewandt. Dieser blieb bisher allerdings erfolglos. Deutsche-Wohnen-Sprecher Marko Rosteck erklärte gegenüber LiMa+, dass es noch im Januar Gespräche mit dem Bezirk zu alternativen Möglichkeiten für die Einrichtung geben soll. “Wir halten diese für wichtig im Gebiet, wollen die bisher von ihr genutzten Räume jedoch anders verwenden”, sagt er. Für das frühere Ladenlokal wolle sich das Unternehmen um einen Nahversorger kümmern. “Das kann eine Drogerie sein oder ein Händler beziehungsweise Dienstleister”, sagt Rosteck. Bei Gesprächen mit Anwohnern sei von diesen immer wieder der Wunsch nach mehr Einzelhandel auf dem Boulevard signalisiert worden.

Alternative Adorfer Straße nicht geeignet?

Auch Siegfried Nord, einer der beiden Sprecher des Quartiersrates, sieht weiterhin Möglichkeiten für die Arbeit des LaLoKa im Quartier. Bereits Ende vergangenen Jahres sei Refugees Emancipacion der Vorschlag unterbreitet worden, Räume in der nahegelegenen Jugendeinrichtung Kraftwerk der Evangelischen Kirche zu nutzen. Diese befindet sich in der Adorfer Straße, also ebenfalls im Viertel, aber nicht so prominent gelegen wie das frühere LaLoKa. Eben Chu, der Koordinator von Refugees Emancipation, bedauert: Der Raum in der Adorfer Straße 6 sei nicht geeignet für ein selbstverwaltetes Projekt. Denn dort könnten die Geflüchteten nur temporäre Gäste sein. Einmal in der Woche werde der Raum von der Tafel genutzt: „Unsere Computer müssten dann immer ab- und wieder angebaut werden.“ Deshalb habe Refugees Emancipation eine Petition an die Deutsche Wohnen mit der Bitte um Gespräche für eine Alternative am Boulevard geschickt. Marko Rosteck verweist auf die geplanten Gespräche mit dem Bezirk. Er erklärt auch, dass der Inhaber des Mietvertrages der Kupedo e.V. gewesen sei. Dieser habe den Mietvertrag nicht verlängern wollen. Refugees Emancipation wollte dann als neuer Vertragspartner in den Räumen an der Schneeberger Straße bleiben. Darauf sei man nicht eingegangen wegen der Planungen zum Einzelhandel. “Aber wir wollen dennoch mithelfen, eine Alternative im Quartier zu finden”, versichert Marko Rosteck.

Mehr Geschäfte wären zu begrüßen

Siegfried Nord, der selbst seit Ende der 1980er-Jahre im Viertel wohnt, würde es durchaus begrüßen, wenn wieder mehr Nahversorgung an den Boulevard Kastanienallee zieht. Richtig glauben kann er daran aber nicht. Einstmals war die Fußgängerzone eine kleine, florierende Geschäftsstraße mit Bäcker, Fleischer, Buchhandlung und Sportgeschäft. Es gab nette Restaurants und Cafés sowie verschiedene Dienstleistungseinrichtungen. Mit der Eröffnung des Zentrums Helle Mitte verabschiedeten sich die kleinen Geschäfte nach und nach vom Boulevard, Billiganbieter zogen nach. Und weil es viel Leerstand in den Ladenlokalen gab, wurden auch zunehmend soziale und Gesundheitseinrichtungen sowie Firmen aus dem Dienstleistungsbereich dort angesiedelt, die eigentlich die vorhandenen großen Schaufenster gar nicht brauchen. Jahrelang verschandelte zudem die Ruine einer früheren Kaufhalle den zentralen Platz im Quartier. Diese wird seit Herbst 2018 abgerissen, inzwischen sind nur noch einige Trümmer zu sehen. An dieser Stelle soll Wohnungsneubau realisiert werden, ein Investor will dort ein 14-geschossiges Hochhaus und einen Siebengeschosser bauen. Der Komplex soll dann an die städtische Gesobau verkauft werden. Die Höhe der Gebäude ist bei vielen Anwohnern umstritten, nach Willen der BVV soll sich das Bezirksamt deshalb noch einmal mit dem Projekt im Sinne einer „kiezverträglichen Bebauung“ auseinandersetzen, wir berichteten.

Soziales und kulturelles Zentrum wird gebraucht

Der Quartiersrats-Sprecher sieht allerdings nicht nur das als erforderlich an. „Wir brauchen ein soziales und kulturelles Zentrum für das Wohngebiet“, sagt er. Dieses könnte in das Erdgeschoss des neuen Komplexes einziehen. Bisher haben die Architekten eine Einrichtung dort als „Cafe“ bezeichnet. Zwei untereinander verbundene Wohnungen sollen der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen. Das reiche bei weitem nicht aus, kritisiert Nord. „Man muss dafür sorgen, dass auch Gemeinschaftseinrichtungen repräsentativ gestaltet werden.“ Entsprechende Klarheit erhofft er sich, wenn die Bürgerbeteiligung zu dem Bauvorhaben im Frühjahr startet.

In den Gemeinschaftsräumen könnten dann auch Einrichtungen wie die station urbaner kulturen der neuen gesellschaft für bildende kunst (ngbk) ihren Platz finden. Diese hat ebenfalls in einem früheren Ladenlokal am Boulevard (Auerbacher Ring 41) ihr Domizil, der Mietvertrag läuft Ende dieses Jahres aus. Projekte wie das LaLoKa und andere könnten ebenfalls in einem solchen Wohngebietszentrum untergebracht werden. „Das wäre insgesamt ein Gewinn für das Quartier “, so Nord. Bis der neue Häuserkomplex fertig ist, sollte es für Projekte, die aus ehemaligen Handelseinrichtungen ausziehen müssen, Zwischenlösungen geben. Die station urbaner kulturen scheint diesbezüglich laut DW-Sprecher Rosteck schon in einer komfortablen Lage: “Wir werden den Mietvertrag dort so lange verlängern, wie die ngbk dies wünscht”, sagt er.

 

 

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