Grüne Mitte präsentiert Gomringer-Gedicht auf Spanisch und Deutsch

“avenidas” wieder in Hellersdorf

21.02.2019, Birgitt Eltzel

Fotos: Birgitt Eltzel

Hellersdorf. Das Gedicht „avenidas“ von Eugen Gomringer ist wieder da: Seit Dienstag, 19. Februar, ist es an der Fassade eines frisch sanierten Wohnhauses der Genossenschaft „Grüne Mitte“ zu sehen. Die Ode des Dichters, die von der Alice-Salomon-Hochschule (ASH) verschwinden musste, ist an der Kyritzer Straße 82 nicht nur in ihren original spanischen Worten zu lesen wie vormals an der ASH, sondern auch auf Deutsch. Die Konstruktion aus Metallbuchstaben wird hinterleuchtet und ist damit auch abends und nachts gut zu erkennen.

Bekannt geworden als Hellersdorfer Gedichtestreit

Die Auseinandersetzung um das bereits 1951 entstandene Werk des deutsch-bolivianischen Dichters war 2017/18 als Hellersdorfer Gedichtestreit auch international bekannt geworden. Studierende der Alice-Salomon-Hochschule hatten die Zeilen als sexistisch gewertet. Damals zierte das Gedicht bereits einige Jahre die Südfassade der Bildungsstätte. Nach einem langen Beteiligungsprozess in der Hochschule stand am Ende die Entscheidung: Gomringers Gedicht kommt weg. Zahlreiche Künstler und Kulturschaffende äußerten sich empört über Kulturbarbarei, auch Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) kritisierte den Umgang mit dem Werk. Seit Abschluss der Sanierung der Südfassade der Hochschule prangt dort nun ein Gedicht von Barbara Köhler, ebenso wie Eugen Gomringer Träger des Alice Salomon Poetik Preises, LiMa+ berichtete.

Nicht nur schlichte Malerei

Dass die „Grüne Mitte“ die Gomringer-Worte für die Fassadengestaltung wählte, geht auf das Unverständnis zurück, mit dem etliche Genossenschafter die Auseinandersetzung betrachtet hatten. Denn diese hatte schließlich auch Hellersdorf in ein wenig schmeichelhaftes Licht gerückt. Dass das Gedicht nicht wie an der Hochschule durch schlichte Malerei die Giebelwand schmückt, sondern als Lichtinstallation aus Metall, ist auch auf die bisherigen Fassadenaktionen der Genossenschaft zurückzuführen. Denn diese tat bei Sanierung der Wohngebäude stets auch etwas für die Kunst – so wurden beispielsweise lustige Metallfiguren an Wohnhäusern an der Zossener Straße angebracht. Dort entstanden auch die weithin sichtbaren „Sonnenblumenhäuser“, zwei Hochhäuser mit großformatig und farbenfroh bemalter Fassade.

Theater und Genossenschaftscafé

Mit dem Jahr 2018 hat die 1995 gegründete Genossenschaft ihren gesamten Bestand saniert (2.700 Wohnungen) in Hellersdorf. Nun will sie ihren Mitgliedern und Mietern weiteren Mehrwert bieten: Sie baut, LiMa+ berichtete,  an der Luckenwalder Straße ein eigenes Theater zwischen zwei Punkthäusern. Und Anfang dieses Monats eröffnete sie an der Fercher Straße 2B ein Genossenschaftscafé, das Café Sonnenschein.

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