Studenten der renommierten Ostkreuzschule porträtieren den Bezirk

„Bitte recht freundlich“

23.05.2018, Birgitt Eltzel

Fotos: Birgitt Eltzel

Marzahn-Hellersdorf. Es könnte sein, dass Ihnen heute, am Wochenende oder auch erst im Sommer junge Leute mit dem Fotoapparat über den Weg laufen und ein Bild von Ihnen machen wollen. Das hat seine Richtigkeit. Denn zum 40. Jubiläum der Gründung des Bezirks Marzahn, von dem 1986 Hellersdorf abgetrennt wurde (2001 wurde aus beiden Bezirken der Großbezirk Marzahn-Hellersdorf) gestaltet die renommierte Ostkreuzschule für Fotografie eine Ausstellung im Schloss Biesdorf. 23 Studentinnen und Studenten sind bereits seit März in Marzahn-Hellersdorf unterwegs. Zwischen der Bildungsstätte aus Berlin-Weißensee und dem Bezirk wurde ein entsprechender Kooperationsvertrag geschlossen. Ab Januar 2019 sollen die Fotos der Studenten, die das echte Leben in Marzahn-Hellersdorf zeigen sollen, zu sehen sein. Parallel zur Ausstellung wird es auch einen Katalog geben. Der Bezirk Marzahn wurde am 5. Januar 1979 gegründet.

„Entscheidend ist der künstlerische Wert“

Werner Mahler, Gründer, Schulleiter und Dozent der Ostkreuzschule: „Für die Studenten ist das eine ganz spannende, aber auch keine leichte Aufgabe.“ Die Studierenden der Fachklassen absolvierten ihre reguläre Ausbildung, beispielweise zu den Themen Architektur und Porträt – aber alles in Marzahn-Hellersdorf. Jeder habe ein eigenes Thema, das er selbstständige bearbeite, beispielsweise Spätaussiedler oder junge Mütter. Im Herbst werde dann gemeinsam mit Karin Scheel, der Leiterin der kommunalen Galerie Schloss Biesdorf, eine Auswahl der Fotos getroffen, die innerhalb der Jubiläums-Ausstellung gezeigt werden sollen, sagt Ludwig Rauch, Dozent an der Ostkreuzschule. „Entscheidend ist der künstlerische Wert.“

Keine Klischees und Stereotypen

Bei einem Pressegespräch im Dienstag, 22. Mai, an dem neben Mahler und Rauch Bezirksbürgermeisterin Dagmar Pohle (Linke), Wirtschaftsstadtrat Johannes Martin (CDU) und der Leiter des bezirklichen Standortmarketings, Dr. Oleg Peters, teilnahmen, wurden schon mal einige der allerersten Arbeiten vorgestellt – Porträts, Aufnahmen von Grünzügen und Straßen, aber auch einige Ecken, wo sich der Bezirk nicht gerade vorteilhaft präsentiert. „Wir werden keine Propagandabroschüre machen“, sagte Schulleiter Mahler. Alle Fotos würden ein subjektives Bild des Künstlers vermitteln. Die Studenten seien allerdings erst am Anfang ihrer Arbeit, „sie nähern sich vorsichtig an“. Bürgermeisterin Pohle drückte dennoch die Erwartung aus, dass die Exposition „ausgewogen wird“. Denn die Einwohner von Marzahn-Hellersdorf hätten jahrelang ein Negativ-Image von außen aufgedrückt bekommen: „Nichts ärgert sie so sehr wie Klischees und Stereotypen.“

Zweites Großprojekt

Das Marzahn-Hellersdorf-Projekt der Schule ist ihr zweites ähnlicher Art. Bereits im Jahr 2013 hatten Ostkreuz-Nachwuchsfotografen für die Ausstellung zum Thema Jugend „Ihr könnt Euch niemals sicher sein“ eine größere Arbeit eigenständig konzipiert und durchgeführt. Die Exposition, die viel Anerkennung gefunden hatte, wurde im französischen Brest und im Kunstmuseum Dieselkraftwerk Cottbus gezeigt. Auch dabei war Ludwig Rauch einer der Betreuer der Studierenden. Werner Mahler, auch Mitgründer der Ostkreuz-Agentur, hatte 2014 gemeinsam mit seiner Frau Ute (beide gehören seit Jahren zu den herausragenden deutschen Fotografen) mit „Monalisen der Vorstädte“ ein Projekt vorgelegt, das junge Frauen in fünf Städten Europas zeigt. „Auch damals waren wir unter anderem in Marzahn-Hellersdorf unterwegs“, erzählte Mahler.

Vorbereitungskomitee einberufen

Zur Vorbereitung des Bezirksjubiläums wurde laut Bürgermeisterin Pohle in der vergangenen Woche ein Bezirksamtsbeschluss gefasst. Ein Vorbereitungskomitee wurde einberufen. Diesem gehören an: alle Bezirksamtsmitglieder, Dr. Oleg Peters, die BVV-Vorsteherin Kathrin Henkel, die Senior Parkmanagerin der „Gärten der Welt“, Beate Reuber, Uwe Hess, Vorsitzender des Marzahn-Hellersdorfer Wirtschaftskreises, sowie Wolfgang Brauer, Vorsitzender des Heimatvereins. „Im weiteren Prozess werden wir noch andere Mitstreiter einbeziehen.“ Stadtrat Martin erklärte, dass die Jubiläumsfeierlichkeiten sich nicht nur auf einen Tag beschränken werden, sondern Höhepunkte über das ganze Jahr bieten sollen. Oleg Peters sagte, dass der Bezirk dabei nicht nur den neuen, sondern auch den langjährigen Bewohnern bekanntgemacht werden soll. Er erinnerte an das Kunstfestival „Acht Tage Marzahn“ im vergangenen Jahr, das neue Sichten auf die Großsiedlung und die Menschen dort geboten hatte.

Auch ein Bürgerfest geplant

Bisher stehen außer dem Ostkreuz-Projekt erst einige Veranstaltungen fest, sagte Pohle. So soll es am Sonnabend, 5. Januar, eine Festveranstaltung im Freizeitforum Marzahn geben. Stattfinden werden die traditionellen Feste Biesdorfer Blütenfest, Classic-Open-Air auf dem Fritz-Lang-Platz sowie das Alt-Marzahner Erntefest mit Umweltfest. „Und voraussichtlich im Sommer wollen wir ein Bürgerfest feiern“, kündigte Dagmar Pohle an – ähnlich wie zum 35. Jahrestag das „Plattenfest“.

 

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