Tischlerei Hätscher entwickelt sich nach Brand innovativer denn je

Aus der Krise erwuchs eine Chance

03.04.2019, Angelika Giorgis

Foto: Angelika Giorgis. Zum Vergrößern Hauptbild anklicken.

Lichtenberg. Mehr als 17 Jahre lief alles gut für René Hätscher und sein zwölfköpfiges Team. Seit dem Jahr 2001 hatten sich der Tischlermeister und seine Mitarbeiter im Bezirk und darüber hinaus einen Namen gemacht. Die Tischler arbeiteten als Messebauer auf der IFA, bauten das ARD-Hauptstadtstudio von „berlin direkt“, Möbel für Agenturen, den Tresen für die Pro7-Show „Popstars“, auch das Sofa fürs ZDF-Morgenmagazin.

Feuer in der Werkstatt richtete großen Schaden an

Gerade hatten sie damit begonnen, die Produktionsprozesse zu optimieren und die Kommunikation unter den Kollegen zu verbessern, damit sich die Teams selbst organisieren können. René Hätscher holte sich dafür Hilfe von der Unternehmensberaterin Jacqueline Koeppen. Sie ist Trainerin für Persönlichkeitsentwicklung. Auf ihren Rat hin war er im März auf einer Coaching-Reise in Nepal unterwegs und kam voller Tatendrang zurück.

Wenige Tage später, am 9. April 2018, machte ein Brand in der Werkstatt, Coppistraße 9, jedoch alle Pläne zunichte. Das Gebäude stand beim Eintreffen der Feuerwehr in Flammen. Eine Katastrophe für Meister René Hätscher und sein Team. Doch ans Aufhören wollten sie nicht denken.

Der Schaden beläuft sich bis jetzt auf etwa 1,2 bis 1,3 Millionen Euro. Aber schon in den ersten Tagen danach war klar: Hätscher macht weiter – und mit ihm drei seiner Kollegen. Die anderen suchten sich neue Jobs. Sie wollten keine Asche auskehren.

Das große Aufräumen

Was ermutigte den 47-jährigen Tischlermeister zu diesem Schritt? Die Einsatzbereitschaft der treuen Kollegen und die Hilfe der Nachbar-Unternehmen. Denn Handwerker helfen sich untereinander. Auch das Bezirksamt meldete sich und vermittelte eine Mietwerkstatt in Vogelsdorf, wo vorübergehend die Produktion weiterging, während am alten Standort das Aufräumen startete. „Mein Arbeitstag begann 5 Uhr morgens und endete abends gegen 22 Uhr, erzählt Tischlermeister Hätscher.

Neue Unternehmenskultur

In dieser Krise sah er aber auch die Chance, eine der modernsten, innovativsten und nachhaltigsten Tischlereien Deutschlands aufzubauen. Gemeinsam mit Jacqueline Koeppen will er eine Unternehmenskultur schaffen, die vom Mitgestalten, von Verantwortung und Verbundenheit mit der Firma geprägt ist. Außerdem wurde in moderne Maschinen investiert und der Digitalisierung die Tür geöffnet. Mitarbeiter Achim Schulz erklärt: „Mit unserer neuen Unternehmenskultur sind die Kollegen keine Befehlsempfänger mehr, obwohl der Chef natürlich auch weiterhin den Hut aufhaben wird. In einem hierarchisch strukturierten Handwerksbetrieb ist das beinahe eine kleine Revolution.“ Je nachdem, wie sich die Firma in der nächsten Zeit entwickelt, sollen zehn bis zwölf weitere Kollegen eingestellt werden.

Moderne Technik

Seit Mitte November läuft die Produktion wieder am Lichtenberger Standort. Jetzt stehen in der hellen, etwa 1.000 Quadratmeter großen Halle moderne Produktionsmaschinen und viele Monitore. „Von der Auftragserstellung bis zur Auslieferung wird alles digital begleitet“, berichtet Silvio Hoppe. Die Steuerung kann über einen Tablet-PC erfolgen, die Verständigung geschieht im Chat. Dafür hat sich die Firma Hilfe geholt. Sie kooperiert mit dem Fachbereich Holzingenieurwesen der Hochschule für nachhaltige Entwicklung in Eberswalde. Gemeinsam mit dem wissenschaftlichen Mitarbeiter Otto Smentek wurde die Projektgruppe Innovationswerkstatt Holz gegründet.

In der Halle steht ein langer Tresen. Er wird in einem besonderen Hotel aufgestellt. Das ehemalige Frauengefängnis Lichterfelde beherbergt seit ein paar Jahren Studios, Ateliers und Proberäume. Nun soll ein Teil des Gebäudes zu einem Hotel umgestaltet werden. Und die Firma Hätscher übernimmt die Möblierung.

Räume vorab virtuell besichtigen

Möbel können auch private Kunden in Auftrag geben, jedoch keine Reparaturen. Die neue Homepage https://hmi-tischlerei.de, informiert über das gesamte Portfolio. In Hätschers Büro steht bereits ein Computer, dem eine 3D-Brille angeschlossen ist. Jan Kirchner von der Firma Defabe (Denkfabrik Berlin) erklärt, wie damit Räume virtuell eingerichtet und besichtigt werden können. Kirchner und seine Kollegen kommen regelmäßig hierher, um Hätschers Kunden zu zeigen, wie Möbel im Raum wirken. Die Tischlerei Hätscher baut dann die realen Objekte.

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