Bezirksstadträtin Birgit Monteiro verabschiedet sich aus der Politik

Noch einen neuen Anfang wagen

17.03.2020, Klaus Tessmann

Fotos: Klaus Tessmann. Zum Vergrößern Hauptbild anklicken.

Lichtenberg. Nach fast 20 Jahren in der Kommunalpolitik verabschiedet sich Bezirksstadträtin Birgit Monteiro (SPD) von der politischen Bühne. „Ich werde ab April eine neue Aufgabe in der Kasper-Hauser-Stiftung im Nachbarbezirk Pankow übernehmen,“ sagt sie. Dass es gleich die Funktion der geschäftsführenden Vorständin ist, lässt Monteiro bescheiden unerwähnt.

Vorfreude auf die neue Aufgabe

Im vergangenen Jahr wurde Birgit Monteiro 50 Jahre alt. „Das war für mich der Zeitpunkt, mir eine neue Herausforderung zu suchen.“ Sie hätte nie vorgehabt, ihr Leben als Berufspolitikerin zu verbringen. „Es war eine interessante und wichtige Zeit, in der viel bewegt werden konnte“, erklärt die scheidende Stadträtin. Doch nun freue sie sich auf das Neue.

Die Kaspar Hauser Stiftung in Pankow arbeitet mit Menschen, die eine Beeinträchtigung haben. Sie bietet Arbeitsplätze mit abwechslungsreichen Tätigkeiten, Chancen durch Bildung und Ausbildung, bedarfsgerechtes Wohnen und künstlerische Betätigung. „Ich glaube, das wird für mich ein gutes Arbeitsfeld,“ sagt Birgit Monteiro, die 2008 ihr Masterstudium „Sozialmanagement“ an der Alice-Salomon-Hochschule abgeschlossen hatte.

Für Lichtenberg seit dem Jahr 2000 aktiv

Geboren 1969 in Strausberg, hatte sie nach der Schule zunächst einen handfesten Beruf als Landmaschinenschlosserin gelernt. Doch dann studierte Birgit Monteiro bis 1998 an der Humboldt-Universität zu Berlin Geschichte und Germanistik. Außerdem absolvierte sie ein Zusatzstudium „Deutsch als Fremdsprache“.

In Lichtenberg engagierte sich die Akademikerin seit dem Jahr 2000 als Geschäftsführerin des Nachbarschaftsvereins Kiezspinne FAS e.V. in der Schulze-Boysen-Straße. Unter ihrer Leitung entwickelte sich die Kiezspinne zum Nachbarschaftshaus „Orangerie“.

Von 2001 an auch in der Politik

2001 wurde Monteiro für die SPD in die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) von Lichtenberg gewählt. Bei den Kommunalwahlen 2011 holte sie sich das Direktmandat in ihrem Wahlkreis Alt-Lichtenberg für das Berliner Abgeordnetenhaus.

Als Sprecherin für Arbeitsmarkt- und Behindertenpolitik setzte sie sich vor allem für das Mindestlohngesetz und für das gleichberechtigte Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderung ein.

Nach dem Wechsel des Bezirksbürgermeisters Andreas Geisel in den Senat von Berlin wurde Birgit Monteiro im Januar 2015 von der BVV zur Bezirksbürgermeisterin von Lichtenberg gewählt. Seit Dezember 2016 ist sie stellvertretende Bezirksbürgermeisterin und Bezirksstadträtin für Stadtentwicklung, Soziales, Wirtschaft und Arbeit.

Individuelle Lösungen für Menschen

Als Stadträtin war Birgit Monteiro für sehr unterschiedliche Aufgaben zuständig. So gehörte die Stadtentwicklung, die Wirtschaftsförderung und der Sozialbereich zu ihren Arbeitsgebieten. „Am meisten Spaß gemacht hat mir, hier im Bezirk unkonventionelle Ideen umzusetzen.“ Dazu gehörten die Freiwilligenagentur, regelmäßige Gesprächskreise mit Frauen und Runden mit arbeitslosen Menschen. „Eine wichtige Erkenntnis, die ich in meinen neuen Arbeitsbereich mitnehme lautet: Es gibt keine generelle, umfassende Lösung für die Probleme der Menschen. Es gibt immer nur individuelle Lösungen.“

