MuseumsSommer 2016 mit Führungen und Sonderausstellungen

Berliner Museen: Null Sommerloch

09.07.2016, Marcel Gäding

Fotos: Marcel Gäding. Zum Vergrößern auf das Hauptbild klicken.

Berlin. Mit einer ungewohnten Aktion wollen große und kleine Museen der Hauptstadt das Sommerloch überbrücken. Erstmals präsentieren sie etliche Sammlungen beim MuseumsSommer 2016. Mehrere Wochen – bis Ende August – sind Berliner eingeladen, die Einrichtungen zu besuchen. Neben Sonderausstellungen und Führungen sind auch Veranstaltungen unter freiem Himmel geplant.

Natur auf dem Campus Nord der Charité
Hinter einer unscheinbaren Toreinfahrt in der Luisenstraße in Mitte eröffnet sich eine eigene Welt: Nur wenige Meter – und Passanten befinden sich auf dem Campus Nord der Charité. Mittelpunkt dieser von historischen Gebäuden, weiten Liegewiesen und alten Bäumen gesäumten Anlage ist das erst kürzlich sanierte Tieranatomische Theater – ein Gebäude mit einer Kuppel, in dessen Innenräumen sich ein Hörsaal aus dem Jahre 1790 befindet. Allein das von Carl Gotthard Langhans, dem Architekten des Brandenburger Tores, errichtete Haus ist einen Besuch wert. Heute ist es das älteste in Berlin erhaltene Lehrgebäude. Einst diente es als „Königliche Tierarzneischule zu Berlin“ zur Ausbildung von „Rossärzten“ und Fahnenschmieden für die Preußische Kavallerie und zur Bekämpfung grassierender Tierseuchen wie der Rinderpest. Die einstigen Pferde- und Rinderkoppeln sind zwar nicht mehr vorhanden – viele Pflanzen und Tiere gibt es auf dem Areal rund um den klassizistischen Bau aber noch, wie die Biologin Dr. Beate Witzel zu berichten weiß. Bis Ende Juli führt sie gemeinsam mit einem Kollegen an jedem Sonnabend um 10 Uhr über das Areal – und lädt zu Erkundungstouren ein. Die Besucher erfahren beispielsweise, dass die auf dem Campus wachsende Robinie 1623 nach Europa und damit nach Berlin kam. „Das waren damals exotische Bäume“, sagt Witzel. Heute ärgert sich so mancher Immobilienbesitzer über die vermehrungsfreudige Pflanze. Im 17. Jahrhundert aber symbolisierten Robinien, dass ihre Besitzer von weltmännischem Schlage waren. Aus ihrer Fahrradtasche zaubert Witzel dann auch noch präparierte heimische Tiere, deren lebende Artgenossen es auch heute auf dem Campus gibt, – darunter einen Igel. „Er leidet unter dem Klimawandel“, sagt Witzel. „Weil die Winter sehr mild sind, erwacht er aus dem Winterschlaf und begibt sich auf Nahrungssuche, das aber vergebens.“ Und so überleben viele Igel den Winter nicht.

Fotoworkshop im Garten vom Kolbe-Museum
Das vom Helmholtz-Zentrum betriebene Tieranatomische Theater und der Campus Nord der Charité gehören zu den Orten, die sich während des MuseumsSommers 2016 dem wissenshungrigen Publikum stellen. „Viele fragen sich ja, ob Museum und Sommer zusammenpassen“, sagt Projektleiterin Annette Meier von „Kulturprojekte Berlin“. Doch gerade die warme Jahreszeit sei für die Museen ganz besonders. Meier nennt einige Beispiele. Unter anderem wird es im Skulpturengarten des Georg-Kolbe-Museums in Zehlendorf einen Fotoworkshop geben, während das Alliiertenmuseum in Dahlem Objekte des Kalten Krieges zur Schau stellt. „Der Sommer ist die Zeit für Touren, er bietet Gelegenheit, die Stadt zu erkunden“, sagt Annette Meier.

Und da gibt es bei mehr als 60 Veranstaltungen reichlich Auswahl. Zum zweiten Mal findet die „Lange Nacht der Astronomie“ statt. Mit Einbruch der Dunkelheit werden im Park am Gleisdreieck am 13. August Führungen unterm Sternenhimmel angeboten. „Wir werden in dieser Nacht viele Sternschnuppen sehen“, prophezeit Tim Florian Horn, der neue Chef vom Zeiss-Großplanetarium an der Prenzlauer Allee. „Ich organisiere derzeit noch einige Liegestühle.“ Bei klarem Himmel stehen die Chancen gut, an die 60 von insgesamt 3.500 Sternen zu entdecken. Mehr gibt das Firmament über der Hauptstadt jedoch nicht her, weil Berlin auch nachts wegen der künstlichen Beleuchtung einfach zu hell ist.

