Jetzt geht’s los: Alfred-Brehm-Haus im Tierpark wird umgestaltet

Auge in Auge mit dem Tiger

29.05.2018, Birgitt Eltzel

Fotos: Birgitt Eltzel (1,3,5, 6, 7), Zoo Berlin (2,4,12), Freunde Hauptstadtzoos (8, 9, 10, 11)

Friedrichsfelde. Auf Augenhöhe sollen sie sich begegnen: Mensch und Raubtier. Wenn das umgebaute und modernisierte Alfred-Brehm-Haus im Tierpark Berlin wieder öffnet, werden die Besucher Tiger & Co. Auge in Auge gegenüberstehen – nur getrennt durch Netze und eine Sicherheitsglasscheibe. Am Dienstag, 29. Mai, gab es den offiziellen Start zum Umbau des denkmalgeschützten Gebäudes: Dr. Andreas Knieriem, Chef von Tierpark und Zoo Berlin, beseitigte mit einem Bagger symbolisch das Geländer an der ehemaligen Löwenanlage. Die Fertigstellung ist mit 2019 angegeben. In welchem Monat genaudas Haus wiedereröffnet, darüber halten sich die Tierpark-Verantwortlichen bedeckt. Bekanntlich dauern in der deutschen Hauptstadt etliche Bauvorhaben länger als gedacht…

Umgestaltung zum Regenwaldhaus

Das vor 55 Jahren als Europas größtes und modernstes Raubtierhaus eröffnete Alfred-Brehm-Haus ist in die Jahre gekommen. Nachdem es in den vergangenen Jahren bereits energetisch saniert wurde, wird es nun zu einem südostasiatischen Regenwaldhaus umgestaltet – mit mehr Platz für die Tiere, besseren Arbeitsbedingungen für ihre Pfleger und einer zeitgemäßeren Präsentation. Quantität weicht Qualität, heißt die Devise: Statt wie im Jahr 2015 insgesamt 19 Raubtierarten (Groß-, Klein- und Schleichkatzen) mit 54 Tieren werden nach Fertigstellung des Umbaus nur noch acht Raubtierarten mit etwa 25 Tieren, keineswegs nur Katzen, zu sehen sein. „Alfred Brehm stand ja auch nicht nur für Katzen, sondern für Biodiversität“, sagt Knieriem. Weil der Tierpark auf dem weitläufigen Gelände in Friedrichsfelde nach einem Masterplan in den kommenden Jahren zu einem geografischen Zoo umgebaut werden soll, habe man sich entschieden, das einstige Raubtierhaus zum modernen Regenwaldhaus zu machen. Die Besucher werden dort bedrohte Tierarten aus den Regenwäldern Südostasiens erleben – von der Königskobra über Sumatra-Tiger bis hin zu Malaienbären.

Bessere Haltungsbedingungen

Alle Tiere werden im modernisierten Alfred-Brehm-Haus bessere Lebensbedingungen haben. So werden die bisherigen Raubtierhallen mit den Felsen auf das Dreifache vergrößert. Die alten Wassergräben werden zugeschüttet und mit Sand aufgefüllt, so dass sich das Gelände auf dem Niveau der Besucher befindet. Nur die ca. 3,5 Meter hohen Glasscheiben und Netze trennen dann noch Mensch und Tier. Auch tropische Pflanzen statt bisher nur karges Gestein wird es dort künftig geben. Die beiden Malaienbären Tina und Johannes, die noch im früheren Menschenaffenhaus auf knapp 180 Quadratmeter leben, verbessern sich ebenfalls. 2019 werden sie im Brehm-Haus eine großzügige Anlage mit 1.000 Quadratmeter Fläche mit Kletterbäumen beziehen. Das Geld dafür, insgesamt 475.000 Euro, kam vom Förderverein für Tierpark und Zoo Berlins, den Freunden der Hauptstadtzoos, mit mehr als 4.000 Mitgliedern.

Sibirische Tiger müssen leider gehen

Etliche Tiere werden allerdings im Regenwaldhaus nicht mehr zu sehen sein. So müssen die Sibrischen Tiger (auch Amurtiger genannt) in andere Zoos übersiedeln. In welche, ist noch nicht klar, sagt Kurator Christian Kern. Das richte sich nach dem Europäischen Erhaltungszuchtprogramm, ein Projekt zur koordinierten Zucht, um den Erhalt bedrohter Arten zu sichern. Die Löwen sind bereits umgezogen – und kehren erst zurück, wenn das neue Löwenhaus fertig ist. Das soll im künftigen Afrika-Komplex (rund um Giraffen – und Elefantenhaus) entstehen. Erste Vorplanungen für dieses Projekt beginnen jetzt.

Einige Tiere bleiben auch bei Bauarbeiten

Anna Buttkus, Architektin aus dem Büro dan pearlmann, das gemeinsam mit den Architekten von SKP den Umbau plante, sagt, dass man dabei selbstverständlich Rücksicht auf die im Alfred-Brehm-Haus lebenden Tiere genommen habe. Denn etliche verbleiben trotz der Arbeiten im Gebäude (drei Nebelparder, drei Java-Leoparden, fünf Binturongs, die sechs Tiger und die Palawan-Begalkatzen). Dichte Staubwände sollen sie vor Lärm und Schmutz schützen, zudem kämen sie tagsüber aufs Außen- bzw. Innengelände, wo nicht gearbeitet wird. Der Umbau erfolge abschnittsweise. Sie erzählt, dass in der ehemaligen Tropenhalle das Wasserbecken vertieft wird, weil dort schließlich auch Krokodile gezeigt werden sollen. Vor den einzelnen Boxen würden Pflanzen eingebracht, so dass die Tiere sich auch verstecken können, wenn sie das möchten. Ein Großteil der Außenkäfige wird abgerissen und zu großen Freilandanlagen umgebaut. Einige bleiben erhalten, damit die Tiere dort bequem vom Innen- in den Außenbereich wechseln können.

Bis zur Fertigstellung geschlossen

Das 5.300 Quadratmeter große Alfred-Brehm-Haus wurde nach den Plänen des bekannten DDR-Architekten Heinz Graffunder (1926-1994) gebaut und 1963 eröffnet. Finanziert wird der Umbau mit knapp 8,2 Millionen Euro (4,1 Millionen Euro Land Berlin. 3,6 Millionen Euro Lottostiftung, 475.000 Euro Fördergemeinschaft). Für die Tierpark-Besucher sind bis zur Fertigstellung des Umbaus lediglich die Tiger auf der Felsen-Außenanlage zu sehen, das Alfred-Brehm-Haus selbst ist geschlossen.

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