Aus der Welt: Zu Gast in Zürich

Badefreuden im See und in den Flüssen

15.08.2017, Birgitt Eltzel

Fotos: Birgitt Eltzel

Teuer ist Zürich unbestritten. Jedenfalls für normal verdienende deutsche und andere Urlauber. So kostet ein nicht allzu üppiges Abendessen für zwei Personen (ohne Fleisch, dann wird’s noch kostspieliger!) in einen Mittelpreis-Restaurant gut um die 100 Franken, was von der Summe in Euro nach dem gegenwärtigen Wechselkurs nicht gerade weit entfernt ist. Aber das weiß derjenige, der dorthin reist, in der Regel von vornherein. Schließlich ist die 415.000-Einwohnerstadt (173 Nationalitäten, etwa ein Drittel Ausländer, jeder Vierte davon mit deutschem Pass ) das Banken- und Finanzzentrum der Schweiz. Viele verdienen dort gut. Doch auch wer das nicht tut, bekommt allerhand in der Stadt an der Limmat geboten – die Lebensqualität ist hoch. Und für vieles muss man weniger als im nicht so reichen Berlin zahlen, manchmal sogar gar nichts. Ein paar Beispiele, die ruhig bei uns Schule machen könnten:

In die Badi oder in den See?

Es ist Sommer und überall kann gebadet werden. Im 28 Kilometer langen Zürichsee sowieso, an dessen Ufer sich die Nobelvillen reihen (Poplegende Tina Turner ist nur eine der betuchten See-Anrainer). Doch so prächtig die Anwesen auch sind, immer finden sich freie Fleckchen daneben, in denen sich auch das Volk tummeln kann ­– ob nun in einer “die Badi” genannten Badeanstalt oder auf einer grünen Wiese mit Seezugang. Denn Badengehen gehört in den Sommermonaten zur Lieblingsbeschäftigung der Zürcher. Manche nutzen auch die knappe Mittagspause, um kurz mal in den See oder die Flüsse zu springen. Frisch abgekühlt, lässt sich der anschließende Teil des Arbeitstages doch besser ertragen. Oder man trifft sich am Wochenende im Freundeskreis, mit der Großfamilie, mit der Bekanntschaft in einem Park beim nahen See, chillt und grillt – und hinterlässt keinen Abfall. Müllbehälter gibt es genug, anscheinend auch ausreichend Ordnungskräfte, die das Vermüllungsgebot umsetzen. Wie uns erzählt wurde, drohen Umweltverschmutzern drastische Strafen.

Mit weißen Einhörnern und pink Flamingos unterwegs

In den Flüssen, die ebenso sauber sind wie der See, kann man nicht nur baden. Man kann sich auch mit Kanu, Schlauchboot, Luftmatratze oder anderem aufblasbarem Gerät (außerordentlich beliebt sind derzeit anscheinend dicke weiße Einhörner und pinke Flamingos) Limmat und Sihl hinabtreiben lassen, bis zu 20 Kilometer weit. Laut Milena Moser, deren Buch „Gebrauchsanweisung für Zürich“  (Piper Verlag München/Berlin 2015) wir natürlich als Reisevorbereitung gelesen haben, waren die Gewässer allerdings nicht immer so rein. Um 1970, schreibt Moser, herrschte im Zürichsee, der die Limmat speist, ab einer Tiefe von 10 Metern nur noch schwarze Nacht. Dann wurden strenge Gewässerschutzgesetze erlassen und massiv in Abwasserreinigungs- und Aufbereitungsanlagen investiert. Heute hat der See eine solche Qualität, dass man das Wasser daraus trinken kann. Muss man aber auch bei Durst nicht, schließlich gibt es rund kostenfreie 1.200 Trinkbrunnen überall im Stadtgebiet.

Rundfahrten auf dem Zürichsee

Wer vom Flusstreiben genug hat, kann mit dem Zug, dem Bus oder der Straßenbahn zum Ausgangspunkt zurückkehren. Die 24-Stunden-Karte für Zone 1 und 2 (Stadt Zürich) kostet 8,80 Franken (wird übrigens u.a. aufs Ticket zum Flughafen angerechnet und auch auf Bootsfahrten auf dem Zürichsee). Die lohnen sich – egal, ob man eine kleine oder die große Tour macht. Denn es gibt viel zu sehen – im Hintergrund sogar die Alpen. Wir sind bis ins See-Ende nach Rapperswil gefahren, und weil es bei bestem Sommerwetter so schön war, auch die reichlich zwei Stunden zurück. (Große Rundfahrt nach 9 Uhr 2. Klasse, 31 Franken plus 5 Euro Seezuschlag, das 24-Stunden-Ticket wird angerechnet.)

Fußgänger- und radlerfreundlich

Natürlich hätten wir auch das Rad nehmen können. Denn Zürich hat nicht nur einen ausgezeichneten öffentlichen Personennahverkehr, der absoluten Vorrang hat, sondern ist auch ausgesprochen rad- und fußgängerfreundlich. Zahlreiche Radwege schlängeln sich durch die zwölf Kreise der Stadt. Und wo kein Radweg ist, wird auf der Straße gefahren. Selbst in engen Straßen nehmen Autofahrer Rücksicht. Velofahrer übrigens auch – wir haben kaum angespannte Situationen erlebt. Wie uns Zürcher Bekannte erzählten, wird aber nicht nur viel Rad gefahren, es werden auch viele Räder geklaut. Darin nimmt sich die Stadt dann wohl doch nichts mit Berlin.

“Züri rollt”

Nicht nur für Touristen gibt es ein ganz besonderes Angebot. Unter dem Motto “Züri rollt” können kostenlos (gegen Hinterlegung eines Pfandes von 20 Schweizer Franken und eines Ausweises) Räder an verschiedenen Ausleihstationen, darunter der Hauptbahnhof, ausgeliehen werden. Sie müssen nur am Abend zurückgebracht werden. (Die Nachtausleihe kostet 10 Franken, für Elektrovelos werden 20 Franken verlangt.) Eine schöne Idee, die man sich auch hierzulande umgesetzt wünschte.

 

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