Jugendfreizeiteinrichtung „Betonoase“ zieht 2018 in neues Haus

„Endlich bekommen wir einen Garten!“

25.02.2017, Jule Pauline Damaske

Fotos: Jule Damaske (1-8), Architekturbüros Gruber + Popp (9). Zum Vergrößern auf das Hauptbild klicken.

Lichtenberg. Wenn man die Dolgenseestraße in Friedrichsfelde Süd entlangläuft, sieht man kaum spielende Kinder auf dem Weg. Diese gehen viel lieber in die „Betonoase“, welche aber bald abgerissen wird. Die Freizeiteinrichtung befindet sich in einem der letzten ehemaligen „Dienstleistungswürfel“ aus den 1970er Jahren. Das Gebäude ist Bestandteil eines Häuser-Ensembles, das so wie hier vielerorts im Ostteil Berlins im Zentrum von Neubaukomplexen immer ähnlich angeordnet war: Dazu gehörte jeweils ein Jugendklub, „Kaufhalle“ sowie eine „Klubgaststätte“ mit separatem Veranstaltungssaal. Die im Volksmund als Dienstleistungswürfel bezeichneten Häuser hießen so wegen der dort untergebrachten Geschäfte und der würfelähnlichen Gebäudeform. Meistens gab es jeweils eine Post, einen Blumenladen, eine Lotto- und Reparatur-Annahme und eine Textilreinigung der Firma Rewatex, manchmal einen Schuster. In der oberen Etage einen Friseur und einen Jugendklub.

Viele Freizeitangebote in der Betonoase

„Viele Jugendliche kommen aus dem 21-geschossigen Wohngebäude von nebenan in die Oase“, sagt der Leiter der Einrichtung Sven Grässl. Das Kochen und gemeinsame Essen spielen eine wichtige Rolle in der Freizeiteinrichtung. Es fördere das Gemeinschaftsgefühl und die Kinder setzten sich mit einer gesunden Ernährung auseinander. Von 13 bis 20 Uhr gibt es montags bis freitags ein buntes Programm an Aktivitäten wie Tanz- und Boxkursen bis hin zu Freizeitangeboten im Computer- und Sportraum. Veranstaltungen wie beispielsweise Discoabende, die früher angeboten wurden, finden nicht mehr statt. Die Mitarbeiter der Betonoase unterstützen die Jugendlichen auch bei Hausaufgaben oder Bewerbungen. 40 bis 45 Kinder kommen regelmäßig, aber die Türen sind für alle Interessierten geöffnet. Heute befinden sich im Würfel Dolgenseestraße neben der vom Bezirk eingemieteten Betonoase, nur noch ein italienisches Restaurant und eine Apotheke.

Umzug ohne Schließzeit

„So wie es ist, konnte es nicht bleiben“, sagt Sven Grässl. Seit 2002 ist er dort tätig. 1993/1994 wurde das Gebäude zum letzten Mal saniert. Seitdem wurde nichts verändert. Der Kaiser’s in der Nachbarschaft sei „abgerockt“, es gebe Ratten auf den Straßen und die Gehwegplatten kämen hoch, aufgrund der darunterliegenden Baumwurzeln. Der Würfel, der Supermarkt und die einstige Klubgaststätte werden abgerissen. Für die Betonoase wird 100 Meter weiter ein neues Haus gebaut. Dort wird auch der Familientreff des Vereins Berliner Familienfreunde e.V. Platz finden. Die Einrichtungen sollen jedoch räumlich voneinander getrennt sein und separate Eingänge haben. „Der erste Spatenstich erfolgt im April oder Mai, Richtfest ist im September geplant und die Einweihung ist für das dritte Quartal 2018 vorgesehen“, sagt Bernhard Popp, der Geschäftsführer des Architekturbüros Gruber + Popp, gegenüber LiMa+. Das Unternehmen war mit seinem Entwurf im März 2016 als Sieger aus einem Gutachterverfahren zur Auswahl des besten Planungsentwurfs hervorgegangen. Insgesamt sechs Architekturbüros aus Berlin hatten sich beteiligt. Gruber und Popp konnten überzeugen, da sie es am besten verstanden, die Wünsche der Kinder zu berücksichtigen. Es soll ein nahtloser Übergang sein ohne Schließzeit, sodass die Betonoase stets für die Kinder und Jugendlichen offen ist. Laut Sven Grässl ist es ein „Zugewinn an Lebensqualität“. „Die Kinder bekommen einen Garten. Bisher hatten wir nur einen kleinen Balkon.“ Mit dem Außengelände könnten sich die Jugendlichen im Sommer endlich auch draußen aufhalten und im Sommer zusammen grillen.

Revolutionärer Baustoff

„Die neue Betonoase wird aus Infraleichtbeton errichtet, einem völlig neuen Werkstoff, der mit der TU Dresden entwickelt – und inzwischen für den Bau zugelassen wurde“, erklärt Bernhard Popp. Das Baumaterial sei hochdämmend und nicht brennbar. 50 Zentimeter dick werden die Außenwände der neuen Betonoase sein. Eigentümer des neuen Hauses in der Dolgenseestraße 60A wird der Bezirk. Zwei Millionen Euro stehen für den Neubau zur Verfügung, davon 300.000 Euro aus dem Bezirkshaushalt. Sozialpädagoge Grässl hofft außerdem auf Einrichtungsgelder. Viele Geräte, wie die Computer und Kicker werden mit in den Neubau genommen, doch hoffen auch die Kinder auf neue Möbel.

Auch in der Nachbarschaft wird demnächst kräftig gebaut. Ein Privatinvestor will 600 neue Wohnungen in insgesamt fünf Gebäuden mit je zehn Etagen und einer Ladenzeile im Erdgeschoss schaffen. Dort sollen dann auch die Apotheke und eine Arztpraxis neue Räume beziehen.

 

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