Lichtenberg bleibt Berlins erster familiengerechter Bezirk

Ein Magnet für Familien

16.11.2019, Klaus Tessmann

Fotos: Klaus Tessmann

Lichtenberg. Voller Stolz präsentierten Bürgermeister Michael Grunst (Linke) und Silvia Gröber von der Stabsstelle Bürgerbeteiligung beim Pressegespräch am Donnerstag, 14. November, eine Urkunde: Der Bezirk hat zum zweiten Mal das Zertifikat „Familiengerechte Kommune“ erkämpft. Damit bleibt Lichtenberg der erste Berliner Bezirk, der so zertifiziert wurde – und ein Magnet für Familien. Zwei Tage zuvor hatte Grunst das Gütesiegel in Delmenhorst von Beatrix Schwarze, der Geschäftsführerin des Vereins Familiengerechte Kommune e.V., entgegengenommen. Das Zertifikat, das der Bezirk erstmals im Jahr 2015 erhielt,  wurde für weitere drei Jahre ausgestellt. Und auch danach soll es laut Grunst wieder nach Lichtenberg geholt werden.

Alle Generationen im Fokus

„Vor 20 Jahren haben wir uns auf den Weg gemacht, ein kinderfreundlicher Bezirk zu sein“, erklärte Grunst. Es gibt eine abwechslungsreiche Schul- und Kitalandschaft, die weiter ausgebaut wird, zudem über zahlreiche Spielplätze und Freizeiteinrichtungen für Kinder und Jugendliche aller Altersgruppen. Bereits seit einigen Jahren ziehen zahlreiche Familien mit Kindern nach Lichtenberg – der Bezirk ist auch wegen seiner familienfreundlichen Angebote gefragt. Doch diese betreffen nicht nur Kinder, sondern alle Generationen. „Der Bezirk hat viele Akteure, die sich dafür engagieren“, meinte Grunst. Das war ein Vorteil, um das Zertifikat erneut zu erhalten. Alle Fraktionen in der Bezirksverordnetenversammlung unterstützten die Maßnahmen, LiMa+berichtete.

Guter Rat im Familienbüro

Im Gebäude des Jugendamtes an der Große-Leege-Straße 103 wurde im Juli 2017 ein Familienbüro eröffnet. Zur Beratung kommen nicht nur Familien mit Kindern, sondern auch viele andere Einwohner. Die Mitarbeiter des Bezirksamtes werden dabei von zwei Sozialarbeitern des pad. e.V. unterstützt. „Im Schnitt haben wir pro Monat rund 1.100 Besucher“, erklärte Sarah Wendler, Mitarbeiterin im Familienbüro. „Wir prüfen beispielsweise, ob Anträge richtig ausgefüllt sind und helfen auch Besuchern, die das Amtsdeutsch nicht verstehen.“ Zudem gibt es in der Einrichtung Informationen über den Bezirk in mehreren Sprachen – ein Angebot für Neu-Lichtenberger.

„Das Projekt läuft so gut, dass wir schon Anfragen aus anderen Bezirken bekommen, ob sie die Idee übernehmen können“, sagte Sarah Wendler. Weil das Beratungsbüro im Norden des Bezirkes liegt, gibt es nun einen Beschluss, auch im Süden eins aufzubauen. Noch aber war die Standortsuche nicht erfolgreich. So existiert auch die Idee, ein mobiles Beratungsbüro einzurichten.

Schwerpunkt: Bekämpfung von Kinderarmut

Der Bezirk will sich neuen Schwerpunkten stellen. Der Fokus wurde auf Alleinerziehende und auf die Entwicklung einer Strategie zur Bekämpfung der Kinderarmut gelegt. „In Lichtenberg leben über 12.000 Kinder in Familien, die Transferleistungen erhalten“, sagte Grunst. Auch sie müssten gute Chancen für Bildung und Freizeitgestaltung bekommen. Alleinerziehende sollen noch besser unterstützt werden, Bildungsverbünde in den Kiezen gefördert werden. Die finanzielle Unterstützung für zwei Mehrgenerationenhäuser und ein Konzept zum Leben im Alter stehen ebenfalls auf dem Programm. Älteren Lichtenberger soll durch verschiedene Maßnahmen geholfen werden, weiterhin in ihren Vierteln bleiben zu können.

Das Zertifikat „Familiengerechter Bezirk“ gilt bis zum Oktober 2022. Der Bürgermeister will sich auf dem Erreichten keineswegs ausruhen. Im Mittelpunkt der weiteren Arbeit stehe nicht nur die Familienfreundlichkeit, sondern vor allem auch Gerechtigkeit. Benachteiligungen sollen weiter abgebaut werden. „Die Gleichstellung der Geschlechter zu fördern, spielt dabei eine große Rolle“, sagte Grunst. „Der Bezirk kann nicht familiengerecht handeln und wirken, wenn nicht gleichzeitig gleichgestellte, gerechte Lebensbedingungen geschaffen werden.“ Für Grunst  ist Familie überall dort, „wo Menschen Verantwortung füreinander übernehmen”.

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