Städtepartnerschaftsvertrag mit Hoàn Kiêm bis 2021 verlängert

Bezirke vertiefen Zusammenarbeit

01.12.2018, Pamela Schmuhl

Fotos: Bezirksamt Lichtenberg. Zum Vergrößern Hauptbild anklicken.

Hoàn Kiêm/Lichtenberg. Über einen reich verzierten Teppich geht es in einen Saal des Partnerbezirks Hoàn Kiêm im vietnamesischen Hanoi. Auf einem geschmückten Tisch mit bunten Blumensträußen liegen formelle Papiere zur Unterschrift bereit. Eingerahmt zwischen den Landesfahnen besiegeln Lichtenbergs Bezirksbürgermeister Michael Grunst (Die Linke) und sein Amtskollege Nguyen Chi Luc die Fortsetzung der im Jahr 2015 geschlossenen Städtepartnerschaft bis mindestens 2021. Auch vietnamesische Medien berichteten von der Vertragsunterzeichnung.

Partner und Freunde

Vor über zehn Jahren wandte sich der damalige Botschafter der Sozialistischen Republik Vietnam mit dem Vorschlag für die Partnerschaft an den Bezirk. Seither besuchen sich Schulklassen sowie Mitarbeiter der Verwaltung und finden Gemeinsamkeiten. Schnell war klar, dass die Partnerschaft auch formell festgehalten werden soll. So unterzeichneten im Oktober 2015 die damaligen Bezirksbürgermeister, Birgit Monteiro (SPD) und Dong Đuc Tuan, die erste Städtepartnerschaftsvereinbarung – angelegt zunächst für einen Zeitraum von zwei Jahren.

Vietnamtown im Osten Berlins

Das Interesse des Partnerbezirks Hoàn Kiêm an Lichtenberg kommt nicht von ungefähr. Schließlich leben in dem Berliner Bezirk die meisten Vietnamesen der deutschen Hauptstadt – immerhin rund 8.000. Einige von ihnen stammen direkt aus Hoàn Kiêm. Eine weitere Gemeinsamkeit ist das Dong-Xuan-Center in der Herzbergstraße 128-139. Das Center wurde nach dem gleichnamigen historischen Markt Chợ Đồng Xuân benannt und ist sogar größer als das in Hoàn Kiêm.

Schüleraustausch hinterließ bleibende Eindrücke

„Mit Hoàn Kiêm haben wir eine sehr lebendige Partnerschaft“, sagt Michael Grunst. So besuchten zum Beispiel Schüler des Barnim-Gymnasiums bereits zwei Schulen in Hoàn Kiêm. Finanziert wurden die Reisen unter anderem aus Spenden und Erlösen von Kuchenbasaren, welche die Schüler selbst veranstalteten. In Hanoi freundeten sich die deutschen und vietnamesischen Schüler an und brachten sich gegenseitig Wörter der jeweils anderen Sprache bei. Heute noch pflegen einige von ihnen Freundschaften. Schüler berichten, dass sie während ihrer Zeit bei den Gastfamilien und in der Schule einen tiefen Einblick in die Lebensweise im Partnerbezirk erhalten haben. Um diese Erfahrungen mit weiteren Schülern, Eltern, Lehrern und Lichtenbergern zu teilen, veranstaltet das Barnim-Gymnasium immer nach der Rückkehr aus Hoàn Kiêm einen „Vietnam-Abend“ in der Schule. Dabei lassen an der Reise beteiligte Schüler und Lehrer in Bildern sowie mit Video-Vorführungen die Tour Revue passieren. Dazu gibt es vietnamesische Speisen für die Gäste, die ehemaligen Austauschschüler nebst Begleitern und Eltern.

Mit dem Schüleraustausch lernen sich die Menschen der Partnerbezirke nicht nur gegenseitig kennen. Gleichzeitig wird auch das Interesse der vietnamesischen Schüler an Deutschland selbst gefördert. „Man hat das Gefühl, dass viele Bewohner in Hoàn Kiêm die deutsche Sprache erlernen wollen“, sagt der Bürgermeister. „Die dortigen Absolventen haben zudem ein großes Interesse, in Deutschland eine Ausbildung zu starten.“

Hand in Hand Klimaschutz ausbauen

Während die Partner die freundschaftliche Atmosphäre in den Beziehungen beider Bezirke ausbauen, verbindet sie ebenso ein ganz besonderes Projekt – ein gemeinsames Klimaschutzprogramm. Hoàn Kiêms Bezirksbürgermeister Nguyen Chi Luc hat dazu während des jüngsten Treffens den sechs Lichtenberg-Vertretern von seinen Vorhaben berichtet. „So möchte zum Beispiel Nguyen Chi Luc eine Million Bäume bis zum Jahr 2020 in dem Bezirk pflanzen, um gegen die hohe Smog-Belastung in Vietnam vorzugehen“, erklärt Michael Grunst. „Auf dem Dach des Dong Xuan Marktes in Hanoi wird eine Solaranlage installiert. Sie stellt dann den Strom für die Elektrofahrzeuge des Centers her.“

Beide Bezirksbürgermeister vereinbarten in dem Städtevertrag, die Schulpartnerschaften weiter zu stärken und auszudehnen. Beteiligt werden sollen unter anderem die Alexander-Puschkin Schule, das Barnim-Gymnasium und die vietnamesische Oberschule Viet-Duc. Zudem soll die Teamarbeit zwischen medizinischen- und Pflegeeinrichtungen beider Bezirke gefördert werden.

Die Zusammenarbeit der beiden Partnerbezirke soll so gestaltet werden, dass neben den gegenseitigen Besuchen von Bezirksvertretern weitere Treffen, Besprechungen und Wissensforen stattfinden. So könnten Fachkräfte und Experten enger zusammenarbeiten, um Informationen auszutauschen und ihr Wissen gegenseitig zu vervollkommnen.

Lichtenberg pflegt neben Hoàn Kiêm sechs weitere Städtepartnerschaften mit: Jurbarkas in Litauen, Kaliningrad Oblast in Russland, Hajnόwka und Warschau-Białołęka in Polen, Margareten von Wien in Österreich sowie Maputo-Ka Mubukwana in Mosambik.
Mehr Informationen bei der Bezirksbeauftragten für Städtepartnerschaften, Karin Strumpf, Telefon: 030 90296-3306 oder per E-Mail:  karin.strumpf@lichtenberg.berlin.de

 

Diesen Artikel empfehlen

Facebook Share Twitter Share

Leserkommentare

Ihr Kommentar zum Thema

Bitte melden Sie sich an.



absenden