Marko Brux ist sein eigener Chef. Start-up Möbeltischlerei

Bezahlbares Tischler-Handwerk

25.06.2018, Angelika Giorgis

Lichtenberg. In loser Folge stellen das Bezirks-Journal und LichtenbergMarzahnPlus.de Unternehmen und Start-ups vor, die sich in Lichtenberg oder Marzahn-Hellersdorf angesiedelt haben. Heute: Marko Brux, Inhaber der gleichnamigen Tischlerei in Lichtenberg.

Als Marko Brux Ende der 1990er-Jahre nach der zehnten Klasse eine Lehrstelle suchte, wusste er, dass das Handwerk gerade massiv Ausbildungsplätze abbaut und es darum schwer würde, sich diesen Traum zu erfüllen. Dennoch hatte er Glück und fand bei einer Tempelhofer Tischlerei hervorragende und verständnisvolle Lehrmeister. So wurde er Bau- und Möbeltischler. Heute, fast zwei Jahrzehnte später, ist Brux sein eigener Chef und beschäftigt 21 Mitarbeiter.

Die Selbstständigkeit ist ihm so gut wie in die Wiege gelegt worden. Der Opa war Bootsbauer und die Eltern besaßen eine eigene kleine Bautischlerei. Aber er wollte kreativer sein und hochwertige, stilvolle und zeitlose Möbel fertigen. Also gründete er nach dem Zivildienst eine Ich-AG. Mangelnde Erfahrungen in Betriebswirtschaft und im Umgang mit Kunden waren schlechte Voraussetzungen für Erfolg. Er gab auf und kehrte in die elterliche Werkstatt zurück. Dort baute er Einzelstücke, die er zwar über Ebay vertrieb, aber damit kein Geld verdiente. Also setzte er sich wieder auf die Schulbank, lernte und bestand seine Meisterprüfung mit Auszeichnung.

Beratung im Vordergrund

Nun wollte der junge Mann Architektur studieren. Aber wie es im Leben manchmal so spielt, wurde er mit 22 Jahren zum ersten Mal Vater. Um die Familie zu ernähren, teilte er sich in der Friedrichshainer Neue Bahnhofstraße mit einem alteingessenen Meister die Werkstatt. Heute sagt er, die Arbeit sei relativ übersichtlich gewesen und die Aufträge hielten sich in Grenzen. Aber er erkannte, dass der Umgang mit Privatkunden sehr viel mit Emotionen zu tun hat, und begann die Beratung in den Vordergrund zu stellen. Er legte Wert auf Details und bezog diese ins Kundengespräch mit ein. „Viele Tischler bauten schon schöne Möbel. Aber sie arbeiteten hauptsächlich mit einfachen Zeichnungen. Der Kunde wusste nicht konkret, was er bekommt. Es war für ihn wie eine Überraschungstüte“, erzählt der junge Meister. Darum begann er die Zeichnungen im 3D-Format zu fertigen. So sahen seine Kunden: Der baut nicht nur Kisten, sondern hat Ahnung von seinem Fach – und Visionen.

Neue Mieter wollten in Friedrichshain Ruhe in ihren Häusern und keine Werkstatt im unteren Geschoss. Außerdem stiegen die Gewerbemieten. Brux suchte nach einer Alternative. Seit 2013 arbeitet seine Firma nun in der Lichtenberger Josef-Orlopp-Straße auf einem Gelände, wo früher der Konsum eine Metzgerei hatte und Brot gebacken wurde. Brux ließ und lässt die Räume der alten Bäckerei – rund 650 Quadratmeter – Stück für Stück instandsetzen und modernisieren. Auch die Möbel im Pausenraum und in den Büros wurden selbst gefertigt und zeugen von der Fantasie ihrer Erbauer.

Treue Mitarbeiter

Brux’ erster Mitarbeiter kam aus Russland und hatte eine Umschulung als Tischler absolviert. Die Deutschkenntnisse waren mäßig, aber die Motivation hoch. Das Einstiegsgehalt lag bei 8,50 Euro pro Stunde. Das stieg mit wachsendem Umsatz und Erfolg der Firma. Heute ist er die rechte Hand seines vier Jahre jüngeren Chefs. Neben den Facharbeitern gehören zwei Fachplaner eine Innenarchitektin und Kaufleute zum Team.

„Mittlerweile können wir es uns auch leisten, Aufträge abzulehnen, wenn sie nicht ins Produktionsprogramm passen“, erzählt Brux. Am Liebsten baut er Möbel für Wohn- und Schlafzimmer, für Küchen und manchmal auch für Bäder in Eigentumswohnungen oder Häusern. Sein Team hat sich darauf spezialisiert, Angebote und Entwürfe mit einem übersichtlichen Budget zu machen. Die Arbeiten sind einzeln aufgelistet. Drei bis vier Tage benötigen die Fachleute etwa für die Entwurfsplanung einer 100 Quadratmeter großen Wohnung. „In dieser Zeit gibt es einen regen E-Mail-Verkehr“, erzählt der Tischlermeister. Manche Dinge, die der Kunde wünscht, gefallen ihm zum Schluss nicht immer. „Aber der Kunde will es dann so“, sagt er schmunzelnd.

„Eine vom Handwerker gefertigte Küche muss nicht teurer sein als eine Markenküche aus dem Küchenstudio. Bei uns entfällt der Handel. Der Kunde bezieht die Ware direkt“, erklärt Brux. So kann eine Küche beispielsweise ab ca. 8.000 Euro erworben werden. „Wir haben aber auch mehrfach schon Küchen für 60.000 oder 80.000 Euro verkauft. Gestern verließ die erste Küche unsere Werkstatt, die mehr als 100.000 Euro kostete.“

Mittlerweile hat Brux bei einem Freund im Stilwerk an der Kantstraße eine Referenz stehen. Die meisten Kunden kommen jedoch auf Empfehlung. „Wir bitten nach Abschluss unserer Arbeiten um eine Bewertung im Internet und haben dort 5,9 von sechs Sternen erreicht. Politiker, Künstler, auch viele Firmen wie beispielsweise die Deutsche Bahn haben ihm Aufträge erteilt. Auch die Konferenzräume von Stiftung Warentest wurden von der Firma Marko Brux ausgebaut.

 

 

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