Autoersatzteile online von Lichtenberg in 25 europäische Länder

Autodoc kommuniziert in 16 Sprachen

13.06.2019, Angelika Giorgis

Fotos: Angelika Giorgis (1,2,4), Archiv Autodoc (3,5,6,7). Zum Vergrößern Hauptbild anklicken.

Es begann mit einer Autolampe. Vitalij Kungel bekam sie in einer Fachwerkstatt für 60 Euro angeboten. Er wusste, dass sie im Großhandel viel günstiger zu haben ist und erzählte seinen Freunden Alexej Erdle und Max Wegner davon. Kungel ist Betriebs- und Finanzwirtschafter, Erdle Experte im Bereich Kfz und Wegner IT-Spezialist und kompetent im Onlinemarketing. Die Drei erkannten, dass Direktvermarktung einen Einspareffekt um bis zu 70 Prozent möglich macht. Sie bauten dafür einen einfachen Online-Handel auf und verpackten anfangs noch selbst. Wenig später konnte bereits der erste Mitarbeiter eingestellt werden.

Kommunikation in 16 Sprachen

Seit 2008 liefert das Unternehmen Kfz-Ersatzteile an Kunden in Deutschland, 2015 erfolgte die Umbenennung in Autodoc und die Expansion in weitere 25 europäische Länder. Es kommuniziert von Berlin Lichtenberg aus in 16 Sprachen – auch auf Facebook, Twitter und YouTube. Dort kann man beispielsweise von Autodoc-Experten in 1.600 Videos sehen, wie eine Reparatur erfolgt. „Wir setzen ausschließlich auf Internetvermarktung und haben keine stationären Shops“, erzählt Pressesprecher Thomas Casper. „Für die Kunden ist es wichtig, dass auf die spezifischen Bedingungen ihres Landes eingegangen und entsprechend beraten wird.“

75.000 Autoteile pro Tag

Derzeit kann die Firma knapp 2,5 Mio. Produkte von 526 Markenherstellern für 119 Automarken ausliefern: Bremsanlagen, Karosserieteile, Stoßdämpfer, Federn, Auspuffanlagen, Innenraumelemente, Lenkungen, Kupplungen, Klimaanlagen, Heizungen, Reparatursätze, Motorenöl, aber auch Schrauben und ähnliche kleine Ersatzteile. Die kleineren Teile sortieren und verpacken derzeit rund 80 Frauen im Lager. Insgesamt sind dort 400 Leute tätig. „40 Lieferanten bringen täglich etwa 75.000 Stück dieser 2,5 Millionen Teile“, erzählt Alex Gerner, Leiter des Hauptlagers. Es ist alles On-Demand-Ware: Morgens wird geliefert, abends gehen die Pakete und Päckchen an die Kunden. Bis zu 16 Lkw holen sie dann ab. Es gibt zwei große Zentrallager, das eine in Lichtenberg und das andere in Szczecin (Stettin). Deutschland, Frankreich und die Benelux-Länder werden von Berlin aus beliefert und alle anderen Länden aus Szczecin.

Qualität vor Schnelligkeit

Dafür arbeiten an einem der 70 Packtische drei Mann zusammen: ein Packer und zwei Picker, die die Logistik übernehmen. Dort begann auch Gerners betriebliche Laufbahn vor vier Jahren. Er war Vorarbeiter und Gabelstapler-Fahrer und lernte so die Abläufe im Unternehmen im Detail kennen.

Im Fokus des Unternehmens steht immer die attraktivsten Preise anzubieten und eine niedrige Rücksendequote zu erreichen. Die Qualität der Auslieferung geht vor Schnelligkeit. Daher achtet man darauf, dass die Bestellung komplett an den Kunden versendet wird. Der niedrige Verkaufspreis lässt sich durch die Größe des Unternehmens und niedrige Gesamtkosten realisieren. Aber nicht zu Lasten der Löhne der Mitarbeiter.

Mitarbeiter empfehlen Autodoc als Arbeitgeber

Um das weitere Wachstum des Unternehmens abzusichern, werden ständig neue Kollegen eingestellt, vor allem im Lager- und im kaufmännischen Bereich. Viele neue Mitarbeiter können durch Empfehlungen der Mitarbeiter gewonnen werden, die ihren Arbeitgeber bei Freunden und Bekannten empfehlen. Schichtarbeit gibt es hier nicht. Allerdings wird in der Hochsaison auch an Samstagen gearbeitet.

400 Millionen Euro Umsatz 2019

Hatte Autodoc 2017 einen Umsatz von 254 Millionen Euro, so wird in diesem Jahr mit einer Steigerung um etwa 60 Prozent auf über 400 Millionen Euro gerechnet. „Das ist Eigenwachstum, das nicht durch den Zukauf von anderen Firmen realisiert wurde“, berichtet Casper. Man rechnet mit weiterem Wachstum. Die Unternehmensberatung McKinsey schätzte bereits 2017 in ihrer Studie „The changing aftermarket game“ ein, dass bis 2035 rund 20 bis 30 Prozent der Ersatzteile Online gekauft werden.

Weil das Geschäft so gut läuft, tritt das Unternehmen auch als Sponsor auf. Anlässlich des zehnjährigen Firmenjubiläums im Jahr 2018 zum Beispiel bei der ADAC Rallye Deutschland. Seit Jahresbeginn 2019 auch bei der FIA World Ralley Championship. Auch das soziale Engagement ist dem Unternehmen wichtig. Das Kinderhospiz Berliner Herz erhielt eine Spende von 10.000 Euro, weitere 10.000 Euro erhielt der Bundesverband Kinderhospiz e.V.

Hauptstandort des Unternehmens wird Lichtenberg bleiben, selbst wenn es zunehmend schwieriger wird, dort Gewerbeflächen zu mieten. Im Mai hat Autodoc eine Repräsentanz auf dem Kurfürstendamm eröffnet.
www.autodoc.de


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