Lange Nacht der Museen am 27. August
Höhepunkt des MuseumsSommers ist übrigens die traditionelle Lange Nacht der Museen am 27. August. Dann öffnen von 18 bis 2 Uhr 77 Einrichtungen ihre Pforten, mehr als 700 Veranstaltungen stehen auf dem Programm. Acht Buslinien verbinden die Häuser. Spartickets gibt es vom 1. bis zum 16. August für 12 Euro an den Automaten von S-Bahn und BVG, danach kosten sie 18 Euro. Spartickets können zudem ab sofort online geordert werden. Das komplette Programm wird erst kurz vor der Veranstaltung veröffentlicht.

 

Tipps für Ausflüge in Berlin

Für Naturfreunde:
Als das Landhaus Lemke in Alt-Hohenschönhausen entstand, wurde um das von Ludwig Mies von der Rohe entworfene Gebäude auch ein Garten von Karl Foerster angelegt. Philosophen, Kunsthistoriker, Landschaftsarchitekten und Wissenschaftler untersuchten die Symbolik der 28 Pflanzen und Bäume und ihre Bezüge zur Kunst. Im Rahmen eines Symposiums übersetzt die Künstlerin José Heerkens am Freitag, 26. August, von 16 bis 20 Uhr den Nachmittag mit seiner besonderen Lichtstimmung in konstruktivistische Malerei. Ort: Oberseestraße 60, 13053 Berlin, Internet: www.miesvanderrohehaus.de.
Eintritt: 5, erm. 3 Euro.Für Architekturfreunde:
Die Bauten der Moderne in Zehlendorf können ab sofort im Rahmen einer Radtour erkundet werden. Ausgangspunkt ist das Haus am Waldsee, Argentinische Allee 30, 14163 Berlin. Dort gibt es immer dienstags bis sonntags Fahrrad (5 Euro) und Audioguide (5 Euro) zur Ausleihe. Auf einer etwa 90-minütigen Radtour kann man mit dem Audioguide eigenständig Villen vom Anfang des 20. Jahrhunderts rund um den Schlachtensee erkunden. Frühe Bauten Mies van der Rohes und Wohnhäuser von Walter Gropius sind einige der angesteuerten Ziele. Weitere Informationen: www.hausamwaldsee.deFür Geschichtsfreunde:
Einen Stadtspaziergang auf den Spuren jüdischen Lebens gibt es am Sonntag, 24. Juli, von 12 bis 14.30 Uhr. Zur NS-Zeit war die im Haus Schwarzenberg in der Rosenthaler Straße 39 angesiedelte Blindenwerkstatt für ihre jüdischen Angestellten die Rettung vor der Deportation. Nach einem Besuch im Museum Blindenwerkstatt Otto Weidt und im Anne Frank Zentrum lassen sich auf einem Stadtspaziergang durch die historische „Spandauer Vorstadt“ verschiedene Orte der jüdischen Geschichte Berlins entdecken. Teilnahme kostenlos, Anmeldungen bis zum 16. Juli per Mail an ausstellung@annefrank.de

Für Familien:
Woher kommt der Honig? Diese Frage steht im Mittelpunkt des Thementages „Honig“ am Sonntag, 24. Juli, von 10 bis 18 Uhr im Museumsdorf Düppel (Clauertstraße 11). Ganz nebenbei erfahren die kleinen und großen Besucher auch etwas über das Leben im mittelalterlichen Dorf vor 800 Jahren. Denn das Museumsdorf präsentiert sich mit Gebäuden und Ställen aus dieser Zeit. Der Eintritt kostet 4, erm. 3 Euro. Bis 12 Jahre ist der Eintritt frei. Weitere Informationen: www.dueppel.de

Für Filmfreunde:
Das Genre der „Museumsfilme“ ist bis dato noch sehr unbekannt. Das Podewil in der Klosterstraße 68 in Mitte will das ändern und lädt im Juli und im August immer mittwochs ab 20 Uhr zur Open-Air-Filmreihe „Film – Kunst – Museum“ ein. Gezeigt werden Dokumentationen aus den großen Museen Europas, darunter das Kunsthistorische Museum (Wien), die Eremitage (Sankt Petersburg), die Londoner National Gallery und der Louvre (Paris). Sie erlauben Blicke hinter die Kulissen, präsentieren Meisterwerke, die Häuser, ihre Mitarbeiter, die Besucher und die Geschichte. Eintritt: 5 Euro. Informationen unter www.kulturprojekte-berlin.de

 

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