Bernd Müller: Schornsteinfeger, Buchautor und Berlinkenner

Auf Streifzug durch die Stadtgeschichte

30.07.2015, Klaus Tessmann

Fotos: Klaus Tessmann

Mahlsdorf/ Mitte. Ein halbes Jahrhundert lang ist der Bezirksschornsteinfeger Bernd Müller aus Mahlsdorf den Leuten auf´s Dach gestiegen. Die vergangenen 25 Jahre hat er als Hobbyhistoriker zudem genutzt, um in die Geschichte Berlins einzutauchen. Müller hat sich intensiv mit seiner Heimatstadt beschäftigt, so manche ernste oder lustige Begebenheit gefunden, die sich hier einst ereignete, und diese für die Nachwelt aufgeschrieben. Mittlerweile ist sein viertes Buch erschienen. Über das historische Berlin. Gemeint ist der Kiez rund um die Nikolaikirche im Bezirk Mitte; das Nikolai-, Heiliggeist-, Marien- und Klosterviertel. Hier, im Herzen Berlins, wurde Bernd Müller im kalten Februar 1932 geboren. Der „letzte Ureinwohner vom Nikolaikirchplatz“ hat das alte Berlin noch als Kind erlebt, bevor die historischen Bauten im Bombenhagel des Zweiten Weltkriegs in Schutt und Asche versanken.

Lebenserinnerungen als Mahnung

Und so erinnert Müller in seiner jüngsten Broschüre an Straßen und Häuser, die es heute nicht mehr gibt. Der Autor möchte an historische Schätze erinnern, die durch den Krieg verloren gegangen sind oder – und das ist für ihn viel schlimmer – dem Modernisierungswahn zum Opfer fielen. „Meine Lebenserinnerungen sollen auch eine Mahnung an die heutigen Stadtplaner und Architekten sein, genau zu überlegen, wie viel Historie eine Gesellschaft braucht, denn die Zukunft ist ohne Geschichte nicht machbar“, sagt Müller. Er bedauert sehr, dass ausgerechnet im Zentrum von Berlin viele Orte in Vergessenheit geraten sind. Die Straßen des historischen Berlins liegen heute unter einer dicken Beton- oder Asphaltschicht begraben. Beim Bau der U-Bahn kamen einige geschichtsträchtige Orte wieder zum Vorschein und wurden von Bauleuten, Politikern und Berlinbesuchern bestaunt. Müller verweist auf die 700jährige Geschichte des Hohen Steinwegs, der Bischofstraße, der Kalandsgasse und vieler anderen Züge im Spreebogen, die aus dem Stadtbild verschwunden sind. Nur vom Nikolai- und Klosterviertel ist noch einiges erhalten.

Eine Stadt und ihre Bewohner

Als Hobbyhistoriker beginnt Müller seinen historischen Stadtspaziergang natürlich in grauer Vorzeit. Er geht dabei der Frage nach, warum es an dieser Stelle der Spree schon immer für Menschen attraktiv war, ihre Siedlungen zu bauen. Das Nikolaiviertel ist das älteste bewohnte Gebiet von Berlin. Die Stadt wird erstmals in einer Urkunde vom 26. Januar 1244 erwähnt. Die Schwesternstadt Cölln ist nach den Dokumenten 80 Jahre älter. Doch Müller vermutet, dass beide Städte links und rechts der Spree gleichzeitig entstanden sind. Der Autor lässt das alte Berlin mit dem Mühlendamm, dem Krögel und der Molkenstraße in Texten, historischen Bildern und Stadtplänen wieder erstehen, erinnert an berühmte Bewohner wie die Dichter Fritz Reuter und Lessing, den Maler Max Liebermann und den Alchimisten Johannes Kunckel.

Führungen als Broschüren erhältlich
Doch Bernd Müller beschäftigt sich nicht nur als Hobby-Forscher mit der Geschichte seiner Stadt. Noch vor einigen Jahren hat er Berliner und Gäste der Hauptstadt vom Brandenburger Tor bis ins Nikolaiviertel geführt. Er war als Leierkastenmann oder Eckensteher Nante in Mitte unterwegs und würzte seine historischen Führungen immer mit deftigem Berliner Humor. Dazu ist der 83jährige heute nicht mehr in der Lage. Seine drei Stadtführungen liegen aber in Form von Broschüren vor. Anhand von „Das alte Berlin“, „Das Nikolaiviertel“ und „Berlin zwischen den Mauern“ können die Leser die Stadtspaziergänge nachvollziehen. Im vergangenen Jahr ist Müllers eigene Lebensgeschichte unter dem Titel „Zukunft ist ohne Vergangenheit nicht möglich“ erschienen.

 

Bernd Müllers Broschüren sind im Zille-Museum im Nikolaiviertel, Propststraße 11, 10178 Berlin, Tel. (030) 24 63 25 00 erhältlich.

 

 

 

 

Diesen Artikel empfehlen

Facebook Share Twitter Share

Leserkommentare

Ihr Kommentar zum Thema

Bitte melden Sie sich an.



absenden