Startup: Die Palupas shoe GmbH produziert Badelatschen anders

Badelatschen neu erfunden

25.10.2018, Angelika Giorgis

Fotos: Archiv Palupas shoe GmbH. Zum Vergrößern Hauptbild anklicken.

Hohenschönhausen. Sie sind bei Jung und Alt beliebt wie eh und je: Die strapazierfähigen Treter für den Sommer aus Kautschuk mit den markanten Zehentrennern zwischen dem großen Onkel und seinem Nachbarn. Der Volksmund nennt sie einfach: Badelatschen. Die Palupas shoe GmbH im Gewerbegebiet Plauener Straße produziert und bedruckt die angesagten Riemensohlen unter dem Label „myFotoflips“ mit individuellen Motiven und macht sie damit zum Verkaufsschlager.

Bekannt auf der ganzen Welt

Zehentrenner-Sandalen kennen die Menschen seit mehr als 4.000 Jahren. Eine Sohle, von einem breiten Riemen gehalten, schützt vor heißem Sand und Geröll, ist im Prinzip leicht herzustellen und pflegeleicht. Man sieht sie am Strand, am Pool, auf der Straße und heutzutage immer öfter abends auch in der Bar.

95 Prozent dieser Schuhe kommen aus Südostasien oder Brasilien. Die billige, uniforme Massenware überschwemmt die ganze Welt. In Japan dienen Reishalme als Sohle. Die Brasilianer ersetzten diese Anfang der 1960er-Jahre durch Gummi und kreierten die im Sommer beliebten Havaianas. In Afrika glätten Handwerker ausrangierte Reifen und schneiden daraus Sohlen.

Die Idee vom Kilimanjaro

Das sah Mathias Eylers, als er sich im Jahr 2008 in einem Dorf am Fuße des Kilimanjaros ein paar individuell gefertigte Badelatschen kaufte. Seine Geschäftsidee war geboren: Das Entwerfen und Produzieren von Kollektionen und Badelatschen nach Wunsch mit Animal-Prints, Comics, Fotos und eigener Beschriftung. Also keine Badelatschen mit Wühltisch-Niveau.

Eigentlich wollte der Jung-Unternehmer diese nicht selbst produzieren. Er suchte nach Partnern. Doch die Druckindustrie sah sich außerstande, die Sohlen und Riemen lange haltbar zu bedrucken. Die Schuhindustrie hatte mit dem Herstellen schon seit Jahrzehnten keine Erfahrungen mehr, aber Interesse an solchem individuellen Schuhwerk schon. Es sollte jedoch auch bezahlbar sein.

Produziert, veredelt und lange haltbar

Nach erfolgreich abgeschlossenem BWL-Studium kam Eylers aus Bamberg zur Beuth-Hochschule nach Berlin, wo ihm ein Gründerstipendium winkte. Er gründete 2010 seine Firma und verkauft seit 2012 die „myFotoflips“ – strapazierfähige Badelatschen aus Kautschuk. Die Schuhsohle wird mittels einer hochwertigen und lange haltbaren Veredelung eines speziellen, stark haftenden Textils bedruckt. Es fallen keine Druckeinrichtungskosten an. So lassen sich auch Einzelpaare herstellen. Stanzreste werden recycelt und wiederverwertet. Mit dieser Innovation gewann die Palupas shoe GmbH in diesem Jahr einen der Promotional Gift Awards vom Kölner Verlagshaus WA Media, einen internationalen Preis für haptische Werbung.

“Deine Spuren im Sand”

Abnehmer der Fotoflips sind hauptsächlich Firmen, die mit dem Aufdruck für ihr Unternehmen werben. Hotels ordern seit 2017 Fious, klassische, bedruckte oder bestickte Hotelslipper. Werbeagenturen bestellen für ihre Kunden. Immer beliebter sind die Zehentrenner auch als Gastgeschenke, mit dem Aufdruck „Just married“ beispielsweise für Hochzeitsgäste. Einzelne Kunden mögen besonders Hunde- und Katzenporträts oder Urlaubsfotos. Firmen entscheiden sich eher für Logos, beispielsweise das BMW-Werk in Leipzig oder Lufthansa. Vertiefungen in der Sohle ermöglichen einen Abdruck im Sand. So kann man am Strand seinen Namen oder ein Motiv hinterlassen.

Produziert wird just-in-time

Mit der Produktion kommt das Unternehmen kaum hinterher. Aus dem Ein-Mann-Betrieb wurde eine Firma mit Grafikdesignern und Mediengestaltern und – je nach Auftragslage – zehn bis 15 Mitarbeitern. Oft steht auch der Chef mit an den Maschinen. Im Sommer ist sein Arbeitstag besonders lang. „Wir suchen dann immer Leute auf 450-Euro-Basis oder in Teilzeit für die Produktion oder das Lager, auch für Vertrieb und Marketing“, erklärt Eylers. (Interessenten können sich melden unter: jobs@palupas.de)

Die Badelatschen werden mittlerweile auch über den Versandhändler Amazon vertrieben und just-in-time produziert. Gerade hat die Firma zehn Palletten nach Holland geliefert. Der Preis hängt von der Menge ab. Wer eine eigene Kreation bestellt, zahlt um die 25 Euro für das Einzelpaar. Eine Bestellung ab zehn bis 500 Paar kann innerhalb von 24 Stunden ausgeliefert werden. Produziert wird von Kindergröße 25 bis Schuhgröße 50, die Basketballer tragen. Auch bedruckte Schuhbeutel gehören zum Angebot.

„Die meisten Hochschulabsolventen gründen digitale Unternehmen. Wir produzieren“, erklärt Eylers. Deshalb ist er froh, für seine Firma ein Obdach im Gewerbegebiet Econopark an der Plauener Straße in Alt-Hohenschönhausen  gefunden zu haben. Gerade im Online-Handel sind die Logistik-Bedingungen entscheidend bei der Wahl des Produktionsstandortes. Und für junge Unternehmen ist auch der Mietpreis ganz wichtig.

 

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