Hohenschönhausen braucht eine U-Bahn

Nach so vielen Jahren in der Bezirkspolitik und in der Stadtentwicklung hat Birgit Monteiro immer noch Träume. „Wir brauchen die U-Bahn nach Hohenschönhausen“, erklärt sie. „Nur dadurch kann die Attraktivität von Neu-Hohenschönhausen verbessert werden.“ Die Außenbezirke würden oft danach beurteilt, wie schnell man von dort in das Zentrum Berlins gelangen kann. Alle anderen Verkehrsmittel seien ausgereizt. „Die Pläne für die U 10 gibt es schon seit den 1920er Jahren“, sagt Monteiro. „Der Senat muss diese Investition wagen, sie wird sich in kurzer Zeit positiv auswirken.“ Bei den derzeit unzureichenden Verbindungen des öffentlichen Personennahverkehrs fühlten sich viele Einwohner von Neu-Hohenschönhausen abgehängt. Das müsse sich ändern.

Quartier Gehrenseestraße/ Wollenberger Straße

Sozusagen als Abschiedsgeschenk hat die Stadträtin für Stadtentwicklung den Bebauungsplanentwurf 1-165 „Quartier Gehrenseestraße/ Wollenberger Straße“ für das Gelände des ehemaligen Arbeiterwohnheimes in Alt-Hohenschönhausen vorgelegt. Bis zum 1. April liegt er öffentlich aus. Hier die genaue Adresse: Bezirksamt Lichtenberg, Bereich Stadtentwicklungsamt/Stadtplanung, Alt-Friedrichsfelde 60, Haus 2, Zimmer 2.1119.
Telefon 90 296 64 91. Und für alle Einwohner, die nicht ins Bezirksamt gehen können oder wollen, sind die Dokumente auch im Internet aufrufbar.

2.300 Wohnungen sollen entstehen

Seit vielen Jahren steht der Gebäudekomplex leer. Es hat schon viele Ideen und Pläne gegeben, die aber alle nicht realisiert worden sind (LiMa+ berichtete seit 2014 mehrfach). Das Grundstück ist rund 63.550 Quadratmeter groß. Im Mai 2019 wurden die Pläne erstmals auf einer Einwohnerversammlung öffentlich vorgestellt (LiMa+ berichtete). Auf dem Gelände sollen rund 2.300 Wohnungen gebaut werden. Zwei Investoren teilen sich das Grundstück – die Howoge und die Belle Époque. Sie haben sich zu einem Berliner Modell der kooperativen Baulandentwicklung zusammengeschlossen. Neben den Wohnungen soll eine soziale Infrastruktur mit Kindergarten und Schule entstehen. Es werden auf dem Areal 207 Kitaplätze sowie ein öffentlicher Spielplatz realisiert.

Noch ungeklärte Probleme

Für die Stadträtin, die in Kürze ihr Amt verlässt, wäre es ein schöner Abschluss, wenn dieser Schandfleck in Hohenschönhausen endlich verschwindet. Aber sie weist auch darauf hin, dass noch viele Probleme nicht geklärt sind. So ist das Grundstück zu klein, auf dem die Schule gebaut werden soll. „Da braucht es noch eine Lösung. Außerdem muss den Grünanlagen mehr Platz eingeräumt werden.“

Bis sich die Kräne drehen

Die Einwohner haben noch die Möglichkeit, ihre Anregungen, Kritiken oder Vorstellungen  einzubringen. Im Anschluss an die frühzeitige Beteiligung werden alle Zuschriften geprüft, bevor dann die Bezirksverordneten entscheiden werden. In dieser Phase der frühzeitigen Beteiligung sind auch die Stellungnahmen unter anderem von der Berliner Stadtreinigung, der BVG, Polizei, Feuerwehr und von den Rettungsdiensten gefragt. Außerdem muss noch ein Verkehrsgutachten erstellt werden. Es dauert also noch eine Weile bis sich die ersten Kräne an der Gehrenseestraße und Wollenberger Straße drehen.

Birgit Monteiro wird es aufmerksam verfolgen, dann jedoch wohl eher als interessierte Beobachterin. Ist ja auch mal schön.


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