Kulturforum wird saniert – mit Folgen für Veranstaltungen

Bis Herbst 2019 geschlossen

06.09.2018, Sabine Flatau

Fotos: Sabine Flatau

Hellersdorf. Das Kulturforum ist von einem Gerüst umgeben. Um das Grundstück an der Carola-Neher-Straße zieht sich ein Bauzaun. Das Haus, das seit 1992 in Betrieb ist, wird grundlegend saniert. Bis 2019 sollen die Arbeiten dauern.

Uwe Ehlert vom Kulturring e.V. hat das Kulturforum von Sommer 2017 bis zur Schließung im Frühjahr 2018 geleitet. Er sehe die Sanierung mit einem lachenden und einem weinenden Auge, sagt der 53-Jährige. Die Bauarbeiten seien dringend erforderlich. Die Sanitär- und Elektroanlagen waren marode, das Dach undicht. „Wenn wir morgens die Tür aufgeschlossen haben, mussten wir immer damit rechnen, dass es irgendwo eine kleine Überschwemmung gab, ein Rohr verstopft oder der Strom ausgefallen war.“ Doch wegen der Schließung kann der Kulturring sein umfangreiches kulturelles Angebot in Hellersdorf nicht aufrechterhalten. Das tut Ehlert weh.

Größte kommunale Kulturstätte in Hellersdorf

Seit 2003 hat der Verein das Haus betrieben. Es ist die größte kommunale Kulturstätte in Hellersdorf. Theater und Lesungen für Kinder, Musik-Veranstaltungen und der „Film-Club“ für Senioren, Talk-Runden mit prominenten Gästen, Feste und Konzerte standen auf dem Programm. Vormittags besuchten Kita-Gruppen das Kulturforum. Nachmittags kamen Kinder und Jugendliche zu Tanzkursen. Im Ballettsaal wurde trainiert und geprobt. „Jeden Nachmittag wuselten die ganz Kleinen und auch die 14- und 15-Jährigen durchs Haus“, schwärmt Uwe Ehlert. „Es war ganz lebendig.“ Die jungen und älteren Besucher kamen nicht nur aus Marzahn-Hellersdorf, sondern auch aus ganz Berlin. Ehlert erzählt vom Kinder- und Jugendkonzert mit Werken von Kurt Schwaen, von den Swing-Nachmittagen und Abendveranstaltungen mit Lukas Natschinski, von Jolkafesten und Märchenlesungen.

Kein Ausweichstandort im Stadtteil

Unterstützt von Kulturstadträtin Juliane Witt (Linke), habe man nach einem Ausweichstandort in Hellersdorf gesucht, sagt Ehlert. Leider vergeblich. Doch es sind mehrere kleine Lösungen zustande gekommen. Für die monatliche Seniorenveranstaltung „Musik am Nachmittag“ stellt die Wohnungsbaugenossenschaft Wuhletal ihre Begegnungsstätte Maxi-Treff zur Verfügung. Im Bezirklichen Informationszentrum kann der Kulturring Theaterveranstaltungen für Kinder durchführen. Das Schloss Biesdorf ist als Veranstaltungsort im Gespräch. Doch die Kinder-Tanzkurse fallen derzeit ersatzlos aus. „Wir haben eine Abschiedsfeier gemacht“, erzählt Ehlert. „Da sind Tränen geflossen.“

Mittel aus Stadtumbau-Programm

Die Sanierung des Kulturforums Hellersdorf wird aus Mitteln des Programms „Stadtumbau Ost“ bezahlt. 2,2 Millionen Euro stehen zur Verfügung. Die gesamte, veraltete Haustechnik wird durch zeitgemäße Anlagen ersetzt. Das Gebäude bekommt eine Wärmedämmung und Brandschutzanlagen gemäß den geltenden Anforderungen. Die Arbeiten haben begonnen. Schadstoffe sind aus Böden, Wänden und Decken beseitigt worden. Arbeiten am Dach und an der Fassade werden vorbereitet. Vorgesehen ist, dass die Aufteilung der Räume bleibt und die Grundrisse nur wenig geändert werden. „Das äußere Erscheinungsbild des ungewöhnlichen Baukörpers soll möglichst wenig verändert werden“, heißt es in einem Text des Bezirksamtes. Dennoch sind einige Neuerungen vorgesehen. Gemäß dem Entwurf des Architekturbüros Nauerschnig wird die Fassade verklinkert. Geplant ist auch eine Lichtkuppel in der Mitte des großen Saals, die für mehr Helligkeit und bessere Belüftung sorgen soll.

Interessenbekundungsverfahren geplant

„Die Fertigstellung ist momentan für September 2019 geplant“, sagt Stadträtin Witt. „Bei einer solchen Sanierung weiß man allerdings nie ganz genau, was für unerwartete Probleme sich im Laufe der Maßnahme ergeben.“ Wenn das Datum für die Fertigstellung zuverlässig feststehe, so die Dezernentin, „wird Anfang 2019 ein Interessenbekundungsverfahren eingeleitet.“ Daran will sich auch der Kulturring beteiligen. „Wir bringen viele Jahre Erfahrung als Betreiber mit“, sagt Uwe Ehlert. Er hofft, dass der Verein mit einem guten Konzept wieder den Zuschlag bekommt. Ehlert hat ein paar Ideen, wie neue Zielgruppen angesprochen werden können. Mit Kabarett oder Stand-up-Comedy könne man die 20-Jährigen erreichen, meint er. Konzerte mit Coverbands seien eine Möglichkeit, die 50-Jährigen ins Haus zu holen.

Rotes Sofa soll bleiben

Ehlert arbeitet derzeit in Büroräumen in der Ehm-Welk-Bibliothek, die dem Kulturring e.V. zur Verfügung gestellt wurden. Weil Lagerflächen fehlen, ist Veranstaltungstechnik aus dem Kulturforum an andere freie Träger übergegangen. Der Flügel steht jetzt im Ausstellungszentrum Pyramide an der Riesaer Straße. Nur wenig bewahrt der Verein für die Zukunft auf. Zum Beispiel das rote Sofa, auf dem prominente Gäste saßen. Das, sagt Uwe Ehlert, soll wieder zum Einsatz kommen.

 

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