Die Räuber kamen in der Nacht

Biesdorfer Goldschatz geklaut

15.05.2019, Birgitt Eltzel

Fotos: Birgitt Eltzel

Es war wohl ein zu hehrer Glaube an das Gute im Menschen und an die moderne Sicherheitstechnik: Das Kunstwerk “Goldenes Nest” von Thorsten Goldberg in der Grundschule am Fuchsberg in Biesdorf wurde in der vergangenen Nacht, 14. zum 15. Mai, gestohlen.

Landeskriminalamt ermittelt

Nach Polizeiangaben waren Unbekannte gewaltsam in das Schulgebäude eingedrungen. Kurz nach Mitternacht hatte ein Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma die Polizei zu der Schule in der Apfelwicklerstraße alarmiert. Die Beamten stellten fest, dass das dort ausgestellte Kunstwerk aus der Vitrine entwendet wurde. Die Ermittlungen dauern an und wurden vom Fachkommissariat für Kunstdelikte des Landeskriminalamtes übernommen.

Schulstadtrat Gordon Lemm (SPD) ist entsetzt: “Trotz Wachschutz und besonderen Sicherheitsmaßnahmen”, schrieb er am Mittwoch, 15. Mai, auf Facebook. “Die kaputten Fenster werden heute noch ersetzt. Ob es auch einen Ersatz für das Kunstwerk geben wird, klären wir jetzt.” Das Kunstwerk aus 999er-Gold hatte insgesamt 814 Gramm Gewicht. Pro Gramm Gold dieser Qualität werden derzeit 37.14 Euro gezahlt. Allein der Materialwert des Goldnestes betrug damit mehr als 30.000 Euro. Nach 14 Jahren sollte es gegen seinen Materialwert eingetauscht werden können, die Vitrine dann als leere Hülle zurückbleiben. Goldberg verzichtete dafür auf sein Urheberrecht. Den Erlös des Goldes sollte die Schule verwenden, für Dinge oder Vorhaben, die zuvor sorgfältig überlegt, diskutiert und abgestimmt wurden.

Realitäts-Check nicht bestanden

Nun ist die Vitrine bereits ein halbes Jahr nach ihrer Einweihung am 16. November 2018 leer. Damals hieß es, dass sie luftdicht verschlossen, schussfest und vollständig verschweißt sei, zudem vielfach gesichert in die Wand eingelassen wurde. Der Künstler zeigte sich damals gewiss, dass es vergebens sei, wenn auch andere Menschen als die Fuchsberg-Schüler vom Biesdorfer Goldschatz träumen. Der Realitäts-Check wurde leider nicht bestanden. Das “Goldene Nest” entstand als Projekt von Kunst am Bau. Thorsten Goldberg hatte in einem Wettbewerb im Jahr 2014, zu dem acht Arbeiten eingereicht worden waren, die Jury mit seinem so noch nie dagewesenen Ansatz überzeugt.

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