Ruinen an der Gehrenseestraße sollen bald verschwinden

B-Planverfahren eingeleitet

20.03.2019, Klaus Tessmann

Fotos: Klaus Tessmann

Alt-Hohenschönhausen. Seit mehr als 15 Jahren prägen die Ruinen der früheren Wohnheime zwischen Hauptstraße, Gehrenseestraße und Wollenberger Straße das Bild des alten Dorfkerns von Hohenschönhausen. Kein schöner Anblick für die Bewohner der Seefelder Straße und die vielen Autofahrer, die täglich dort vorbei fahren. Diese sehen marode Häuser mit zerschlagenen Scheiben, umgestürzte Bauzäune und Graffiti.

Als Arbeiterwohnheime errichtet

Die leerstehenden Plattenbauten waren in den 1980er-Jahren als Arbeiterwohnheime errichtet worden. Sie dienten als Wohnheime für die vietnamesischen Vertragsarbeiter. Obwohl dringend neue Wohnungen gebraucht werden, hat sich seit Jahren dort nichts getan. Mehrfach wechselte der Eigentümer, immer wieder gab es Hoffnungen auf einen Neubau. Die Ruinenlandschaft ist auch kein besonderes Aushängeschild für die Wirtschaftsförderung des Bezirks, wenn es darum geht, neue Unternehmen für das Gewerbegebiet westlich der Wollenberger Straße zu begeistern.

Städtebaulicher Wettbewerb Ende 2018 abgeschlossen

Nun könnte sich etwas verändern. Die zuständige Stadträtin für Stadtentwicklung, Birgit Monteiro (SPD), verbreitet Hoffnung. Sie verweist auf einen städtebaulichen Wettbewerb, der Ende 2018 abgeschlossen wurde. Das Gelände zwischen Gehrenseestraße/Wollenberger Straße/Rhinstraße und Marzahner Straße hat zwei Eigentümer – die Howoge und das private Wohnungsunternehmen „Belle Epoque“. Anfang des Jahres haben die konkreten Arbeiten an einem Bebauungsplanverfahren begonnen.

Auch eine Kita und eine Schule geplant

Allerdings zieht sich erfahrungsgemäß ein B-Planverfahren über zwei Jahre hin. Es müssen viele Aspekte  – von der Verkehrsplanung über Zufahrten für Rettungsfahrzeuge bis hin zum Umweltschutz und der Lärmbelästigung –  berücksichtigt werden. Und schließlich müssen auch in einem öffentlichen Verfahren die Meinungen und Vorschläge der Anwohner gehört werden.

Dennoch ist die Stadträtin sehr zufrieden darüber, dass nach den vielen Jahren des Verfalls nun endlich wieder Bewegung in die verfahrene Situation gekommen ist. Nach den Plänen aus dem städtebaulichen Wettbewerb sollen dort ca. 2.000 Wohnungen für rund 4.000 Einwohner gebaut werden. Sowohl der Bezirk als auch die beiden Eigentümer haben das Ziel, das Areal als ein neues Wohngebiet von Hohenschönhausen zu entwickeln. „Auch eine Schule, eine Kita und Spielflächen sollen entstehen“, so Monteiro.

Parkhaus und Parkplätze vorgesehen

Der Plan zeigt einen großen Marktplatz im Eingangsbereich zum Wohngebiet gleich gegenüber der Taborkirche. Im weiteren Verfahren muss nun diese Idee ausführlich beschrieben werden. Noch ist nicht festgelegt, ob dort ein Wochenmarkt entstehen soll oder ob rund um den Platz kleine Geschäfte für den täglichen Bedarf angesiedelt werden sollen. Ein größeres Handelszentrum wird ausgeschlossen. Die Versorgung kann über das Zentrum am Storchennest erfolgen. Das Grundstück für eine dreizügige Grundschule und eine Kita haben die beiden Eigentümer dem Bezirk überlassen. Für den Innenbereich des Quartiers ist viel Grün vorgesehen. Im nördlichen Teil des Wohngebiets ist ein unterirdisches Parkhaus geplant, im südlichen Teil will die Howoge Parkplätze bauen. Bei der Verkehrskonzeption muss auch berücksichtigt werden, dass sich das Quartier an das Gewerbegebiet in der Marzahner Straße anschließt. Deshalb sollen die Häuser so ausgerichtet werden, dass sie einen Lärmschutz bilden.

Fünf Hochhäuser

Der größte Teil der Gebäude soll über sieben Etage verfügen. Aber es sind bisher auch fünf Hochhäuser in der Größenordnung wie das Hochhaus gegenüber in der Seefelder Straße vorgesehen. Der Plan sieht vor, ein Hochhaus an der Ecke Gehrensee-/Wollenberger Straße zu errichten. Ein weiteres soll als südlicher Abschluss an der Marzahner Straße entstehen. Drei Hochhäuser werden am Marktplatz – gegenüber der Hauptstraße – als Eingangsbereich zum neuen Wohngebiet geplant. Ob das allerdings alles auch so realisiert wird, muss das weitere Planungsverfahren erst zeigen.

Bis jetzt ist auch noch nicht geklärt, welche Auswirkungen dieser Plan auf die letzen drei Häuser des alten Dorfes Hohenschönhausen haben wird. Die ehemalige Dorfstraße wird durch die an dieser Stelle sechsspurige Rhinstraße unterbrochen. Es ist kaum noch erkennbar, dass westlich der Rhinstraße die Hauptstraße noch weiter geht. Unter der Asphaltdecke verbirgt sich noch das historische Kopfsteinpflaster – wie man an einigen Stellen deutlich sieht.

Mindestens zwei Veranstaltungen zur Bürgerbeteiligung

Über die genaue Zeitplanung kann die Stadträtin noch keine Auskünfte geben. Aber es wird mindestens zwei Veranstaltungen für die Bürgerbeteiligung geben. Birgit Monteiro hofft, dass die Bezirksverordneten in zwei Jahren über den Bebauungsplan abstimmen können. „Ich bin zuversichtlich, dass wir dort in naher Zukunft ein neues Stadtquartier haben“, sagt sie.

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